Milliardengewinn nicht genugGoogle-Maschine stottert
Bei Google erwarten Anleger und Analysten immer das Besondere. Ein Milliardengewinn bei gleichzeitigem deutlichen Umsatzwachstum kann da schon einmal nicht genug sein. Aber was steckt dahinter?
Die Geldmaschine Google ist ins Stocken geraten: Erstmals
seit zwei Jahren hat der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber die Erwartungen von
Analysten an das Gewinnwachstum nicht erfüllen können. Gestiegene Kosten
machten dem US-Konzern im zweiten Quartal zu schaffen und beunruhigten die
Finanzmärkte. Der Internetgigant investierte heftig in Forschung und
Entwicklung, den Ausbau neuer Geschäftsbereiche und ins Personal. Google selbst
gab sich zuversichtlich und versicherte, künftig weiter auf Wachstumschancen zu
setzen. Google-Aktien verloren nachbörslich in New York fast vier Prozent.
Google hat seit Beginn des Jahres seine
Geschäftsstrategien neu ausgerichtet, um die Abhängigkeit vom
Suchmaschinenmarkt zu verringern, wo der Konzern den Großteil seines Umsatzes
erzielt. Verstärkt geht Google den Kampf gegen Konkurrenten wie Microsoft,
Yahoo und Apple an - ist mit "Nexus One" auf dem Smartphone-Markt
aktiv und engagiert sich im lukrativen Geschäft mit mobiler Werbung.
"Während jeder vorsichtig ist, musst du dich auf etwas stürzen",
begründete Google-Finanzchef Patrick Pichette die Investitionen.
Forschung statt Marketing
Allein im zweiten Quartal stiegen die Betriebsausgaben
auf Jahressicht um 22 Prozent. "Sie geben mehr Geld für Forschung und
Entwicklung aus als erwartet wurde und ein bisschen weniger für Vertrieb und
Marketing", sagte Analyst Colin Gillis von BGC Partners. Sie hätten im
abgelaufenen Quartal 1200 Menschen eingestellt. Google beschäftigt jetzt 21.800
Mitarbeiter.
Der Nettogewinn stieg im zweiten Quartal im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf 1,84 Mrd. Dollar. Ohne Sonderposten betrug
der Gewinn 6,45 Dollar pro Aktie. Analysten hatten im Schnitt mit 6,52 Dollar
gerechnet. Beim Umsatzwachstum von knapp einem Viertel auf 6,82 Mrd. Dollar
hätten Währungseffekte wie beispielsweise durch einen schwächeren Euro kaum
eine Rolle gespielt, versicherten Analysten. Finanzchef Pichette betonte zudem:
"In unseren Zahlen und unserem Geschäft haben wir keine Auswirkungen der
aktuellen Unruhen im Wirtschaftsumfeld festgestellt."
Google erwirtschaftet mehr als die Hälfte seiner Erlöse
außerhalb der USA. Zuletzt hat der Konzern aus dem Silicon Valley verkündet,
seine Internet-Lizenz in China sei erneuert worden. Auf seine künftige
Strategie auf dem weltgrößten Internetmarkt nach Nutzern ging Google nicht ein
- im Januar hatten die Amerikaner mit der Ankündigung überrascht, Chinas
staatlich vorgeschriebene Zensur der Suchergebnisse nicht länger hinnehmen zu
wollen.
Abenteuer Mobilfunk
In der westlichen Welt war Google wegen seines "Street-View"-Projekts angeeckt. Die durch die Städte fahrenden Autos hatten nicht nur Fotos geschossen, sondern sich auch in offene WLAN-Netze eingeklingt und Daten von Firmen und Privatleuten aufgezeichnet. Datenschützer ließen Sturm, mittlerweile interessieren sich auch Staatsanwälte für den Fall.
Eines der größten Abenteuer ist das Mobilfunk-Geschäft. Der Konzern hat das Handy-Betriebssystem Android entwickelt und mit dem Nexus One auch ein eigenes Smartphone auf den Markt gebracht. Nach einem durchwachsenen Start gilt Android mittlerweile als größte Gefahr für Apple mit seinem iPhone.