Wirtschaft

Europas größter Elektronikhändler: Machtkampf tobt bei Saturn

Firmengründer und Saturn-Minderheitseigner Kellerhals verklagt den Haupteigner Metro.Hintergrund des Streits ist ein Beschluss zur Gründung eines Beirats.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Um die Macht bei Europas größtem Elektronikhändler Media-Saturn ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Firmengründer und Minderheitseigner Erich Kellerhals verklagt nach Angaben seiner Beteiligungsgesellschaft Convergenta den Haupteigner Metro. Kellerhals befürchte, dass der Handelskonzern Mitentscheidungsrechte der Minderheitsgesellschafter aushebeln wolle, sagte ein Convergenta-Sprecher. Ein Metro-Sprecher erklärte, der Konzern wolle die Rechte, die sich aus einem Mehrheitsanteil von 75 Prozent ergäben, angemessen ausüben. Die Convergenta-Gruppe hält Kellerhals' Anteil von gut 21 Prozent an der Dachgesellschaft der Ketten Media Markt und Saturn.

"Ich werde alles tun, um zu verhindern, dass die Kultur unseres Unternehmens kaputt gemacht wird", sagte Kellerhals der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Zugleich richtete er scharfe Vorwürfe gegen Metro-Chef Eckhard Cordes: "Er hat mein Vertrauen missbraucht. Ich lasse nicht zu, dass Herr Cordes zerstört, was uns groß und erfolgreich gemacht hat." Cordes wolle die alleinige Macht bei dem Elektrohändler an sich reißen. Er habe sich bereits beim Metro-Aufsichtsrat über Cordes beschwert. "Vorstände kommen und gehen. Wir haben sie bisher alle überstanden."

Hintergrund des Streits ist ein Beschluss zur Gründung eines Beirats, der aus Kellerhals' Sicht dazu eingerichtet worden sei, die Sperrminorität der Gründer in der Gesellschafterversammlung von Media-Saturn auszuhebeln. Kellerhals habe vor dem Landgericht Ingolstadt Klage gegen die Installierung des Beirats eingereicht, sagte der Convergenta-Sprecher. Ein Metro-Sprecher sagte, der Konzern sei zu Gesprächen mit den Alt- und Minderheitsgesellschaftern bei Media-Saturn bereit. Dabei könne eine Lösung gefunden werden, "die die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse berücksichtigt" und zugleich verhindere, dass die "derzeitige Diskussion auf dem Rücken der Führung und der Mitarbeiter" von Media-Saturn ausgetragen werde.

Im Umfeld des Konzerns war in der Vergangenheit immer wieder über Differenzen zwischen dem Management in Düsseldorf und Ingolstadt berichtet worden. Der frühere Media-Saturn-Chef Roland Weise hatte zum Jahreswechsel seinen Hut nehmen müssen. Diskussionen hatte es immer wieder um die Expansion der Kette im Ausland und eine Online-Strategie für den Fachhändler gegeben. Auch die Dauer von Entscheidungsprozessen und die weniger zufriedenstellend als in der Vergangenheit verlaufende Gewinnentwicklung bei der Kette hätten bei der Metro-Führung für Stirnrunzeln gesorgt, hatte es geheißen.

Cordes hatte erst am Donnerstag erneut bekräftigt, Media- Saturn müsse in China Gas geben. Die Elektronikfachmärkte seien relativ spät in den Markt eingetreten, räumte der Metro-Chef ein. Deshalb müsse die Kette nun in China umso rascher expandieren. Er sehe dort Potenzial für mehrere Hundert Filialen. Media-Saturn ist derzeit mit zwei Märkten in Shanghai vertreten. Bis 2012 sollen es im Rahmen einer Testphase rund zehn Märkte werden, hatte Metro angekündigt.

Quelle: n-tv.de

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