Wirtschaft

Kampf gegen den Verkehrsinfarkt: Peking beschränkt Zulassungen

Die Pekinger Stadtverwaltung will den drohenden Verkehrskollaps bekämpfen und beschränkt die PKW-Zulassungen. Für die deutschen Autokonzerne sind das schlechte Nachrichten, die Aktien geraten an der Frankfurter Börse unter Druck.

In Peking wächst die Zahl der zugelassenen Autos rasant.
In Peking wächst die Zahl der zugelassenen Autos rasant.(Foto: REUTERS)

Die Stadtverwaltung von Peking hat wegen des drohenden Verkehrskollaps in der Millionenstadt drastische Schritte eingeleitet, um die Pkw-Zulassungen im nächsten Jahr zu beschränken. Die Ausgabe neuer Autokennzeichen soll auf 240.000 Stück und damit um rund zwei Drittel gegenüber dem Jahr 2010 sinken. Nur in Peking ansässige Bürger können noch Automobile in der Stadt anmelden, außerdem dürfen während der Stoßzeiten nur noch Fahrzeuge mit einem Pekinger Kennzeichen in der Stadt unterwegs sein.

Autoanalyst Yale Zhang sagte, die Maßnahmen seien schärfer als erwartet. "Die Autohersteller müssen wohl ihre Produktions- und Absatzplanung für das nächste Jahr anpassen", meinte er.

Der chinesische Verband der Autohersteller reagierte äußerst verärgert und dessen Vizepräsident Xiong Chuanlin kritisierte die Ankündigung ungewöhnlich offen. Der Verband sei gegen jegliche Beschränkung des Autobesitzes. "Das ist ein negatives Beispiel, andere Städte werden mit Sicherheit folgen", sagte Xiong. Staatliche Medien berichteten, dass die ostchinesischen Provinzregierungen von Jiangsu und Zhejiang überlegten, den Bürgern erst dann einen Autokauf zu gestatten, wenn für das Fahrzeug ein Parkplatz nachgewiesen ist. Viele Pekinger Bürger hatten bereits Beschränkungen erwartet, weshalb es in den letzten Wochen zu einem Ansturm auf die Autogeschäfte gekommen war.

"Der Autosektor ist eine Säule der Industrie", sagte Xiong. Sein Verband fürchtet, dass die Autoverkäufe in Peking im kommenden Jahr um rund die Hälfte auf etwa 400.000 Fahrzeuge einbrechen werden. Allerdings seien in diesem Jahr mit 800.000 Stück ungewöhnlich viele Autos in Peking verkauft worden, weil viele Bürger dem Zulassungsbann zuvorkommen wollten, sagte Vize-Generalsekretär Luo Lei. In normalen Zeiten würden in Peking rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft.

Der deutsche Automobilsektor hatte zuletzt kräftig von der starken Nachfrage aus China profitiert. "Der Boommarkt ist gerade für die deutschen Autobauer ein sehr wichtiger Absatzmarkt", sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. "Absatzrestriktionen würden einen harten Schlag bedeuten." An der Frankfurter Börse verzeichneten die Auto-Aktien angesichts der Nachrichten aus China deutliche Einbußen.

Quelle: n-tv.de

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