Wirtschaft

Trendwende greifbarImmer weniger Firmenpleiten

08.10.2010, 11:45 Uhr

Quelle, Rosenthal, Schiesser - das war einmal. Deutschland erlebt derzeit den stärksten Rückgang bei Firmenpleiten seit rund zwei Jahren. Urheber der positiven Entwicklung ist die anziehende Konjunktur.

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Verschlossene Firmentore waren 2009 ein häufiges Bild. Mittlerweile hat sich die Situation entspannt. Die Wirtschaft wächst, die Zahl der Firmenpleiten geht zurück. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der Aufschwung in Deutschland drückt die Zahl der Firmenpleiten. Im Juli meldeten 2760 Unternehmen Insolvenz an - 9,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das war der stärkste Rückgang seit Mai 2008 und der zweite in Folge, teilte das Statistische Bundesamt mit.

"Die kräftige Konjunkturerholung hat deutlich zur Entspannung beigetragen", sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID), Daniel Bergner. "Es ist aber noch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen."

Vor allem im Handel und Dienstleistungsbereich seien noch viele Unternehmen mit schwachem Eigenkapital gefährdet. Unter anderem seien auch Speditionen von der Wirtschaftskrise geschwächt worden und hätten den notwendigen Strukturwandel noch nicht bewältigt.

"Kleinen geht schnell die Puste aus"

Von Januar bis Juli lag die Zahl der Firmenpleiten mit 19.228 noch um 0,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet 2010 mit 34.000 bis 36.000 Insolvenzen, nachdem es im Krisenjahr 2009 einen Anstieg von knapp zwölf Prozent auf rund 33.000 gegeben hatte. "Gefährdet sind vor allem kleine und mittlere Betriebe mit geringer Kapitalausstattung", sagte Bergner. "Denen geht schnell die Puste aus, wenn ein paar Aufträge wegfallen." Ihnen fehle zudem Geld, um im Aufschwung zu investieren und von der steigenden Nachfrage zu profitieren.

Negativrekord erwartet

Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ging zurück. Sie sank im Juli um 2,3 Prozent auf 9344. In den ersten sieben Monaten gab es aber einen deutlichen Anstieg von 9,3 Prozent auf 63.208. "Das liegt vor allem daran, dass das dieses Instrument zur Entschuldung immer bekannter wird", sagte Creditreform-Experten Michael Bretz. Mehr als sechs Millionen Deutsche gelten als überschuldet, weil sie mit den laufenden Einnahmen ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können. Creditreform erwartet für dieses Jahr bis zu 120.000 Privatinsolvenzen - das wäre ein neuer Negativrekord. 2009 gab es rund 100.900 Fälle.

Die voraussichtlichen offenen Forderungen der Gläubiger bezifferten die Gerichte im Juli auf 2,9 Milliarden Euro. Vor einem Jahr war es eine Milliarde Euro mehr, weil damals viele große Betriebe in die pleitegingen. 2009 hatte es unter anderem den einst größten Versandhändler Quelle, den Porzellanhersteller Rosenthal und die Unterwäschefirma Schiesser getroffen.

Quelle: rts/dpa