Aussichten: Leicht bewölktGeschäftsklima trübt sich ein
Nach einem stimmungsvollen Jahresauftakt blickt die deutsche Wirtschaft wieder skeptischer in die Zukunft. Vor allem dank eines leichten Rückgangs der Erwartungen sinkt der Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai. Ifo-Chef Sinn bleibt aber optimistisch.
Kleiner Dämpfer für die deutsche Wirtschaft: Die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen trübte sich im Mai überraschend ein - wenn auch nur leicht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank um 0,1 auf 101,5 Punkte, teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) zu seiner Umfrage unter rund 7000 Firmen mit. Von Reuters befragte Experten hatten dagegen einen Anstieg auf 102,0 Punkte erwartet. Trotzdem sieht Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn den Aufschwung vorerst nicht gefährdet: "Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland erweist sich als robust".
Die Schuldenkrise in Europa hat dem Institut zufolge bislang keine großen Auswirkungen auf die Konjunktur. "Die deutsche Wirtschaft kommt recht stabil durch die Turbulenzen", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger zu Reuters. Ein direkter Effekt auf die Konjunktur lasse sich im Moment nicht ableiten. Die Manager schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate allerdings nicht mehr so gut ein wie im April: Der Index für die Erwartungen sank auf 103,7 von 104,0 auf Punkte. Dagegen wurde die Geschäftslage etwas besser bewertet: Dieser Teilindex kletterte von 99,3 auf 99,4 Punkte.
Optimismus bleibt
Im Einzel- und Großhandel und im Bauhauptgewerbe trübte sich das Geschäftsklima ein, während es bei den Dienstleistern stabil blieb. Gegen den Trend hellte sich die Stimmung in den Industriefirmen erneut auf. "Im Auslandsgeschäft rechnen sie nochmals mit einer kräftigeren Belebung als bisher", sagte Sinn. "Ihre Mitarbeiterzahl wollen die Unternehmen kaum noch reduzieren." Exportorientierte Industriefirmen "sehen weiter im globalen Geschäft ihre Chancen", sagte Ifo-Experte Abberger. Dies gelte vor allem für den Maschinen- und Fahrzeugbau. Dabei profitierten sie vom niedrigeren Eurokurs. Schwieriger sei es für Branchen, deren Importanteil höher sei, etwa die Chemie. Hier sorge der Eurokurs für steigende Kosten.
Experten befürchten, dass die Schuldenkrise über kurz oder lang auch auf die Konjunktur durchschlägt. "Wir sehen im Moment ein Tauziehen zwischen zwei Faktoren: Auf der einen Seite stehen der schwächere Euro-Wechselkurs und das starke Wachstum in Asien", sagte UniCredit-Experte Andreas Rees. "Auf der anderen Seite sind die Unternehmen wegen der Schuldenkrise mit einer erheblichen Unsicherheit konfrontiert. Sie befürchten, dass es spätestens 2011 synchrone Sparanstrengungen geben wird, was die Geschäfte belastet."