Wirtschaft

Milliardengewinn nicht genugGoogle-Maschine stottert

16.07.2010, 12:40 Uhr

Bei Google erwarten Anleger und Analysten immer das Besondere. Ein Milliardengewinn bei gleichzeitigem deutlichen Umsatzwachstum kann da schon einmal nicht genug sein. Aber was steckt dahinter?

goo
Googelt sich der Internetriese aus den Herzen der Anleger? (Foto: REUTERS/Clay McLachlan)

Die Geldmaschine Google ist ins Stocken geraten: Erstmals

seit zwei Jahren hat der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber die Erwartungen von

Analysten an das Gewinnwachstum nicht erfüllen können. Gestiegene Kosten

machten dem US-Konzern im zweiten Quartal zu schaffen und beunruhigten die

Finanzmärkte. Der Internetgigant investierte heftig in Forschung und

Entwicklung, den Ausbau neuer Geschäftsbereiche und ins Personal. Google selbst

gab sich zuversichtlich und versicherte, künftig weiter auf Wachstumschancen zu

setzen. Google-Aktien verloren nachbörslich in New York fast vier Prozent.

Google hat seit Beginn des Jahres seine

Geschäftsstrategien neu ausgerichtet, um die Abhängigkeit vom

Suchmaschinenmarkt zu verringern, wo der Konzern den Großteil seines Umsatzes

erzielt. Verstärkt geht Google den Kampf gegen Konkurrenten wie Microsoft,

Yahoo und Apple an - ist mit "Nexus One" auf dem Smartphone-Markt

aktiv und engagiert sich im lukrativen Geschäft mit mobiler Werbung.

"Während jeder vorsichtig ist, musst du dich auf etwas stürzen",

begründete Google-Finanzchef Patrick Pichette die Investitionen.

Forschung statt Marketing

Allein im zweiten Quartal stiegen die Betriebsausgaben

auf Jahressicht um 22 Prozent. "Sie geben mehr Geld für Forschung und

Entwicklung aus als erwartet wurde und ein bisschen weniger für Vertrieb und

Marketing", sagte Analyst Colin Gillis von BGC Partners. Sie hätten im

abgelaufenen Quartal 1200 Menschen eingestellt. Google beschäftigt jetzt 21.800

Mitarbeiter.

Der Nettogewinn stieg im zweiten Quartal im Vergleich zum

Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf 1,84 Mrd. Dollar. Ohne Sonderposten betrug

der Gewinn 6,45 Dollar pro Aktie. Analysten hatten im Schnitt mit 6,52 Dollar

gerechnet. Beim Umsatzwachstum von knapp einem Viertel auf 6,82 Mrd. Dollar

hätten Währungseffekte wie beispielsweise durch einen schwächeren Euro kaum

eine Rolle gespielt, versicherten Analysten. Finanzchef Pichette betonte zudem:

"In unseren Zahlen und unserem Geschäft haben wir keine Auswirkungen der

aktuellen Unruhen im Wirtschaftsumfeld festgestellt."

Google erwirtschaftet mehr als die Hälfte seiner Erlöse

außerhalb der USA. Zuletzt hat der Konzern aus dem Silicon Valley verkündet,

seine Internet-Lizenz in China sei erneuert worden. Auf seine künftige

Strategie auf dem weltgrößten Internetmarkt nach Nutzern ging Google nicht ein

- im Januar hatten die Amerikaner mit der Ankündigung überrascht, Chinas

staatlich vorgeschriebene Zensur der Suchergebnisse nicht länger hinnehmen zu

wollen.

Abenteuer Mobilfunk

In der westlichen Welt war Google wegen seines "Street-View"-Projekts angeeckt. Die durch die Städte fahrenden Autos hatten nicht nur Fotos geschossen, sondern sich auch in offene WLAN-Netze eingeklingt und Daten von Firmen und Privatleuten aufgezeichnet. Datenschützer ließen Sturm, mittlerweile interessieren sich auch Staatsanwälte für den Fall.

Eines der größten Abenteuer ist das Mobilfunk-Geschäft. Der Konzern hat das Handy-Betriebssystem Android entwickelt und mit dem Nexus One auch ein eigenes Smartphone auf den Markt gebracht. Nach einem durchwachsenen Start gilt Android mittlerweile als größte Gefahr für Apple mit seinem iPhone.

Quelle: bad/rts