Wirtschaft
Finanzminister Varoufakis ist bereit, auf die nächste Kredittranche zu verzichten.
Finanzminister Varoufakis ist bereit, auf die nächste Kredittranche zu verzichten.(Foto: dpa)

Bruch mit der Troika: Griechen verzichten auf mehrere Milliarden Euro

Die Troika soll Griechenland nicht weiter belasten, fordert die neue Regierung des Landes. Doch wer Alpha sagt, muss auch Beta sagen: Das tun die Griechen nun und verzichten auf einen Milliardenbetrag.

Griechenlands neue Regierung hat ihre Bereitschaft zum Verzicht auf die für Ende Februar erwartete Kredittranche der EU erklärt. Im Gegenzug wolle Hellas die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission in ihrer jetzigen Form loswerden, erklärte Finanzminister Giannis Varoufakis in Athen. In Straßburg berieten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz über die Lage.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem warnte die Regierung des Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, Abmachungen ihrer Vorgängerinnen mit den europäischen Partnern zu brechen. "Vereinbarungen zu missachten, ist nicht der Weg nach vorn", sagte er nach seinem Treffen mit Varoufakis in der griechischen Hauptstadt. Mehrere Unionspolitiker forderten nach der Ankündigung der Griechen, die Hilfen für das Land einzustellen.

Varoufakis versicherte, sein Land strebe die "größte Zusammenarbeit" mit Einrichtungen wie EU, EZB oder IWF an. Sie wolle aber nicht mehr mit einer "antieuropäischen Dreierdelegation" zusammenarbeiten, die auf einer "wackeligen Grundlage" beruhe.

240 Milliarden Kredite angenommen

Video

Seit Beginn der Krise im Jahr 2010 schlugen Experten der in Griechenland unbeliebten Troika regelmäßig in Athen auf, um die Regierung zur Durchsetzung von Maßnahmen zum Schuldenabbau wie etwa Privatisierungen und massivem Stellenabbau von Staatsbediensteten anzuleiten. Im Gegenzug erhielt Griechenland seit 2010 Kredite in Höhe von 240 Milliarden Euro, um einen Staatsbankrott abzuwenden.

Die Besuche der Troika-Vertreter in Griechenland fanden häufig unter massivem Polizeischutz statt. Bei vielen Griechen, die von Massenarbeitslosigkeit betroffen sind und mit halbierten Löhnen und Gehältern auskommen müssen, stießen sie auf scharfe Ablehnung. Die beiden letzten Treffen zwischen Troika-Vertretern und der Regierung des rechtskonservativen Tsipras-Vorgängers Antonis Samaras fanden denn auch nicht in Griechenland, sondern in Paris statt.

Ende Februar müssen die Troika-Experten entscheiden, ob Athen die geforderten Maßnahmen so umsetzte, dass die Auszahlung der restlichen Kredittranche über sieben Milliarden Euro bewilligt werden kann. Varoufakis hatte schon am Donnerstag in einem Interview der "New York Times" erklärt, die sieben Milliarden Euro wolle er nicht. Stattdessen wolle er, dass "das ganze Programm" überdacht werde.

Tsipras reist nicht nach Berlin

Vor seinem Treffen mit dem griechischen Finanzminister führte Dijsselbloem Gespräche mit Regierungschef Tsipras, dessen Stellvertreter Ioannis Dragasakis und dem für internationale Wirtschaftsbeziehungen zuständigen Vize-Außenminister Euklidis Tsakalotos.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande sind am Freitag zu einem vertraulichen Arbeitsessen in Straßburg zusammengekommen. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hatte zu der informellen Begegnung eingeladen und erwartete seine Gäste am Eingang eines Straßburger Restaurants in der Nähe des Europaparlaments. Es hieß, dass nach dem Dreiertreffen keine Erklärungen abgegeben würden.

Tsipras und Varoufakis reisen kommende Woche zu Treffen mit ihren jeweiligen Kollegen nach Italien und Frankreich - in der Hoffnung, dort auf Sympathie für ihre Vorschläge zu stoßen.

Der griechische Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis bekräftigte die Absicht seiner Regierung, "definitiv" in der Eurozone zu bleiben. Im Gespräch mit dem "Spiegel" verlangte er aber Neuverhandlungen über das EU-Rettungspaket. Diese sollten nicht mit der Troika, sondern mit den Regierungen geführt werden.

Die Athener Börse, die am Freitag im Plus gestartet war, notierte am Nachmittag ein Minus von fast zwei Prozent. Der Zinssatz für zehnjährige griechische Staatsanleihen überschritt mit 11,5 Prozent erneut die Zehn-Prozent-Marke.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen