Samstag, 09. Juli 2011
Berlusconi-Schlappe vor Gericht: Fininvest muss zahlen
Schallende Ohrfeige für Silvio Berlusconi: Ein Mailänder Berufungsgericht verdonnert den vom italienischen Ministerpräsidenten kontrollierten Fininvest-Konzern zu einer saftigen Geldstrafe. Berlusconis Erzrivale De Benedetti kann frohlocken. Seiner CIR-Holding war durch Fininvest mit unlauteren Mitteln das Verlagshaus Mondadori weggeschnappt worden.Im jahrzehntelangen Streit um die Kontrolle des italienischen Verlagshauses Mondadori hat ein Berufungsgericht in Mailand den Fininvest-Konzern von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zur Zahlung von 560 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt. Das Urteil ist sofort vollstreckbar. Berlusconi hatte sich vor der Urteilsverkündung noch überzeugt gezeigt, dass das Berufungsgericht die Fininvest nicht verurteilen werde.
In erster Instanz war Fininvest im Oktober 2009 zur Zahlung von 750 Millionen Euro an die Holding von Berlusconis Erzrivalen Carlo De Benedetti verurteilt worden. Damit sollte De Benedettis CIR-Holding für ein Urteil von 1991 entschädigt werden, mit dem Fininvest die Kontrolle über Mondadori erhielt.
1997 hatte ein Gericht geurteilt, dass der damalige Richterspruch "gekauft" worden war - Berlusconi wurde wegen Verjährung jedoch nie dafür belangt. Der Holding von De Benedetti gehören unter anderem die Tageszeitung "La Repubblica" und das Wochenmagazin "L'Espresso", die zu den wenigen regierungskritischen Medien in Italien gehören.
Berlusconi hatte kurz zuvor nach heftiger Kritik eine Maßnahme für das in der vergangenen Woche verabschiedete milliardenschwere Sparpaket gestrichen, die Fininvest zumindest vorübergehend die Zahlung der hohen Entschädigung erspart hätte. Der 74-Jährige kontrolliert de facto das Fernsehen in Italien. Zu seinem Medienkonzern Mediaset gehören drei Privatsender.
AFP
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