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Wer wusste wann was bei VW?: Interne Akten belasten Winterkorn schwer

In der Affäre um manipulierte Abgaswerte gibt es Hinweise, wie lange VW den Skandal möglicherweise vertuscht hat. Laut internen Dokumenten war VW-Chef Winterkorn bereits im Mai 2014 gut im Bilde - und nicht erst im September 2015, wie er bislang behauptete.

Wie lange wusste die Chefetage bei Volkswagen vom Abgasskandal, bevor die Pflichtmitteilung des Konzerns am 22. September 2015 die Öffentlichkeit offiziell, so wie es gesetzlich geboten ist, unterrichtete? Diese wichtige Frage wird auch die Gerichte beschäftigen, wenn es darum geht, zu bemessen, welchen finanziellen Schaden Volkswagen mit seiner Schummelsoftware angerichtet hat.

Aus internen Berichten, die der "Bild am Sonntag" jetzt vorliegen, geht hervor, dass VW-Chef Martin Winterkorn bereits im Mai 2014 schriftlich von einem Mitarbeiter über drohende Ermittlungen in den USA unterrichtet wurde. Winterkorn selbst hatte bisher behauptet, erst im September 2015 von der Abgasmanipulation erfahren zu haben - kurz bevor die US-Behörden am 18. September damit an die Öffentlichkeit gingen.

Wie das Blatt schreibt, gibt es ein Dokument von Winterkorns "Feuerwehrmann" im Konzern, das den Konzernchef vor den überhöhten Abgaswerten von Diesel-Fahrzeugen in den USA warnte - ganze 16 Monate, bevor Dieselgate losbrach.

In der Notiz geht es konkret um die Messungen der US-Behörden, bei denen die zulässigen Stickstoffwerte (NOx) um das bis zu 35-Fache überschritten wurden. Dazu schreibt der Winterkorn-Vertraute Bernd Gottweis laut "Bild am Sonntag": "Eine fundierte Erklärung für die dramatisch erhöhten NOx-Emissionen kann den Behörden nicht gegeben werden. Es ist zu vermuten, dass die Behörden die VW-Systeme daraufhin untersuchen werden, ob Volkswagen eine Testerkennung in die Motorsteuer-Geräte-Software implementiert hat (so genannten defeat device)." Das heißt, zu diesem frühen Zeitpunkt gab es bereits den Verdacht, die Amerikaner könnten nach einer Manipulationssoftware suchen.

Um die internen Abläufe im Konzern nachzuvollziehen, werden derzeit Berge von Aktenordnern sowohl von der internen Konzernrevision, als auch Prüfern der US-Kanzlei Jones Day gesichtet. Sind die Dokumente, die der Zeitung vorliegen stichhaltig, bringen sie nicht nur den Konzern, sondern auch Winterkorn in Erklärungsnöte. Es würde bedeuten, dass die VW-Manager die Abgasaffäre jahrelang vertuscht haben.

Probleme, ja. Schummelsoftware, nein.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Volkswagen wollte sich auf Anfrage der Zeitung nicht zu dem Bericht äußern. Gegenüber der US-Kanzlei Jones Day, die im Auftrag von VW den Skandal aufklären soll, hatte Winterkorn seine Kenntnisse von dem Fall folgendermaßen formuliert: Er habe im Mai 2014 von den Problemen mit den überhöhten Abgaswerten in Amerika erfahren. Kenntnis von der Verwendung einer Schummelsoftware gehabt zu haben, bestritt er allerdings.

Laut Zeitung gibt es noch ein zweites Dokument, das den Konzern und Winterkorn belasten. Demnach bestätigte ein hochrangiger VW-Manager bereits am 5. August 2015 gegenüber dem Vizechef der Umweltbehörde CARB die gesetzeswidrigen Abgaswerte. Nach diesem Eingeständnis sei man in Wolfsburg davon ausgegangen, dass auf den Konzern erhebliche Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen zukommen werden.

VW-Markenchef Herbert Diess habe außerdem nach Krisensitzungen am 24. Und 25. August Vorschläge verlangt, wie mit dem Abgasbetrug umgegangen werden sollte, heißt es weiter. All das geschah hinter verschlossenen Türen. Wohlgemerkt: Erst am 3. September gestand VW gegenüber den US-Behörden die Manipulation der Abgaswerte ein. Knapp drei Wochen später folgte die Ad-hoc-Meldung, die den Aktienkurs einbrechen ließ. Innerhalb von nur zwei Tagen wurden 27 Milliarden Euro vernichtet.

Quelle: n-tv.de

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