Wirtschaft
Beppe Grillo.
Beppe Grillo.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Störfeuer aus Italien: Grillo flirtet mit der Lira

Mit den italienischen Wahlen verschärft sich die europäische Schuldenkrise. Die Aussichten auf eine stabile Regierung sind gering und Wahlsieger Beppe Grillo lässt kaum eine Gelegenheit aus, für weitere Unsicherheit zu sorgen. Nun will er die Italiener über den Euro abstimmen lassen.

Beppe Grillo mischt nicht nur Italien auf, auch im Rest Europas sorgt der Krawall-Komiker für Aufsehen – und schürt die Sorgen um den künftigen Kurs der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone. Kurz nachdem er einen Schuldenschnitt für sein Land verlangt hatte, liebäugelt Grillo jetzt mit einer Volksabstimmung über die Mitgliedschaft Italiens in der Eurozone: "Ich bin für Online-Abstimmungen zum Euro", sagte er der "Bild am Sonntag". Seine Bewegung "Fünf Sterne" hatte bei der Parlamentswahl gut 25 Prozent der Stimmen erhalten.

Ein Referendum über die Gemeinschaftswährung steht in Italien derzeit zwar nicht auf der Agenda. Außerdem wäre ein Online-Votum für die Regierung nicht bindend – aber es hätte dennoch politisches Gewicht und könnte eine Dynamik mit ungewissem Ende auslösen.

Grillo hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, dass das italienische Volk über den Verbleib in der Eurozone entscheiden solle. Angesichts von Sparkurs, Rezession und wachsender Arbeitslosigkeit wird der Euro recht kritisch gesehen. Einer Studie der US-Bank Morgan Stanley zufolge will derzeit nur etwa die Hälfte der Italiener die Gemeinschaftswährung behalten.

Renditen steigen

"Der Ausgang der Wahlen spiegelt die Kollision zweier Makro-Trends wider, vor denen wir lange gewarnt haben", schrieb die politische Analystin der Citigroup, Tina Fodham und verwies auf das "Erstarken einer Anti-Establishment Stimmung" und "zunehmende Zweifel an den europäischen Verpflichtungen" inmitten in Phasen von geringem oder gar keinem Wachstum. Nicht nur in Italien wird der eingeschlagene Sparkurs als übertrieben angesehen. In Portugal demonstrierten am Samstag Hunderttausende gegen die Sparmaßnahmen ihrer Regierung.

Knapp eine Woche nach der Wahl mehren sich die Anzeichen, dass der Spitzenkandidat des linken Bündnisses, Pier Luigi Bersani, eine Minderheitsregierung bildet. Die Ungewissheit über die künftige Politik Italiens hinterlässt an den Finanzmärkten Spuren. Die Renditen für Staatsanleihen des Landes ziehen wieder an, der Euro verliert an Wert. Wie Italien das Problem der Verschuldung bei gleichzeitiger Wirtschaftsschwäche lösen will, bleibt ungewiss.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen