Wirtschaft

Nach dem Tod des Richters"Kaviar-Prozess" beginnt von vorn

20.08.2010, 10:40 Uhr

Diese Geschichte hat alles für einen perfekten Krimi: Es geht um Kaviar, Anlegerbetrug, einen vorbestraften Angeklagten und einen toten Richter. Der sogenannte Kaviar-Prozess wird komplett aufgerollt. Ab kommender Woche sitzt der Angeklagte wieder vor Gericht.

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Caviar Creator: Betrug mit "schwarzem Gold"? (Foto: REUTERS)

Der millionenschwere Betrugsprozess gegen den ehemaligen Chef des Kaviar-Produzenten Caviar Creator wird nach dem plötzlichen Tod des zuständigen Richters neu aufgerollt. Wegen Kapitalanlagebetrugs im großen Stil sitzt der 54-jährige Frank Schaefer ab Montag wieder auf der Anklagebank des Düsseldorfer Landgerichts.

Weil ein Richter von Anfang bis Ende bei einem Prozess dabei sein muss, habe der Prozess nach sieben Verhandlungstagen wegen des Todes des Düsseldorfer Richters Stefan Drees abgebrochen werden müssen, sagte ein Sprecher des Landgerichts. Das Verfahren beginne nun komplett von vorne und mit einem neuen Richter. Erneut sind mehr als 20 Termine angesetzt.

Der Vorsitzende der 10. Großen Strafkammer, Stefan Drees, war Ende Juni im Alter von 48 Jahren überraschend gestorben. Einem Bericht der "Rheinischen Post" zufolge war in Justizkreisen zunächst von einer Lungenembolie die Rede. Noch am Vortag habe Drees den Prozess gegen den "Caviar Creator"-Chef geleitet. Eine offizielle Erklärung zu dem Todesfall gab es nicht.

Schaefer warb tausende Anleger an, obwohl ihm laut Staatsanwaltschaft bewusst war, dass sein Unternehmen vor der Pleite stand. Der Schaden wird auf mehr als 18 Mio. Euro beziffert. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Von rund 5000 Anlegern waren insgesamt 52,2 Mio. Euro Kapital über den vorbörslichen Verkauf von Wertpapieren eingeworben worden. Schaefer ist bereits wegen Vermögensdelikten vorbestraft.

Geldanlage: Störeier

Der 54-jährige Schaefer war in den USA festgenommen und an die deutsche Justiz ausgeliefert worden. Der Kaufmann hatte über ein Firmengeflecht mit Unternehmen in Gibraltar und Las Vegas geherrscht, zu dem auch eine Anlage in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 200.000 Stören gehörte.

Die Eier des Störs gelten als die teuersten Eier der Welt. Weil der Beluga-Kaviar in Russland durch Umweltzerstörung und Überfischung immer seltener wird, witterten die Anleger das große Geschäft durch die Zucht - doch Caviar Creator ging pleite und wurde inzwischen an einen russischen Investor verkauft.

Quelle: dpa