Betriebsratschef wirft hinHochtief hisst weiße Fahne
Der Baukonzern Hochtief stellt nach dem wichtigen Etappensieg des spanischen Rivalen ACS im Übernahmekampf die Weichen neu. Konzernchef Lütkestratkötter kann sich auch nach einer Übernahme vorstellen, Hochtief zu leiten. Konzern-Betriebsratschef Müller räumt hingegen seinen Posten und tritt aus der Gewerkschaft aus.
Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter geht nach einem wichtigen Etappensieg für den Rivalen ACS im Übernahmekampf um den Baukonzern auf die Spanier zu. Er könne sich vorstellen, auch nach der geplanten Übernahme von Hochtief durch den spanischen Großaktionär ACS im Unternehmen zu bleiben, sagte Lütkestratkötter der "WAZ". "Für mich gibt es dafür eine wesentliche Bedingung: Ich muss auch weiterhin unabhängig die Strategie des Unternehmens umsetzen können." Dies sei ein Schlüssel zum Erfolg gewesen. "Und nur das ist der Schlüssel für weiteren Erfolg", betonte der Hochtief-Chef.
Der Politik warf Lütkestratkötter vor, Hochtief im Kampf gegen die drohende Übernahme nicht ausreichend geschützt zu haben. "Eine Reihe von Politikern hat mir in Vier-Augen-Gesprächen ihr großes Bedauern über die Situation ausgedrückt und sich für ihre Haltung entschuldigt. Geändert hat sich aber nichts", kritisierte Lütkestratkötter. Für Hochtief sei es immer eine bewusste Entscheidung gewesen, in Deutschland zu bleiben, obwohl das Unternehmen 90 Prozent seines Geschäfts im Ausland mache. "Wenn wir ins Ausland gegangen wären, hätte uns das dortige Übernahmerecht besser geschützt - das ist nun ein seltsames Dankeschön für unsere Standorttreue", sagte der Hochtief-Chef.
Lütkestratkötter hatte seit Monaten vehement für die Unabhängigkeit des größten deutschen Baukonzerns gekämpft und sich wiederholt gegen die Übernahme-Pläne von ACS ausgesprochen. Nachdem die Spanier sich aber mittlerweile mehr als 30 Prozent an Hochtief gesichert haben, hat sich Lütkestratkötter zu Gesprächen bereiterklärt, um eine künftige Zusammenarbeit mit ACS auszuloten.
Müller will nicht mehr
Unterdessen hat Hochtief-Konzernbetriebsratschef Siegfried Müller die Konsequenzen aus dem Übernahmekampf gezogen und ist von seinem Posten zurückgetreten. "Meine Person wird mit dem Abwehrkampf gegen ACS in Verbindung gebracht", erklärte Müller gegenüber der "WAZ". Er wolle der weiteren Zukunft nicht im Wege stehen. Mitglied des Konzernbetriebsrats und Betriebsratschef für die Essener Unternehmenszentrale will Müller jedoch bleiben.
Als Konsequenz aus dem Streit mit der IG Bau kündigte Müller darüber hinaus seinen Austritt aus der Gewerkschaft an. Der Hochtief-Konzernbetriebsrat hatte sich in der seit Monaten andauernden Übernahmeschlacht gegen Verhandlungen mit ACS ausgesprochen. Das Gremium war entsprechend verärgert, als bekannt wurde, dass die Gewerkschaft bereits mit den Spaniern gesprochen hatte. "Wir waren sehr verschnupft." Der Konzernbetriebsrat hatte dennoch beschlossen, weiter mit der IG BAU zusammenzuarbeiten.