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Zu drei Jahren Haft verurteilt: Middelhoff bleibt in U-Haft

Der frühere Topmanager Thomas Middelhoff bleibt nach seiner Verurteilung zu drei Jahren Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft. Er soll in eine Justizvollzugsanstalt gebracht werden. Seine Verteidiger nehmen das Urteil derweil unterschiedlich auf.

Nach seiner Verurteilung wegen Untreue und Steuerhinterziehung bleibt der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff in Untersuchungshaft. Ein Haftprüfungstermin kurz nach der Urteilsverkündung habe ergeben, dass der Haftbefehl nicht unter Auflagen außer Vollzug gesetzt werde, sagte ein Sprecher des Landgerichts Essen. Middelhoff wurde daraufhin in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

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Allerdings soll ein weiterer Haftprüfungstermin in der kommenden Woche stattfinden. Eine Aussetzung des Haftbefehls wäre einem Gerichtssprecher zufolge etwa gegen Kaution, Meldeauflagen oder eine Abgabe des Passes möglich gewesen.

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff war zuvor zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Middelhoff habe sich der Untreue und der Steuerhinterziehung schuldig gemacht, sagte Richter Jörg Schmitt. Zudem wurde der Haftbefehl verkündet. Das Gericht sehe derzeit Fluchtgefahr bei dem 61-Jährigen, hieß es zur Begründung. Middelhoff hat seinen Hauptwohnsitz in Frankreich.

Strafverteidiger sind sich uneinig

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidiger des Ex-Topmanagers können gegen die Entscheidung noch Revision beim Bundesgerichtshof einlegen. Sie äußerten sich jedoch zunächst nicht dazu. Klaus Höchstetter, Fachanwalt für Strafrecht, sagte bei n-tv zu den Erfolgsaussichten einer Revision: "In der Praxis sind die Aussichten sehr, sehr schlecht, weil eben nur ein sehr geringer Anteil der Revisionen überhaupt zur Beurteilung durch den Bundesgerichtshof angenommen wird." Dazu komme, dass das Gericht allem Anschein nach nicht allzu viel falsch gemacht habe: "Ich denke nicht, dass sich hier noch viel ändern wird", sagte Höchstetter.

Von Middelhoffs Strafverteidigern wird das Urteil derweil unterschiedlich bewertet. Aus Sicht von Strafverteidiger und Mediator Michael Weber-Blank ist es nicht zu hart ausgefallen: "Die Zeiten sind vorbei, in denen Manager für Delikte wie diese mit milden Strafen rechnen konnten", sagte er. Die drei Jahre Haft für Middelhoff seien daher nicht außerhalb "jeder denkbaren Straferwartung".

Demgegenüber bewertete der Kölner Strafverteidiger Markus Rübenstahl das Urteil als "sehr hart". Es gebe Untreue-Prozesse, in denen die Angeklagten für wesentlich höhere Schadenssummen geringere Strafen bekämen.

Quelle: n-tv.de

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