Wirtschaft

Unternehmer, Spion und SozialistFoto-Unternehmer Porst tot

30.04.2010, 13:34 Uhr

Hannsheinz Porst hafteten viele Etiketten an. Auf jeden Fall war er eine der schillerndsten und widersprüchlichsten Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte und blieb stets ein Mann der Ideale. Im Alter von 87 Jahren ist Porst nun gestorben.

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Der Unternehmer Hannsheinz Porst stirbt 87-jährig nach einem bewegten Leben. (Foto: picture alliance / dpa)

Hannsheinz Porst, der langjährige Eigentümer der gleichnamigen Fotohandelskette "Photo Porst", starb im Alter von 87 Jahren gestorben.

Hannsheinz Porst hatte das Unternehmen 1960 von seinem Vater übernommen. Durch geschickte Werbung, Fotoversand und Teilzahlungsangebote wurde aus dem 1919 gegründeten kleinen Fotoladen bald ein florierendes Geschäft.

Später baute Porst die Firma mit Ladenketten und Franchise-Partnern zu einem der größten deutschen Fotohäuser aus. 2002 musste "Photo Porst" jedoch Insolvenz anmelden.

Hannsheinz war er eine der schillerndsten und widersprüchlichsten Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Höhen und Tiefen lagen in Porsts Leben stets eng beieinander. Während der am 8. November 1922 in Nürnberg geborene Porst in den 1960er Jahren die Foto-Kette an die Spitze der Branche führte, landete er zweimal im Gefängnis.

Höhen und Tiefen

Zunächst wurde er wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung verhaftet und kam erst gegen eine Kaution von acht Mio. Mark wieder frei. Später musste er eine Strafe von zwei Mio. Mark und eine Steuernachzahlung in Höhe von 9,5 Mio. Mark zahlen.

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1969 wurde Porst wegen angeblicher landesverräterischer Beziehungen zur DDR zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

1969 sorgte Porst für neue Schlagzeilen, als er wegen angeblicher landesverräterischer Beziehungen zur DDR zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde. "Ich wurde völlig missverstanden. Ich versuchte lediglich, gegenseitiges Verständnis zu fördern", verteidigte Porst seinen "missionarischen Eifer", der ihn dazu getrieben hatte, gleichzeitig der FDP und der SED beizutreten und angeblich für die Stasi zu spitzeln.

"Experiment Sozialismus"

Aus seiner Sympathie zum Marxismus hatte Porst nie einen Hehl gemacht, und so wagte der Unternehmer 1972 in seiner Foto-Kette das "Experiment Sozialismus": Er führte in seiner Firma mit Sitz in Schwabach die "totale Mitbestimmung" ein, verschenkte das Unternehmen an seine 1600 Mitarbeiter und ließ fortan basisdemokratisch entscheiden. In seinem Innersten sei er eben ein Sozialromantiker, sagte Porst über sich selbst.

Als Unternehmer ist er daran letztlich gescheitert. Das Mitbestimmungsmodell endete 1982, als das Unternehmen mit Hilfe ausländischer Investoren gerettet werden musste. Trotz Restrukturierungs- und Sanierungsbestrebungen konnte sich Photo Porst aber nicht mehr erholen und meldete im Jahr 2002 Insolvenz an. Das "größte Fotohaus der Welt" gibt es seitdem nicht mehr.

Hannsheinz Porst zog sich Ende der 1970er Jahre immer mehr ins Privatleben zurück. Vor den Toren Nürnbergs widmete sich der passionierte Fotograf, Flieger, Herrenreiter und Liebhaber schwerer amerikanischer Straßenkreuzer zuletzt vor allem der Zucht von Hochlandrindern.

Quelle: dpa