Angst vor dem "Domino Day"Ökonomen fürchten Euro-Sturz
Unter Wirtschaftsexperten grassiert die Angst vor einem weiteren Einbruch des Euro. Grund dafür sind die Sorgen vor einem unkontrollierbaren Schulden-Domino in Europa. Doch Ökonomen sorgt nicht nur ein sinkender Wert des Euro im Ausland, sondern auch die drohende Inflation innerhalb Europas.
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, rechnet mit einer weiteren Abschwächung des Euro. "Ich denke, wir werden bald 1,20 gegenüber dem Dollar sehen und ein weiterer Rückgang in Richtung Parität zum Dollar ist durchaus möglich", sagte Mayer der "Bild am Sonntag". Solange die Unsicherheiten über das hoch verschuldete Griechenland und andere Länder am Rand der Währungsunion andauern, werde die Gemeinschaftswährung unter Druck bleiben. Der Euro wurde zum Wochenausklang mit 1,2760 Dollar gehandelt.
Auch der renommierte US-Ökonom Nouriel Roubini sorgt sich um den Euro und warnt davor, dass sich die griechische Schuldenkrise rasant global ausbreiten wird. "Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs", sagte Roubini, der die globale Wirtschaftskrise schon zwei Jahre vor ihrem Eintritt detailliert vorhergesagt hatte, dem Magazin "Spiegel". Die bisherigen Rettungspläne seien nicht ausreichend. "Wenn nicht bald ein Plan B erarbeitet wird, besteht die Gefahr eines Dominoeffekts." Dann werde sich die Krise sehr schnell auf Länder wie Portugal oder Spanien ausbreiten. "Das würde am Ende den Euro sprengen", sagte Roubini.
Roubini, der wegen seiner düsteren Prognosen in den Medien gern auch als "Dr. Doom" bezeichnet wird, befürchtet sogar eine Ausweitung der Schuldenkrise über die europäischen Grenzen hinweg. Wegen der horrenden Staatsverschuldung dürften seiner Einschätzung nach bald auch Japan und den USA "ernste Probleme" drohen.
Inflation steht vor der Tür
Die Schuldenkrise schlägt sich auch in der Stimmung in der Bevölkerung nieder. Rund jeder zweite Bundesbürger fürchtet laut einer Emnid-Umfrage, dass es zu einer Inflation kommt. Noch deckt sich diese Sorge nicht mit tatsächlichen Zahlen, denn zuletzt hatte sich der Preisauftrieb im April leicht abgeschwächt. Die Lebenshaltungskosten zogen im Jahresvergleich um durchschnittlich 1,0 Prozent an. Doch das könnte sich nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten schon bald ändern.
Der Präsident des bayerischen Finanzzentrums, Wolfgang Gerke, rechnet wegen der hohen Etatdefizite der Euro-Länder mit einer Inflation von drei bis vier Prozent. Der Außenhandelsverband BGA warnt sogar vor einer Aufweichung der Währung durch eine laxere Politik der europäoschen Währungshüter. "Spanien, Portugal, aber auch Italien werden die Unabhängigkeit der EZB attackieren und dazu drängen, die Geldpresse anzuwerfen, um die Staatsdefizite zu finanzieren", sagte Verbandschef Börner der "Berliner Morgenpost". In den kommenden Jahren könnte dann eine ähnliche Situation entstehen, wie in Südeuropa vor der Einführung des Euro. "Das bedeutet deutlich höhere Inflation und höhere Zinsen - beides wird das Wachstum bremsen."