Wirtschaft
Video

Sparzwänge abwerfen: Lagarde ruft Länder zu Investitionen auf

Mit Defizitabbau will der IWF seine Mitgliedsländer aus der Finanzkrise führen. Nun folgt der Schwenk um 180 Grad. Angesichts der schwierigen Lage der Weltwirtschaft verlangt IWF-Chefin Lagarde nach staatlichen Konjunkturhilfen.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat Länder mit lahmender Konjunktur zu mehr Infrastrukturausgaben ermutigt. "Das kann ein guter Weg sein, um kurzfristig das Wachstum zu unterstützen", sagte sie. Solche öffentlichen Investitionen seien nicht nur hilfreich, um schnell die Wirtschaft anzukurbeln. Sie könnten auch auf längere Sicht helfen, die Konjunktur zu beleben und Staatshaushalte zu entlasten.

Sie hoffe, die Staaten, für die solche Maßnahmen angemessen seien, bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank von ihrer Sicht überzeugen zu können, sagte Lagarde. Das Treffen der 188 Mitgliedsländer beginnt an diesem Freitag in der US-Hauptstadt. "Die Mitglieder müssen einen viel höheren Finanzeinsatz erbringen, der sich darauf richtet, das heutige Wachstum und das morgige Wachstumspotenzial entschieden zu erhöhen", schrieb sie in einem Strategiepapier anlässlich der Veranstaltung.

Deutsche Absage an Konjunkturprogramme

In seinem jüngsten Wirtschaftsausblick, der am Dienstag veröffentlicht worden war, hatte der Währungsfonds ausdrücklich Deutschland dazu aufgerufen, mehr Geld in Infrastrukturprojekte zu investieren. Die Bundesrepublik habe ihren Staatshaushalt saniert und könne sich solche Ausgaben leisten, ohne EU-Defizitvorschriften zu verletzen. Hintergrund ist der schwächere Wirtschaftsausblick für Deutschland. Der IWF senkte seine Prognose auf 1,4 Prozent in diesem Jahr. Im Juli hatte sie noch bei 1,9 Prozent gelegen.

Laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) prüft die Regierung angesichts der Konjunkturdelle eine Stärkung von Investitionen. "Wir müssen Investitionen eine höhere Priorität einräumen", sagte er in Washington. Konjunkturprogrammen mit neuen Schulden erteilte er erneut eine Absage. Lagarde betonte, dass sich solche Ausgaben auf längere Sicht auch für die Staatshaushalte rechneten. "Es kann nicht nur wachstumsfreundlich, sondern auch schuldenfreundlich sein."

Deflation im Auge behalten

Im Kampf gegen eine Deflation muss die EZB laut IWF-Chefin Lagarde notfalls die Notenpresse massiv anwerfen. Die EZB sollte Bereitschaft zu verschärften Maßnahmen wie etwa dem Aufkauf von Staatsanleihen erkennen lassen, betonte die Französin. Dies gelte für den Fall, dass sich der Inflationsausblick weiter eintrübe. Der Ankauf von Staatsanleihen in großem Stil gilt als letztes Mittel, um einen Preisverfall zu verhindern.

Zuletzt lag die Teuerungsrate in der Eurozone nur noch bei 0,3 Prozent. Auf breiter Front fallende Preise können die Konjunktur auf Dauer abwürgen. Denn Verbraucher schränken dann in Erwartung immer weiter fallender Preise ihren Konsum ein und Firmen schieben Investitionen auf.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen