Wirtschaft

Mindestens vier Reifen pro FahrzeugMichelin multipliziert den Gewinn

11.02.2011, 12:08 Uhr
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Da, wo sich die Kraft der Maschine auf die Straße überträgt: Reifen von Michelin. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die starke Aufwärtsbewegung an den Rohstoffmärkten kann den französischen Reifenhersteller kaum bremsen: Nach der Absatzkrise steht bei Michelin wieder ein praller Gewinn in der Bilanz. Unter dem Strich verdient der Conti-Konkurrent im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro. Billiger werden Michelin-Reifen dadurch nicht.

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Auf dem Weg in den Großhandel: An Rohstoffen benötigen die Hersteller vor allem Kautschuk und Mineralölprodukte. Beides wird nicht billiger. (Foto: REUTERS)

Der französische Reifenhersteller Michelin hat

seinen Nettogewinn im vergangenen Jahr kräftig ausgebaut. Unterm Strich verdiente

der Continental-Rivale 1,048 Mrd. Euro. Im Jahr davor waren es lediglich 106 Mio. Euro. Damals war der Gewinn - wiederum im Vergleich zum Vorjahr - allerdings um 70 Prozent eingebrochen.

Der Betriebsgewinn verdoppelte sich 2010 auf 1,695 Mrd. Euro. Den ungewöhnlich großen Gewinnsprung erklärte das Unternehmen mit dem weltweiten Konjunkturaufschwung. Nach dem Krisenjahr 2009 konnte sich die

Autoindustrie in Europa und den USA wieder erholen. In China halfen Michelin Anreize

der Regierung zum Autokauf.

Mit Blick auf das Thema Rohstoffe zeigte sich der Konzern gut vorbereitet auf den erwarteten Anstieg der

Weltmarktpreise für Kautschuk und Mineralölprodukte im laufenden Jahr: Drei Viertel der voraussichtlich anfallenden Zusatzkosten würden durch angekündigte oder bereits

umgesetzte Preiserhöhungen ausgeglichen, erklärte ein Sprecher. Insgesamt rechnet Michelin allein in diesem Jahr mit preisbedingten Mehrausgaben in Höhe von 1,5 Mrd. Euro.

Zeitenwende an der Michelin-Spitze

Unabhängig von Preis- und Rohstofffragen steht bei dem größten europäischen Reifenhersteller ein Epochenwechsel an: Mit Jean-Dominique Senard soll in Zukunft erstmals ein Manager

den Konzern lenken, der nicht der Gründerfamilie entstammt. Der 57-Jährige werde

auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 13. Mai als Nachfolger von Michel

Rollier vorgeschlagen, teilte Michelin bei der Vorlage

der Jahresbilanz mit. Ein genauer Termin für die Amtsübergabe bei der bereits 1889 gegründeten Traditionsfirma steht allerdings noch

nicht fest. Das Mandat von Rollier läuft eigentlich erst 2017 aus.

Der 66 Jahre alte Rollier hatte im Mai 2006 den Posten seines

gestobenen Cousins Edouard Michelin übernommen. Zuletzt hatte er im vergangenen

September eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,2 Mrd. Euro angekündigt, um ein

schnelleres Wachstum in Schwellenländern finanzieren zu können.

Für 2011 rechnet Rollier mit einer weiter verbesserten Ergebnislage und einem Umsatzplus

von mindestens 6,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr war der Umsatz 2010 um 20,8

Prozent auf rund 17,9 Mrd. Euro geklettert. Erst vor wenigen Tagen hatte Rollier

als Antwort auf die gestiegene Rohstoffkosten eine weitere Preiserhöhung für Reifen

ankündigen lassen. "Die dynamische Preispolitik wird beibehalten", sagte

der Konzernchef.

Michelin hatte Mitte der Woche für den europäischen Markt eine Preissteigerung von durchschnittlich

4 bis 7,5 Prozent angekündigt, um damit steigende Materialkosten abzufedern. Reifen

für Autos und Kleintransporter würden über alle Marken und Segmente hinweg 5 Prozent teurer, teilte Michelin mit. Für

Lastwagen-Reifen will Michelin durchschnittlich 7 Prozent mehr verlangen.

Conti geht mit

Auch der finnische Konkurrent Nokian Renkaat will die gestiegenen

Rohstoffpreise noch im ersten Halbjahr an die Kunden weiterreichen. "Wir

denken, dass wir die Preise erhöhen können, hoffentlich im Einklang mit den

Materialkosten", erklärte Konzernchef Kim Gran in Erwartung weiter anziehender

Geschäfte.

Der deutsche Autozulieferer Continental hatte bereits im vergangenen Jahr

angekündigt, die Preise für Pkw-Reifen ab 2011 um durchschnittlich 5 Prozent

anzuheben. Im Nutzfahrzeuggeschäft in Europa erhöhte Conti die Preise im

Februar um 7 Prozent. Weitere Preissteigerungen seien zunächst nicht

geplant, hatte eine Konzernsprecherin erklärt.

Nokian Renkaat konnte seinen operativen Gewinn im vierten Quartal auf rund 92

Mio. Euro mehr als verdoppeln und damit die Erwartungen von Branchenexperten

übertreffen. Den Umsatz steigerte der Winterreifenspezialist vor allem dank

florierender Geschäfte in seinem größten Markt Russland um fast 50 Prozent auf

369 Mio. Euro. Wegen der großen Nachfrage will Nokian Renkaat dort seine

Produktionskapazitäten um mehr als 30 Prozent ausbauen. Auch 2011 rechnet der

Konzern mit steigenden Umsätzen und einem Gewinnwachstum.

Quelle: mmo/dpa/rts