Wirtschaft
Der Rückversicherer Munich Re hat trotz des Jahrhundertsturms "Sandy" seinen Gewinn vervierfacht.
Der Rückversicherer Munich Re hat trotz des Jahrhundertsturms "Sandy" seinen Gewinn vervierfacht.(Foto: picture alliance / dpa)

Milliardengewinn trotz Jahrhundertsturm: Munich Re steckt "Sandy" weg

Es ist als hätte es "Sandy" nie gegeben: Trotz der Jahrhundertsturms an der US-Ostküste vervierfacht Munich Re im vergangenen Jahr den Gewinn. Die verheerenden Schäden des Wirbelsturms kosten den größten Rückversicherer der Welt dennoch ein Vermögen.

Der Wirbelsturm "Sandy" hat den Rückversicherer Munich Re nicht ins Wanken gebracht. Der Gewinn des weltweit größten Rückversicherers vervierfachte sich im vergangenen Jahr auf 3,2 (2011: 0,7) Mrd. Euro, wie der Konzern mitteilte. Dabei steckte das Unternehmen die 800 Mio. Euro locker weg, die es für die Schäden des verheerenden Hurrikans zahlen musste, der im Oktober über den Osten der USA hinweggezogen war. Von dem Gewinnsprung sollen auch die Aktionäre etwas haben: Die Dividende soll um 75 Cent auf 7,00 Euro je Aktie steigen. Das katapultierte die Munich-Re-Aktie mit kräftigen Kursgewinnen an die Dax-Spitze. Einer der großen Anteilseigner ist mit 11,2 Prozent der US-Starinvestor Warren Buffett, der nun mit einer Zahlung von rund 140 Mio. Euro rechnen kann.

Munich Re profitierte davon, dass 2012 abgesehen von "Sandy" ein Jahr mit relativ wenigen Naturkatastrophen war. 2011 war mit Erdbeben und Tsunami in Japan, dem schweren Beben in Neuseeland und dem Hochwasser in Thailand das bisher teuerste Katastrophenjahr für die Branche gewesen und mit Belastungen von 4,5 Mrd. Euro allein bei den Münchnern noch einen Großteil des Gewinns aufgefressen. 2012 musste der Konzern für Schäden aus Naturkatastrophen hingegen nur 1,3 Mrd. Euro aufbringen. "Die Schadenbelastung aus Großschäden war leicht unterdurchschnittlich", sagte Finanzvorstand Jörg Schneider.  Deshalb könne die Munich Re auch bei der Erneuerung der entsprechenden Rückversicherungsverträge im Lauf des Jahres nicht mit einem Anstieg der Prämien rechnen.

Einen konkreten Ausblick für das neue Jahr gab der Konzern bisher nicht. Zuletzt hatte sich Schneider für 2013 zurückhaltender gezeigt und gesagt, er wäre schon mit einem Gewinn "satt über 2,5 Mrd. Euro" zufrieden. Die komplette Jahresbilanz 2012 legt die Munich Re Mitte März vor. Von den wenigen Großschäden im vergangenen Jahr profitiert auch der kleinere Rivale Hannover Rück und rechnet mit einem Rekordgewinn von mehr als 800 Mio. Euro. Allerdings spüren beide Konzerne den Wettbewerb und tun sich schwer, von den Kunden mehr Geld zu fordern.

Sex-Skandale bei Ergo trüben das Bild

2012 waren die Brutto-Beiträge im Konzern um fünf Prozent auf 52,0 Mrd. Euro gestiegen, in der Rückversicherung sogar um 8,5 Prozent. Munich Re muss sich bei der Erneuerung der Verträge in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung mit harter Konkurrenz herumschlagen, weil eine rückläufige Nachfrage der Erstversicherer auf ein gewachsenes Angebot an Rückversicherungsschutz trifft. Das drückt die Preise. Die Munich Re etwa konnte bei zur Erneuerung anstehenden Verträgen nur 0,5 Prozent höhere Preise durchsetzen. Zu Jahresbeginn stand mehr als die Hälfte des Schadengeschäfts zur Erneuerung an, also ein Prämienvolumen von rund 9,2 Mrd. Euro, davon wurden rund 9 Mrd. erneuert. Man sei mit dem Ergebnis der Runde aber insgesamt zufrieden, hieß es.

Besser als erwartet agierte die Münchener Rück vergangenes Jahr an den Kapitalmärkten. Der Gewinn aus Kapitalanlagen stieg um ein Viertel auf 8,4 Mrd. Euro, womit sich die Rendite auf den Marktwert des Portfolios von 225 Mrd. Euro auf 3,9 (3,4) Mrd. Euro verbesserte. Insgesamt lag die Rendite auf das risikogewichtete Kapital - die interne Zielgröße der Munich Re - mit 13,2 Prozent über der Zielmarke von zehn Prozent. "2012 hat uns vorangebracht, und wir konnten unsere Kapitalausstattung weiter stärken", sagte Schneider.

Über die größte Baustelle im Konzern kann das Ergebnis aber nicht hinwegtäuschen: Nach Skandalen beim Düsseldorfer Erstversicherer Ergo ist Munich Re gerade dabei, aus fünf Vertriebsorganisationen seiner Tochter zwei zu machen. Dadurch fallen rund 1300 Stellen bei angestellten Vertretern und im Innendienst weg, die Kosten dafür veranschlagte Ergo auf 130 Mio. Euro. Deshalb verfehlte die Münchener-Rück-Tochter mit einem Gewinn von 290 (350) Mio. Euro die Zielmarke von 400 Mio. Euro. Die Beiträge der von Negativ-Schlagzeilen um die Sex-Eskapaden ihrer Vertriebs-Mitarbeiter gebeutelte Ergo schrumpften 2012 um 2,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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