Wirtschaft

US-Erholung soll Dollar stärkenFed verteidigt Geldschwemme

06.11.2010, 15:00 Uhr

Nach internationaler Kritik an der äußerst laxen Geldpolitik der US-Notenbank verteidigt Fed-Chef Bernanke die milliardenschweren Anleihenkäufe. Er sieht darin nicht ein Mittel zur Schwächung, sondern zur Stärkung des Dollar. China will sich derweil bei der Aufwertung der Landeswährung Yuan Zeit lassen.

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Fed-Chef Ben Bernanke. (Foto: dpa)

US-Notenbankchef Ben Bernanke

hat die jüngste Geldschwemme der Fed gegen weltweit scharfe Kritik verteidigt. Für

die globale Stabilität sei es wichtig, dass die US-Wirtschaft zu alter Stärke zurückfinde,

sagte Bernanke. Eine Erholung der US-Konjunktur werde wiederum den Dollar stützen,

dessen Schwäche von vielen Ländern bemängelt werde. Die Ankündigung der Fed, weitere

Staatsanleihen in Milliardenhöhe zu kaufen, war weltweit auf Skepsis und Kritik

gestoßen - unter anderem auch in Deutschland. Experten fürchten durch die Kapitalüberflutung

unter anderem eine ausufernde Inflation und eine Verschärfung der weltweiten Währungsungleichgewichte.

"Ich denke, es ist

wichtig darauf hinzuweisen, dass eine starke US-Wirtschaft entscheidend ist - nicht

nur für die Amerikaner sondern auch für die globale Erholung", sagte der Fed-Chef.

Die USA seien sich absolut über die Rolle des Dollar in der globalen Wirtschaft

als Reservewährung bewusst. Der Dollar werde wieder an Wert gewinnen, sobald sich

die US-Wirtschaft stärker erhole.

Peking entschärft Kritik

China, das die US-Regierung zuletzt frontal für die jüngste Geldspritze der Notenbank Fed angegriffen

hatte, schlug Vize-Finanzminister Wang Jun versöhnliche Töne an. "Jede Verbesserung

der US-Wirtschaft spielt eine wichtige Rolle für die Erholung der globalen Konjunktur",

sagte Wang am Rande eines Treffens der Finanzminister des asiatisch-pazifischen

Raums im japanischen Kyoto. Doch auch Wang schloss sich der Kritik, die aus Deutschland

und Brasilien kam, an. Große Wirtschaftsländer sollten vor einer exzessiven Geldmengenvermehrung

zurückschrecken, sagte Wang. China werde die lockere Geldpolitik in den USA genau

beobachten.

China steht mit seiner Meinung

nicht allein da. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befand, die neue Geldspritze

der US-Notenbank löse die Probleme des Landes nicht und zudem schürten die USA den

Verdacht, gezielt den Dollarkurs nach unten zu drücken. Der Chef der brasilianischen

Notenbank, Henrique Meirelles, sagte, die überschüssige Liquidität in den USA führe

in anderen Ländern zu Problemen. Darüber müsse beim nächsten G20-Gipfel in Südkorea

gesprochen werden.

Die Staats- und Regierungschefs

der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer treffen sich am Donnerstag und Freitag

zu ihrem fünften Gipfel. Die Finanzminister der Länder im asiatisch-pazifischen

Raum bereiteten dieses Treffen mit vor, das sich hauptsächlich mit der Beseitigung

von Handelsbilanz-Ungleichgewichten beschäftigen wird.

Geithner gegen festes Überschuss-Ziel

US-Finanzminister Timothy

Geithner distanzierte sich von dem von ihm im Oktober ausgegebenen konkreten

Ziel für eine Reduzierung von Exportüberschüssen. Die USA strebten beim G20-Gipfel

keine Einigung auf eine numerische Vorgabe an, sagte Geithner.

Ursprünglich hatte er vorgeschlagen,

dass Überschüsse und Defizite in der Leistungsbilanz - die alle Waren- und Dienstleistungsumsätze

umfasst - die Quote von vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten

dürfen. Der Vorstoß stieß auf viel Kritik. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle

warnte daraufhin vor "einem Rückfall in planwirtschaftliches Denken".

Schäuble sagte dem "Spiegel", der amerikanische Vorstoß nach Schwellenwerten

bei Leistungsbilanzüberschüssen sei "für Deutschland unter keinen Umständen

akzeptabel". "Es gibt viele Gründe für die amerikanischen Probleme - die

deutschen Exportüberschüsse gehören nicht dazu."

Keine schnellere Yuan-Aufwertung

China sieht derweil keinen

Spielraum für eine beschleunigte Aufwertung der heimischen Währung. Ein Regierungsexperte

sagte der Zeitung "China Securities Journal", das Tempo werde im nächsten

Jahr nicht viel höher sein als im laufenden. "Einige Unternehmen haben deutlich

gemacht, dass sie eine Aufwertung des Yuan von maximal fünf bis sechs Prozent für

bewältigbar halten. Das ist vernünftig", sagte der Forscher Li Jian, der für

eine Denkfabrik des Handelsministeriums arbeitet. China hatte die starre Bindung

des Yuan an den Dollar im Juni etwas gelockert. Seitdem hat der Kurs der chinesischen

Währung 2,55 Prozent zugelegt.

Li betonte, eine deutliche

Wechselkurs-Anpassung auf einen Schlag würde für die heimische Wirtschaft einen

Schock bedeuten. Er verwies darauf, dass Chinas Exportindustrie im kommenden Jahr

voraussichtlich eine schwache Nachfrage aus den USA und Europa zu verkraften habe.

So dürfte sich das Wachstum der Ausfuhren 2011 auf unter 20 Prozent verlangsamen,

sagte der Experte. In diesem Jahr werde der Anstieg voraussichtlich über dieser

Marke liegen. Vor allem die USA werfen China vor, den Kurs des Yuan künstlich niedrig

zu halten und sich damit unfaire Handelsvorteile zu schaffen.

Unter anderem weil sich

die Erholung der Weltwirtschaft abschwächt, wird auch eine Verlangsamung des chinesischen

Wirtschaftswachstums erwartet. Dieses werde in den kommenden drei bis fünf Jahren

auf etwa sieben Prozent sinken von erwarteten zehn Prozent 2010, sagte der Regierungsexperte

Liu Shijin, der einem Forschungsinstitut des Staatsrates angehört. Er warnte zugleich

vor wachsenden Inflationsgefahren für China in den kommenden Jahren als Folge der

lockeren Geldpolitik in den USA.

Quelle: nne/rts