Wirtschaft

Aufarbeitung des SchmiergeldskandalsEx-Siemens-Vorstand vor Gericht

28.12.2010, 10:31 Uhr

In der Aufarbeitung des milliardenschweren Siemens-Skandals muss sich jetzt erstmals auch ein ehemaliger Zentralvorstand des Elektrokonzerns vor Gericht verantworten. Die Hauptverhandlung gegen den 50-jährigen Ganswindt soll am 11. Januar beginnen.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der frühere Siemens-Vorstand

Thomas Ganswindt muss sich ab Mitte Januar wegen der Schmiergeldaffäre des Konzerns

vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von schwarzen Kassen

und zweifelhaften Zahlungen im ehemaligen Telekommunikationsbereich des Unternehmens

gewusst zu haben. Laut Anklage ist er nicht hinreichend dagegen vorgegangen und

hat sich somit einer Verletzung seiner Aufsichtspflicht und Steuerdelikten schuldig

gemacht. Ganswindts Anwalt wollte keine Stellung zu den Anschuldigungen

nehmen.

Ganswindt ist der bislang ranghöchste ehemalige Siemens-Manager, der wegen der größten

Korruptionsaffäre in der deutschen Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit vor

Gericht steht. Mehrere seiner früheren Mitarbeiter sind wegen schwarzer Kassen und

Schmiergeldzahlungen für Aufträge in Russland und Nigeria bereits verurteilt worden.

Der Prozess gegen den einstigen Konzernvorstand, der Ende 2006 knapp zwei Wochen

in Untersuchungshaft gesessen hatte, beginnt am 11. Januar und ist auf zehn Verhandlungstage

angesetzt, wie die Münchener Justiz mitteilte.

Mit dem Verfahren neigt sich die strafrechtliche Aufarbeitung der Siemens-Korruptionsaffäre

in Deutschland dem Ende zu. Gegen zwei frühere Topmanager laufen noch Ermittlungsverfahren.

Ein Urteil könnte auch Auswirkungen auf die Schadensersatzforderungen von Siemens

gegen Ganswindt haben. Das Unternehmen hat ein entsprechendes Zivilverfahren gegen

den 50-Jährigen angestrengt, zugleich laufen aber auch seit rund einem Jahr Gespräche

über eine außergerichtliche Einigung.

Für Siemens ist der Bestechungsskandal, bei dem 1,3 Mrd. Euro in dunkle Kanäle

geflossen waren, weitgehend abgehakt. Der Konzern zahlte für Strafen, Steuerrückstände

und die interne Aufklärung rund 2,5 Mrd. Euro. Mit den meisten seinerzeit

verantwortlichen Vorständen hat sich Siemens auf Schadenersatzzahlungen geeinigt.

Quelle: dpa/rts