Wirtschaft
Sonntag, 30. Mai 2010

Spanien ringt mit Reformen: Fitch will Füße still halten

Die Ratingagentur Fitch gelobt das Rating für Spanien ein Jahr lang nicht mehr anzutasten. Die Sparmaßnahmen werden das Wachstum des Landes voraussichtlich drosseln. Die Aussichten seien aber stabil und die Kreditwürdigkeit des Landes bleibe hoch. Die Regierung kämpft unterdessen mit der Umsetzung der unpopulären Sparmaßnahmen.

Die Flaggen von Spanien und der EU wehen über der Bank von Spanien. Die Regierung will die Arbeitsmarktreform unbedingt durchbekommen.
Die Flaggen von Spanien und der EU wehen über der Bank von Spanien. Die Regierung will die Arbeitsmarktreform unbedingt durchbekommen.(Foto: REUTERS)

Im hoch verschuldeten Spanien gestalten sich die Gespräche über eine Reform des Arbeitsmarkts offenbar schwierig: Die Regierung verlängerte bereits die von ihr gesetzte Frist für eine Einigung von Gewerkschaftern und Unternehmern um eine weitere Woche. Die Gespräche sollten noch am Wochenende fortgesetzt werden. Die Unternehmer verlangen vor allem Lockerungen des Kündigungsschutzes, wogegen die Gewerkschaften Widerstand angekündigt haben. Die Arbeitslosenquote in der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone liegt bei 20 Prozent.

Sollte es bei den Gesprächen nicht zu einer Einigung kommen, will die sozialistische Minderheitsregierung die Reformen im Alleingang beschließen. Da sie im Parlament auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen ist, dürfte ihr das schwer fallen. Zudem haben die Gewerkschaften für den Fall eines Alleingangs einen Generalstreik angekündigt.

Die Reform gilt als Schlüssel zur Wiederherstellung der spanischen Wettbewerbsfähigkeit - und damit auch zu Wirtschaftswachstum und Haushaltskonsolidierung. Erst am Donnerstag hatte das Parlament mit nur einer Stimme Mehrheit einem milliardenschweren Sparpaket zugestimmt. Es sieht Kürzungen von weiteren 15 Mrd. Euro vor, darunter Lohnsenkungen im öffentlichen Dienst. Die Regierung senkte zudem ihre Wachstumsprognosen für 2012 und 2013 um je 0,4 Prozentpunkte auf 2,5 beziehungsweise 2,7 Prozent. Nach Ansicht einiger Analysten bleiben die Schätzungen weiter zu optimistisch.

Fitch: Sparkurs bremst Wachstum

Die Ratingagentur Fitch hatte die Kreditwürdigkeit Spaniens am Freitagabend um eine Stufe auf "AA+" zurückgestuft und dies damit begründet, dass das Wirtschaftswachstum aufgrund der massiven Sparpläne verlangsamen werde. Den wirtschaftlichen Ausblick Spaniens schätzt Fitch aber weiter stabil ein. Die Herabstufung hatte zu Verlusten am US-Aktienmarkt geführt und auch den Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung belastet.

Und wieder wird der Euro zum Spielball eines Länderratings.
Und wieder wird der Euro zum Spielball eines Länderratings.(Foto: Reuters)

Fitch kündigte derweil an, die Kreditwürdigkeit Spaniens für die kommenden zwölf Monate nicht mehr anzutasten. "Das Kreditprofil wird sich künftig etwas verschlechtern, aber zur Zeit gehen wir davon aus, dass es im nächsten Jahr keine Senkung des Ratings gibt", sagte Fitch-Analyst Brian Coulton. Es gebe in der jetzigen Bewertung einen Toleranzbereich.

Im internationalen Vergleich sei Spaniens Schuldenniveau von knapp unter 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts niedrig, betonte Coulton. Die Regierung in Madrid beweise Haushaltsverantwortung. Dieses Jahr wird die spanische Wirtschaftsleistung nach Einschätzung von Fitch voraussichtlich um 4,5 Prozent schrumpfen. Im kommenden Jahr sei mit einem leichten Konjunkturanstieg von 0,5 Prozent zu rechnen.

S&P hatte Spaniens Bonität bereits Ende April auf "AA+" gesenkt. Nur bei Moody's besitzen die Südeuropäer noch die bestmögliche Bewertung.

Quelle: n-tv.de

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