Aufarbeitung des SchmiergeldskandalsEx-Siemens-Vorstand vor Gericht
In der Aufarbeitung des milliardenschweren Siemens-Skandals muss sich jetzt erstmals auch ein ehemaliger Zentralvorstand des Elektrokonzerns vor Gericht verantworten. Die Hauptverhandlung gegen den 50-jährigen Ganswindt soll am 11. Januar beginnen.
Der frühere Siemens-Vorstand
Thomas Ganswindt muss sich ab Mitte Januar wegen der Schmiergeldaffäre des Konzerns
vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von schwarzen Kassen
und zweifelhaften Zahlungen im ehemaligen Telekommunikationsbereich des Unternehmens
gewusst zu haben. Laut Anklage ist er nicht hinreichend dagegen vorgegangen und
hat sich somit einer Verletzung seiner Aufsichtspflicht und Steuerdelikten schuldig
gemacht. Ganswindts Anwalt wollte keine Stellung zu den Anschuldigungen
nehmen.
Ganswindt ist der bislang ranghöchste ehemalige Siemens-Manager, der wegen der größten
Korruptionsaffäre in der deutschen Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit vor
Gericht steht. Mehrere seiner früheren Mitarbeiter sind wegen schwarzer Kassen und
Schmiergeldzahlungen für Aufträge in Russland und Nigeria bereits verurteilt worden.
Der Prozess gegen den einstigen Konzernvorstand, der Ende 2006 knapp zwei Wochen
in Untersuchungshaft gesessen hatte, beginnt am 11. Januar und ist auf zehn Verhandlungstage
angesetzt, wie die Münchener Justiz mitteilte.
Mit dem Verfahren neigt sich die strafrechtliche Aufarbeitung der Siemens-Korruptionsaffäre
in Deutschland dem Ende zu. Gegen zwei frühere Topmanager laufen noch Ermittlungsverfahren.
Ein Urteil könnte auch Auswirkungen auf die Schadensersatzforderungen von Siemens
gegen Ganswindt haben. Das Unternehmen hat ein entsprechendes Zivilverfahren gegen
den 50-Jährigen angestrengt, zugleich laufen aber auch seit rund einem Jahr Gespräche
über eine außergerichtliche Einigung.
Für Siemens ist der Bestechungsskandal, bei dem 1,3 Mrd. Euro in dunkle Kanäle
geflossen waren, weitgehend abgehakt. Der Konzern zahlte für Strafen, Steuerrückstände
und die interne Aufklärung rund 2,5 Mrd. Euro. Mit den meisten seinerzeit
verantwortlichen Vorständen hat sich Siemens auf Schadenersatzzahlungen geeinigt.