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Kunden bekommen Post vom Konzern.
Kunden bekommen Post vom Konzern.(Foto: dpa)

VW stellt Aktionsplan vor: Millionen Autos müssen in die Werkstatt

Bei einigen reicht wohl ein Software-Update, bei anderen muss eine Einspritzpumpe ausgetauscht werden: Volkswagen plant im Zuge des Abgas-Skandals Umrüstungen bei Millionen Autos. Betroffene Kunden werden schriftlich informiert.

Volkswagen plant wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte die größte Service-Aktion seiner Geschichte. Das sagte ein Sprecher des Autokonzerns. Besitzer der betroffenen Fahrzeuge mit 1,2- oder 1,6-Liter-Motor müssten sich auch auf Umbauten an der Hardware ihrer Autos einstellen. Nur bei betroffenen Modellen mit 2,0 Litern Hubraum reicht nach den Worten des Sprechers voraussichtlich ein Software-Update, um die Motoren an die gesetzlichen Bestimmungen anzupassen.

Volkswagen gibt die Zahl der Autos, in denen eine Software die Abgaswerte nur in Testsituationen unter das offizielle Limit senkt, nach wie vor mit bis zu 11 Millionen an. Diese Zahl umfasst alle Marken des Konzerns.

Von Volkswagen Pkw sind einer internen Auswertung zufolge rund fünf Millionen Fahrzeuge betroffen. Sie sind mit einem Dieselmotor des Typs EA 189 ausgestattet. VW-Kunden werden demnächst per Post informiert, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen, teilte der Konzern mit. VW sprach von "Servicemaßnahmen". Es handle sich nicht um eine "Sicherheits-Rückrufaktion", weil die Sicherheit der Fahrzeuge nicht tangiert sei, sagte ein VW-Sprecher.

Austausch der Hochdruckeinspritzpumpe

Volkswagen rechnet für die nötigen Umrüstungen mit enormen Kosten. Schon in der vergangenen Woche hatte der Autohersteller für die Rückrufaktion rund 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Das entspricht rund der Hälfte des in diesem Jahr erwarteten operativen Konzerngewinns.

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Die nötigen Umbauten machen deutlich, wofür Volkswagen den Betrag aufwenden wird: Jedenfalls bei Autos mit 1,2- oder 1,6-Liter-Motor müsse der Konzern zusätzlich zum Software-Update die Hochdruckeinspritzpumpe austauschen lassen, sagte der Unternehmenssprecher. Nur so lasse sich sicherstellen, dass die Fahrzeuge trotz der neu programmierten Motorsteuerung mit unveränderter Laufruhe fahren.

Hintergrund sei, dass der Motor nach dem Update zwar weniger Stickoxid, doch mehr Rußpartikel produziere. Die Partikel fängt der Rußpartikelfilter auf, der deshalb häufiger freigebrannt werden muss. Dieser Vorgang wiederum beansprucht den Motor zusätzlich. Der Hardware-Umbau an den 1,2- und 1,6-Liter-Motoren werde je Fahrzeug voraussichtlich "bis zu wenigen Stunden" dauern, sagte der Unternehmenssprecher. Für Kunden sollen die Anpassungen gratis sein, wie Volkswagen immer wieder erklärt.

Fahrzeuge mit dem größeren 2,0-Liter-Motor dürften nach den Worten des Sprechers jedenfalls in Europa allein mit einem Software-Update an die gesetzlichen Anforderungen anzupassen sein. Dieses sei vergleichsweise schnell zu installieren. Der Sprecher stellte für alle betroffenen Motorentypen aber in Aussicht, dass der Kraftstoffverbrauch und damit der CO2-Ausstoß leicht ansteige. Es gehe dabei um einen zusätzlichen Dieselbedarf in der Größenordnung von "0,1 oder 0,2 Litern je 100 Kilometer".

In den USA nur 2,0-Liter-Motoren

In den USA, wo Behörden zuerst auf die Abgasmanipulationen aufmerksam gemacht hatten, hat der Volkswagen-Konzern den Angaben zufolge nur Autos mit 2,0-Liter-Dieselmotor verkauft. Es sei aber nicht völlig ausgeschlossen, dass dort in einer Rückrufaktion Hardware-Umbauten nötig seien, sagte der Sprecher. Der Grund dafür seien die in den USA schärferen Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß. Ob sich der betroffene 2,0-Liter-Motor auch an diese lediglich durch ein Software-Update anpassen lasse, sei nicht endgültig geklärt.

Der Sprecher wies zudem darauf hin, dass Volkswagen alle Veränderungen zunächst mit den Behörden in den verschiedenen Verkaufsregionen abstimmen will. Dafür werde der Konzern den Oktober nutzen, sagte der Sprecher.

Neben den 5 Millionen Autos der Kernmarke Volkswagen sind den Angaben des Konzerns zufolge 2,1 Millionen Audi-, 1,2 Millionen Skoda- und rund 700.000 Seat-Fahrzeuge betroffen. Dazu kommen demnach bis zu 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge. Porsche sei nicht von den Abgasmanipulationen betroffen. Der manipulierte Vierzylinder-Motor sei nicht in die Modelle der Marke eingebaut worden, sagte ein Sprecher.

Quelle: n-tv.de

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