Wirtschaft
Bilanzpressekonferenz in München: Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard (2.v.r.) geht mit der EZB - und der Untätigkeit der Bundesregierung - hart ins Gericht.
Bilanzpressekonferenz in München: Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard (2.v.r.) geht mit der EZB - und der Untätigkeit der Bundesregierung - hart ins Gericht.(Foto: dpa)

Reaktion auf die Nullzins-Politik: Munich Re lagert Gold und Bargeld ein

Der umstrittene Kurs der Währungshüter zwingt nicht nur die Sparkassen, sondern auch ausgewachsene Finanzkonzerne zum Umdenken. Der Münchner Rückversicherer macht Nägel mit Köpfen. Munich-Re-Chef von Bomhard spricht vom "Ende der Geldpolitik".

In ungewohnt scharfer Form hat der Chef des weltgrößten Rückversicherungskonzerns die Bundesregierung kritisiert: Sie sehe tatenlos zu, wie Sparer durch die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld verlieren, sagte Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard.

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Der Vorstandschef der Munich Re nutzte seine Ansprache bei der Bilanzpressekonferenz dazu, seine Kritik am Kurs der Währungshüter ausführlich zu erläutern. Wegen der Niedrigzinsen und des Preiskampfs in der Branche muss sich der im Dax notierte Versicherungskonzern auf den dritten Gewinnrückgang in Folge einstellen. Für das laufende Jahr gab von Bomhard ein Gewinnziel von 2,3 bis 2,8 Milliarden Euro aus. Im vergangenen Jahr waren es noch 3,1 Milliarden Euro. Das alleine bringt von Bomhard allerdings nicht auf die Barrikaden.

Niedrigzins frisst Vermögen

Die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank habe vielmehr "verheerende" Auswirkungen auf die gesamte Branche und auch auf die Sparer in Deutschland, erklärte von Bomhard mit Blick auf die akuten Folgen der EZB-Maßnahmen. Der Top-Manager warf der Bundesregierung vor, untätig zu bleiben, obwohl das Vermögen der Menschen in Deutschland als Folge der Zinspolitik schwinde. Es sei in höchstem Maße befremdlich, dass sie sich angesichts der verhängnisvollen Politik der EZB nicht zu Wort melde.

Denn die Umverteilung, die durch die Zinspolitik ausgelöst werde, treffe vor allem die Ärmeren. "Das kann man nicht einfach laufen lassen." Bomhard sprach von einer "Erosion des Rechts", die mit Händen zu greifen sei. "Was wir sehen, besorgt uns in höchstem Maße."

"Wir testen das jetzt mal"

Um die Folgen der EZB-Politik abzufedern, habe Munich Re demnach bereits damit begonnen, Bargeld in zweistelliger Millionenhöhe im eigenen Haus zu lagern. Daran sei zu erkennen, wie ernst die Munich Re die Situation sehe, sagte er. Bomhard will demnach prüfen, ob sich dadurch Kosten einsparen lassen. "Wir testen das jetzt mal", sagte er wörtlich. Ähnliche Pläne hatten zuvor auch einige Sparkassen bereits in Erwägung gezogen. Dabei geht es vor allem darum, den Strafzins für die Geldaufbewahrung bei der EZB durch die Einlagerung im eigenen Tresor zu vermeiden.

Angesichts negativer Zinsen habe sich die Munich Re als Teil ihrer Vermögensanlage zudem einen Vorrat an Gold in den Tresor gelegt, wie von Bomhard erklärte. Der langjährige Munich-Re-Chef zählt zu den schärfsten Kritikern der Zinspolitik der EZB und hatte sich in den vergangenen Monaten mehrfach zu Wort gemeldet. Der Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers beobachtet das Vorgehen der Währungshüter mit "großer Sorge". Die Monate Januar und Februar seien zwar gut gelaufen, sagte er. Aber er kündigte auch an: "Wenn die Zinsen nicht steigen, werden wir beim Ergebnis Federn lassen, da das Risiko nicht steigt."

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Das "Ende der Geldpolitik"

Die Nebenwirkungen der Zinspolitik haben nach Worten von Bomhards "inzwischen verheerende Ausmaße" angenommen. "Das ist das offensichtliche Ende der Geldpolitik", sagte er. Die Märkte seien teilweise leerverkauft. So liege ein Fünftel der Covered Bonds inzwischen bei der EZB, wie von Bomhard erklärte. Er forderte von der Politik mehr Aktivität, ohne die Unabhängigkeit der Zentralbank in Frage zu stellen. "Wir hören nichts von der Bundesregierung", sagte er. Das sei angesichts eines eklatanten Rechtsbruchs, so von Bomhard, "in höchstem Maße befremdlich".

Der Munich-Re-Chef kritisierte die "massiven Umverteilungen" als Folge der Zinspolitik. Negativ betroffen seien in erster Linie  die ärmeren Bevölkerungsschichten. Sie seien nicht in der Lage, auf gefragte Aktiva auszuweichen. Profitieren würden dagegen Hedgefonds, teilweise Private-Equity-Firmen und Staatsfonds. Die Aktienmärkte steigen seiner Einschätzung nach in erster Linie aus Mangel an Alternativen.

Draghi und der schwierige Exit

Von EZB-Präsident Mario Draghi forderte der Chef der Munich Re, einzugestehen, dass die Zentralbank die Probleme der Politik nicht lösen kann. Dies bedeute nicht, dass die EZB die Zinsen sofort erhöhen müsse, betonte von Bomhard. Die USA habe gezeigt, wie schwierig das ist. "Aber er (Draghi) muss die Fantasie nehmen, die Probleme der Politik zu lösen."

Die EZB-Politik hat laut von Bomhard nicht nur den Staaten geholfen, sondern auch den Banken. "Ich verhehle auch nicht, dass Teile der Assekuranz nicht undankbar waren", sagte er. "Aber wir müssen uns so aufstellen, dass wir eine Bankkrise abkönnen, ansonsten wäre das ein armseliges Risikomanagement", sagte er. Immerhin: Die Existenzfrage stelle sich für den Rückversicher nicht, sagte er. Die Munich Re stehe fest auf beiden Beinen und sei daher in der Position, Klartext zu reden. "Und das werden wir auch tun", sagte er.

Erst vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass von Bomhard seinen Posten an der Spitze des Dax-Konzerns im kommenden Jahr an seinen Vorstandskollegen Joachim Wenning abgeben will. "Fertig ist man mit dem, was man tun möchte, nie", sagte der scheidende Munich-Re-Chef. Das gelte insbesondere für einen so großen Konzern wie die Munich Re. Aber nach mehr als 13 Jahren sei nun ein guter Zeitpunkt aufzuhören. Er gehe aber nicht deshalb, weil die Märkte derzeit so schwierig sind, sagte er. Aber in der Tat habe er eine derart schwierige Situation "in den gut dreißig Berufsjahren noch nicht erlebt", sagte von Bomhard.

Einen Wechsel in den Aufsichtsrat nach einigen Jahren Abstand schloss der 59-Jährige nicht aus. "Das ist eine Option." Für genaue Aussagen sei es aber noch zu früh. Bomhard stellte klar, dass sein Abtritt mit seiner persönlichen Lebensplanung zusammenhängt. "Ich gehe nicht deshalb, weil es immer schwieriger wird - aber das Umfeld ist heftig."

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Quelle: n-tv.de

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