Wirtschaft

Sparquote fälltGeld sitzt wieder lockerer

23.11.2010, 13:14 Uhr

Nachdem die Arbeitnehmer wieder etwas mehr in den Taschen haben, lässt die Sparquote der Deutschen merklich nach. Das "Angstsparen" scheint überwunden. "Die Deutschen gönnen sich wieder was", sagen Experten.

Sparen-Shoppen
(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutschen legen im Aufschwung deutlich weniger Geld auf die hohe Kante. Die Sparquote fiel im dritten Quartal auf 9,6 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Zu Jahresbeginn hatten die Verbraucher noch 15,2 Prozent ihres verfügbaren Einkommens gespart, im Frühjahrsquartal 11,0 Prozent. "Die wirtschaftliche Erholung drängt das Angstsparen zurück", sagte Analystin Ulrike Kastens von Sal. Opppenheim. "Die Deutschen gönnen sich wieder etwas." In Krisenzeiten wird in der Regel mehr Geld gespart und weniger konsumiert, um Vorsorge gegen Arbeitslosigkeit oder Lohnkürzungen zu treffen.

In den Sommermonaten wird traditionell besonders wenig Geld beiseite gelegt, weil viele Deutsche verreisen und im Urlaub nicht jeden Euro zweimal umdrehen. Aber auch bereinigt um solche saisonalen Schwankungen ging die Sparquote zurück: Sie lag im dritten Quartal bei 11,2 Prozent, nachdem sie am Jahresanfang noch 11,7 Prozent und im Frühjahr 11,6 Prozent betragen hatte. Dennoch ist die Sparquote im internationalen Vergleich recht hoch: In den USA liegt sie bei etwa sechs Prozent.

Lohnerhöhungen? Jein!

Im Aufschwung verdienen die Arbeitnehmer auch wieder mehr Geld. Die Nettolöhne und -Gehälter lagen um durchschnittlich 3,1 Prozent über dem Niveau des dritten Quartals 2009. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen kletterten allerdings fast dreimal so schnell: Sie legten um 8,7 Prozent zu.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle plädiert wegen des kräftigen Aufschwungs für deutliche Lohnerhöhungen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnt dagegen vor überzogenen Forderungen. "Dies ist jetzt nicht die Zeit dafür", sagte er. Die deutsche Wirtschaft komme aus einem tiefen Tal und werde erst Ende 2011 wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Ratschläge aus der Politik zur Tarifpolitik seien "nicht hilfreich". "Auf gar keinen Fall dürfen daraus Begehrlichkeiten entstehen." Die Tarifpartner seien mit einer Lohnpolitik gut gefahren, die sich am Produktivitätsfortschritt orientiert. "Daran sollte festgehalten werden", sagte Hundt.

Quelle: dpa