Mindestens vier Reifen pro FahrzeugMichelin multipliziert den Gewinn

Die starke Aufwärtsbewegung an den Rohstoffmärkten kann den französischen Reifenhersteller kaum bremsen: Nach der Absatzkrise steht bei Michelin wieder ein praller Gewinn in der Bilanz. Unter dem Strich verdient der Conti-Konkurrent im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro. Billiger werden Michelin-Reifen dadurch nicht.
Der französische Reifenhersteller Michelin hat
seinen Nettogewinn im vergangenen Jahr kräftig ausgebaut. Unterm Strich verdiente
der Continental-Rivale 1,048 Mrd. Euro. Im Jahr davor waren es lediglich 106 Mio. Euro. Damals war der Gewinn - wiederum im Vergleich zum Vorjahr - allerdings um 70 Prozent eingebrochen.
Der Betriebsgewinn verdoppelte sich 2010 auf 1,695 Mrd. Euro. Den ungewöhnlich großen Gewinnsprung erklärte das Unternehmen mit dem weltweiten Konjunkturaufschwung. Nach dem Krisenjahr 2009 konnte sich die
Autoindustrie in Europa und den USA wieder erholen. In China halfen Michelin Anreize
der Regierung zum Autokauf.
Mit Blick auf das Thema Rohstoffe zeigte sich der Konzern gut vorbereitet auf den erwarteten Anstieg der
Weltmarktpreise für Kautschuk und Mineralölprodukte im laufenden Jahr: Drei Viertel der voraussichtlich anfallenden Zusatzkosten würden durch angekündigte oder bereits
umgesetzte Preiserhöhungen ausgeglichen, erklärte ein Sprecher. Insgesamt rechnet Michelin allein in diesem Jahr mit preisbedingten Mehrausgaben in Höhe von 1,5 Mrd. Euro.
Zeitenwende an der Michelin-Spitze
Unabhängig von Preis- und Rohstofffragen steht bei dem größten europäischen Reifenhersteller ein Epochenwechsel an: Mit Jean-Dominique Senard soll in Zukunft erstmals ein Manager
den Konzern lenken, der nicht der Gründerfamilie entstammt. Der 57-Jährige werde
auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 13. Mai als Nachfolger von Michel
Rollier vorgeschlagen, teilte Michelin bei der Vorlage
der Jahresbilanz mit. Ein genauer Termin für die Amtsübergabe bei der bereits 1889 gegründeten Traditionsfirma steht allerdings noch
nicht fest. Das Mandat von Rollier läuft eigentlich erst 2017 aus.
Der 66 Jahre alte Rollier hatte im Mai 2006 den Posten seines
gestobenen Cousins Edouard Michelin übernommen. Zuletzt hatte er im vergangenen
September eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,2 Mrd. Euro angekündigt, um ein
schnelleres Wachstum in Schwellenländern finanzieren zu können.
Für 2011 rechnet Rollier mit einer weiter verbesserten Ergebnislage und einem Umsatzplus
von mindestens 6,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr war der Umsatz 2010 um 20,8
Prozent auf rund 17,9 Mrd. Euro geklettert. Erst vor wenigen Tagen hatte Rollier
als Antwort auf die gestiegene Rohstoffkosten eine weitere Preiserhöhung für Reifen
ankündigen lassen. "Die dynamische Preispolitik wird beibehalten", sagte
der Konzernchef.
Michelin hatte Mitte der Woche für den europäischen Markt eine Preissteigerung von durchschnittlich
4 bis 7,5 Prozent angekündigt, um damit steigende Materialkosten abzufedern. Reifen
für Autos und Kleintransporter würden über alle Marken und Segmente hinweg 5 Prozent teurer, teilte Michelin mit. Für
Lastwagen-Reifen will Michelin durchschnittlich 7 Prozent mehr verlangen.
Conti geht mit
Auch der finnische Konkurrent Nokian Renkaat will die gestiegenen
Rohstoffpreise noch im ersten Halbjahr an die Kunden weiterreichen. "Wir
denken, dass wir die Preise erhöhen können, hoffentlich im Einklang mit den
Materialkosten", erklärte Konzernchef Kim Gran in Erwartung weiter anziehender
Geschäfte.
Der deutsche Autozulieferer Continental hatte bereits im vergangenen Jahr
angekündigt, die Preise für Pkw-Reifen ab 2011 um durchschnittlich 5 Prozent
anzuheben. Im Nutzfahrzeuggeschäft in Europa erhöhte Conti die Preise im
Februar um 7 Prozent. Weitere Preissteigerungen seien zunächst nicht
geplant, hatte eine Konzernsprecherin erklärt.
Nokian Renkaat konnte seinen operativen Gewinn im vierten Quartal auf rund 92
Mio. Euro mehr als verdoppeln und damit die Erwartungen von Branchenexperten
übertreffen. Den Umsatz steigerte der Winterreifenspezialist vor allem dank
florierender Geschäfte in seinem größten Markt Russland um fast 50 Prozent auf
369 Mio. Euro. Wegen der großen Nachfrage will Nokian Renkaat dort seine
Produktionskapazitäten um mehr als 30 Prozent ausbauen. Auch 2011 rechnet der
Konzern mit steigenden Umsätzen und einem Gewinnwachstum.