Wirtschaft
Flughafen-Chef Michael Garvens.
Flughafen-Chef Michael Garvens.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Am BER bahnt sich ein Neustart an: Kommt Garvens für Mehdorn?

Von Diana Dittmer

Am Pannenflughafen BER dreht sich das Personalkarussell. Die Spekulationen machen auch vor Flughafenchef Mehdorn nicht halt. Hier kursieren gleich zwei interessante Namen.

Lange Zeit galt Hartmut Mehdorn als unersetzlich für den Pannenflughafen BER. Plötzlich stehen jedoch alle Zeichen auf Trennung. Mehdorns Appell am Wochenende war ultimativ. Wenn die Gesellschafter ihm nicht vertrauten, müssten sie sich jemand anders suchen.

Womit Mehdorn möglicherweise nicht gerechnet hat, ist, dass die Gesellschafter auf seinen Konfrontationskurs einschwenken würden. Die Länder Berlin und Brandenburg sind Medienberichten zufolge bereits aktiv auf der Suche nach einem Nachfolger für den umstrittenen Manager - dabei sollen sie auch mindestens doppelt fündig geworden sein.

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Bei den Kandidaten handelt es sich angeblich um den Chef des Flughafens Köln/Bonn, Michael Garvens, und den Münchener Flughafenmanager, Thomas Weyer. Als Favorit wird dabei der 56-jährige Garvens gehandelt. Laut "Handelsblatt" war für kommende Woche ein Personalgespräch geplant. Teilnehmen sollten neben Garvens Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und der designierte Berliner Bürgermeister Michael Müller sowie der Staatssekretär im Bundesverkehrministerium, Rainer Bomba. Aus Regierungskreisen in Brandenburg hieß es danach aber, das Treffen sei wegen der "Indiskretionen" abgesagt worden.

Der Vorsitzende des Berliner BER-Untersuchungsausschusses, Martin Delius, geht davon aus, dass an den Gerüchten etwas dran ist. Im kommenden Jahr werde Mehdorn wohl nicht mehr im Amt sein. "Wollten die Gesellschafter Mehdorn halten, hätten Berlins künftiger Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke klare Dementis formuliert", sagt der Chef der Piraten-Partei n-tv.de.

Garvens ist der Favorit

Garvens gilt als Macher. Seit er vor zwölf Jahren die Leitung des Flughafens Köln/Bonn übernahm, befindet sich der Airport durch die Ansiedlung der Billigflieger und den Ausbau des Frachtgeschäfts auf Erfolgskurs. Ob er für verfahrene Großprojekte zur Verfügung steht, muss sich zeigen. Der Köln-Bonner-Flughafen ist nur halb so groß wie Tegel. Mit 9 Millionen Passagieren rangiert er in der gleichen Liga wie der Stuttgarter Flughafen. Trotzdem galt Garvens schon einmal als Kandidat für die Position in Berlin, die Verhandlungen zerschlugen sich aber 2004.

Finanziell würde Garvens sich verbessern. Laut einer "Bild"-Gehaltsliste verdient der Vorsitzende der Geschäftsführung jährlich 400.747 Euro. In diesen Betrag fließen ein Festgehalt von 255.000 Euro sowie weitere Bezüge und eine variable Vergütung ein. Mehdorn, der seit März 2013 die Geschäfte der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) führt, kommt gerüchteweise auf 600.000 Euro plus Leistungszulagen von maximal 150.000 Euro.

Für Weyer spricht, dass er von 2004 bis 2008 einer der Geschäftsführer beim Berliner Flughafen war. Heute ist er Finanzchef des Flughafens München. Wie Mehdorn gilt er als Mann der klaren Worte. Im Oktober bemängelte er im Untersuchungsausschuss die häufigen Personalwechsel bei den BER-Verantwortlichen. "Weyer hat das ursprüngliche Finanzierungskonzept des BER aufgestellt und einige strukturelle Entscheidungen getroffen, die dann später revidiert wurden. Diese Revision kann man zum Teil für die anschließende Misere verantwortlich machen", sagt Delius. Der Job käme für Weyer damit einer zweiten Chance gleich.

Delius rechnet trotzdem nicht damit, dass einer von beiden Mehdorn nachfolgen wird. "Je breiter man diese Namen in der Öffentlichkeit tritt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sie es am Ende wirklich werden."

Ex-Daimler-Manager für Wowereit

Der Wechsel auf einem weiteren Top-Posten scheint derweil so gut wie perfekt. Mit Axel Arendt wird diesmal möglicherweise ein ausgewiesener Luftfahrtexperte die Leitung des Aufsichtsrates übernehmen. Der Posten des Vorsitzenden wird nach dem Rückzug des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit frei.

Arendt wurde von der brandenburgischen Landesregierung bereits als einfaches Mitglied in das Aufsichtsgremium der Flughafengesellschaft entsandt. Als Maschinenbauer und Betriebswirt sei er "ein Experte in vielen Bereichen", sagte Ministerpräsident Woidke. Der 65-Jährige war zu Beginn seiner Karriere bei Daimler und später Finanzvorstand des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS. Bis 2006 war Arendt Chef von Rolls-Royce Deutschland. Zuletzt vertrat er als Lobbyist die Interessen der Luft- und Raumfahrtindustrie in der Hauptstadtregion.

Was wie eine willkommene Entschlackung des hochpolitischen Kontrollgremiums wirkt, sieht Delius kritisch: "Arendt hat sicherlich Erfahrung beim Beaufsichtigen von privatwirtschaftlichen Unternehmen." Grundsätzlich müsse man sich aber fragen, ob die Entpolitisierung beim BER jetzt der richtige Schritt sei. "Wenn man die Politik weiter rausnimmt, werden die Entscheidungs- und Kommunikationswege noch länger. Deshalb kann das nicht der richtige Weg sein."

Arendt soll Politikern vorsitzen?

Unklar ist, wer den privaten Aufsichtsratsposten in der Fughafengesellschaft eigentlich zahlt. Bisher handelte es sich um ein Ehrenamt. "Das kann nicht mehr der Maßstab sein, wenn man einen Externen reinholt, der privat haftbar ist", sagt Delius. Bisher waren alle Kandidaten vom Senat oder einem Ministerium durch ihre Position und nicht als natürliche Person haftbar. "Dafür müsste man Axel Arendt auch ordentlich bezahlen", so Delius weiter. Eine Grundlage gebe es dafür aber nicht.

Der Aufsichtsrat kommt an diesem Freitag zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Angeblich steht die Wahl des Vorsitzenden noch nicht auf der Agenda. Für den scheidenden Wowereit rückt zunächst Michael Müller nach. Ob eine Vertragsverlängerung von Flughafenchef Mehdorn bereits Gesprächsthema sein wird, ist ebenfalls offen. Der Vertrag des 72-Jährigen läuft im Februar 2016 aus. Eine Verlängerung müsste im Februar 2015 beschlossen werden.

Quelle: n-tv.de

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