Deutsche überraschend konsumfreudigHändler trauen ihren Kassen nicht

Trotz Euro-Krise, Konjunkturangst und aller anderen Unwägbarkeiten herrscht in den deutschen Einkaufsmeilen unerwartet reger Betrieb: Die Kauflust der Deutschen scheint ungebrochen. Sie übertrifft sogar die Prognosen der Händler. Offenbar investieren die Bundesbürger ihr Geld derzeit bevorzugt in Haus, Kleiderschrank und Garten.
Die Freude der Deutschen am Einkaufen überrascht einem Zeitungsbericht zufolge selbst den Handelsverband Deutschland (HDE).
"Im bisherigen Jahresverlauf liegt der deutsche Einzelhandel über unserer Prognose von 1,5 Prozent Umsatzwachstum für 2011", sagte HDE-Geschäftsführer Kai Falk der "Euro am Sonntag". Auch für die Entwicklung bis zum Jahresende sei man optimistisch. Produkte aus den Segmenten Ausstattung in Heim und Garten sowie persönlicher Bedarf liefen derzeit besonders gut.
Dennoch wolle der Verband an seiner Prognose eines Umsatzwachstums von 1,5 Prozent vorerst noch festhalten. "Die Rahmenbedingungen für den Konsum sind angesichts der Entwicklung am Arbeitsmarkt und der Einkommen zwar insgesamt gut", sagte der Verbandschef.
Aber es gebe auch erhebliche Risiken, schränkte Falk ein. "Eine Eskalation der Schuldenkrise könnte zu einer Eintrübung der Verbraucherstimmung führen", erklärte der HDE-Sprecher.
Über die Ursachen der bislang ungetrübten Konsumfreude sind sich Experten uneins. Einige Beobachter weisen mittlerweile darauf hin, dass vielleicht gerade die Sorgen im Zusammenhang mit billionenschweren Maßnahmen zur Stabilisierung des Euro zu einer gesteigerten Ausgabebereitschaft beitragen. So raten einzelne Anlageexperten angesichts unsicherer Börsen und schwankender Edelmetallpreise schon länger zu Investitionen in Sachwerte, Lebensqualität und Konsumgüter.