Donnerstag, 20. Mai 2010
Reißender Absatz bei Baguette-Bonds: Frankreich lockt Anleger
Französische Anleihen stoßen unter Investoren derzeit auf deutlich höheres Interesse als deutsche Staatspapiere. Marktexperten sehen darin bereits eine Folge des deutschen Verbots von Leerverkäufen. Auch Spanien findet mehr Investoren als es mit Staatsanleihen bedienen kann.Spanien und Frankreich sind am Donnerstag bei der Emission von Staatsanleihen auf hohe Nachfrage am Markt gestoßen. Beide Länder nahmen zusammen 14,2 Mrd. Euro auf. Frankreich profitierte dabei nach Einschätzung von Analysten von den Folgen des Leerverkauf-Verbots in Deutschland. Bei einer der fünfjährigen Anleihen aus Paris war das Interesse sogar fünfmal so groß wie das Angebot - eine solch hohe Überzeichnung hat es seit Ausbruch der weltweiten Finanzkrise im August 2007 nur selten gegeben. "Das war ein großartiges Ergebnis", sagte Marc Ostwald von Monument Securities.
Die Investoren seien deswegen an französischen Papieren interessiert, weil sie wegen ihrer Spitzenbewertung durch die Ratingagenturen eine Alternative zu deutschen Anleihen seien, hieß es. Deutschland war am Mittwoch auf eine vergleichsweise schwache Nachfrage gestoßen.
Spanien lockt
Doch auch der Appetit auf Anleihen der Peripherieländer wächst. So war die Emission einer zehnjährigen Staatsanleihe Spaniens 2,03-fach überzeichnet, bei der jüngsten Emission im März war die Nachfrage noch deutlich geringer. Das Volumen lag hier bei 3,52 Milliarden Euro. Allerdings war die Spanne bei den eingereichten Geboten besonders groß, der Durchschnittspreis lag deutlich über dem niedrigsten noch akzeptierten Gebot. Das deutet auf Unsicherheit am Markt hin. "Der Unterschied war riesig", sagte Ostwald. "Man darf sich gar nicht vorstellen, wie schlecht die Gebote waren, die gar nicht erst angenommen wurden."
Portugal will am 26. Mai das nächste Mal an den Kapitalmarkt gehen. Dann sollen bei der Emission einer fünfjährigen Anleihe 500 Millionen bis eine Milliarde Euro aufgenommen werden, teilte die Schuldenagentur mit. Zugleich kündigte Finanzminister Carlos Pina an, sein Land werde alle diese Woche zur Rückzahlung anstehenden Anleihen ablösen. Die gegenwärtigen Konditionen am Kapitalmarkt gefährdeten Portugals Fähigkeiten nicht, Mittel aufzunehmen. Der spanische Nachbar war im Zuge der Griechenland-Krise wegen seines hohen Haushaltsdefizits in das Visier der Märkte geraten, die eine Ausweitung der Krise befürchten.
rts
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