Wirtschaft
Der Trend ist nicht erfreulich: Der Schuldenberg der Eurozone wächst.
Der Trend ist nicht erfreulich: Der Schuldenberg der Eurozone wächst.(Foto: picture alliance / dpa)

8.750.000.000.000 Euro: Eurozone häuft Rekordschulden an

Sie haben sich die Sanierung ihrer Haushalte vorgenommen. Doch im ersten Jahresviertel ist der Schuldenberg der 17 Euroländer erneut gestiegen. Inzwischen beträgt er durchschnittlich 92 Prozent der Wirtschaftsleistung. Spitzenreiter ist Griechenland. Im gemeinsamen Währungsraum können sich einzig Deutschland und Estland verbessern.

Die Staaten der Eurozone stehen vor einem neuen Schuldenrekord. Bis Ende März kletterten die Verbindlichkeiten der 17 Länder auf 92,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das entspricht 8,75 Billionen Euro. Ende 2012 betrug der Schuldenberg 90,6 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte.

Am stärksten in der Kreide stand am Ende des ersten Quartals Griechenland mit 160,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ein Jahr zuvor hatte der Wert erst bei 136 Prozent gelegen, im Vorquartal waren es knapp 157 Prozent. Der Wert nähert sich inzwischen wieder dem Niveau vor dem teilweisen Schuldenerlass im März 2012.

Deutschland baut Schulden ab

Bei der Rettung Griechenlands wird vor allem um diese Schuldenquote des Landes gerungen, die bis 2020 auf 120 Prozent sinken soll. Sie bezeichnet den Anteil der Schulden an der Wirtschaftsleistung. Erst bei 120 Prozent kann sich ein Land nach gängiger Meinung wieder selbst an den Kapitalmärkten langfristig refinanzieren. Wegen der schrumpfenden griechischen Wirtschaft dürfte die Schuldenquote Griechenlands zunächst aber weiter steigen.

Selbst nach zwei internationalen Hilfsprogrammen in Höhe von insgesamt 240 Milliarden Euro und einem Schuldenschnitt von mehr als 100 Milliarden Euro ist Griechenland nicht aus dem Schneider.

Italien folgt mit 130,3 Prozent und Portugal mit 127,2 Prozent. Irland kommt auf 125,1 Prozent. Diese Länder meldeten auch die stärksten Anstiege. Portugal und Irland erhalten ebenso wie Griechenland Milliardenhilfen der internationalen Geldgeber von EU und Internationalem Währungsfonds IWF.

Kaum verschuldet sind in der EU hingegen Estland mit 10,0 Prozent, Bulgarien mit 18,0 Prozent und Luxemburg mit 22,4 Prozent. Schulden abbauen konnten in den ersten drei Monaten des Jahres Lettland, Dänemark und Deutschland.

Die Schuldenquote Deutschlands blieb laut Statistik im Vergleich zum Vorjahr stabil und sank auf Quartalssicht leicht von 81,9 auf 81,2 Prozent. Grund dafür sind laut Experten vor allem niedrige Zinsen und die gute Wirtschaftsentwicklung, die für hohe Steuereinnahmen sorgt. Außer Deutschland hat im Vergleich zum Vorquartal im Euroraum nur noch Estland seine Staatsverschuldung reduziert.

Athen peilt Primärüberschuss im Haushalt an

Volkswirte der Allianz erwarten erst im übernächsten Jahr einen Rückgang des öffentlichen Schuldenstands und schrieben: "Die Sanierung der Staatsfinanzen bleibt ein langwieriger und zäher Prozess."

Unterdessen teilte das griechische Finanzministerium mit, dass das Haushaltsdefizit des Landes im ersten Halbjahr 2013 deutlich zurückgegangen sei. Demnach belief sich das Gesamtdefizit in den ersten sechs Monaten auf knapp fünf Milliarden Euro nach einem Defizit von fast 12,5 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das Primärdefizit - also das Defizit ohne die Zinszahlungen - summierte sich auf 1,5 Milliarden Euro, nach 3,3 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2012. Möglicherweise erreicht Athen bereits in diesem Jahr einen sogenannten Primärüberschuss. Darunter versteht man einen Haushaltsüberschuss des Staates, der allerdings die Zinsausgaben für Schulden ausblendet.

Der höher als erwartete Rückgang im ersten Halbjahr wurde nach offiziellen Angaben vor allem durch Einsparungen auf der Ausgabenseite erzielt. Allerdings klaffen Lücken auf der Einnahmeseite. Als Hauptgründe nennt das Ministerium die Fristverlängerung bei den Einkommensteuererklärungen für natürliche Personen bis Ende Juli, weitere Verzögerungen bei der Steuererhebung sowie den Einbruch bei den Verbrauchssteuern.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen