Positive ÜberraschungIfo-Index legt kräftig zu
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich im Januar weiter auf. Die befragten 7000 Unternehmen bewerten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten für das kommende halbe Jahr spürbar besser.
Die deutsche Wirtschaft startet mit einer großen Portion Optimismus ins neue Jahr. Der Ifo-Geschäftsklima-Index für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland stieg überraschend deutlich auf 95,8 Punkte von 94,6 im Vormonat. Das teilte das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mit.
Der im März 2009 begonnene Aufwärtstrend setzte sich damit fort, das Barometer erreichte den höchsten Stand seit Sommer 2008. Volkswirte hatten im Schnitt nur einen Anstieg auf 95,1 Zähler erwartet. Die Firmen schätzten sowohl ihre Geschäftslage als auch ihre Perspektiven für die nächsten sechs Monate besser ein als zuletzt. "Die wirtschaftliche Erholung setzt sich zu Beginn des neuen Jahres fort", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.
Volkswirte äußerten sich in ersten Reaktionen zufrieden. Heinrich Bayer von der Postbank bezeichnete den Anstieg als "positive Überraschung". "Es gab einen kräftigen Zuwachs bei den Erwartungen. Es ist eine Idealkonstellation, dass beide Komponenten weiter steigen und dass die Erwartungen deutlich über der Lage liegen. Das signalisiert deutliches Wachstumspotenzial für die Wirtschaft."
Auch Andreas Rees von der Unicredit äußerte sich positiv: "Die Aufwärtsdynamik der deutschen Wirtschaft ist intakt. Ermutigend ist, dass die Erwartungen nochmals gestiegen sind. Damit dürfte sich die Erholung in der ersten Jahreshälfte fortsetzen, auch wenn der harsche Winter das Wachstum vorübergehend belasten kann."
Industrie erwartet weiteren Stellenabbau
Die Stimmung verbesserte sich vor allem bei den Industriefirmen merklich. "Im Auslandsgeschäft rechnen sie mit einer deutlichen Belebung", sagte Sinn. Dennoch wollen sie weiter Personal abbauen, da die Maschinen und Anlagen unterdurchschnittlich ausgelastet sind.
Auch die Stimmung im Bauhauptgewerbe stieg deutlich. "Aktuell klagt jedoch ein großer Teil der Unternehmen über witterungsbedingte Behinderungen der Bautätigkeit", sagte Sinn. Wegen des ungewöhnlich kalten Winters kann derzeit auf den meisten Baustellen nicht gearbeitet werden. In der Regel habe das kalte Wetter aber nur einen aufschiebenden Effekt, meinte Ifo-Experte Klaus Abberger. Aufträge würden dann zu einem späteren Zeitpunkt abgearbeitet: "Die Erwartungen der Baubranche sind sogar deutlich gestiegen." Die Firmen erhofften sich aus den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung noch einige Impulse.
Im Großhandel hat sich das Geschäftsklima ebenfalls weiter aufgehellt, während es sich im Einzelhandel kaum veränderte. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Indikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Nahezu unbeeindruckt haben jedoch Anleger an den Finanzmärkten auf den besser als erwartet ausgefallenen Ifo-Index reagiert. Der Euro hielt sich weiter über 1,41 Dollar, der Dax lag 0,6 Prozent im Minus, vor dem Ifo-Index waren es 0,7 Prozent.
Der Ifo-Index gilt als wichtigster Indikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Der Index wird monatlich durch eine Befragung von 7000 Unternehmen ermittelt.