Wirtschaft
Video

Treffen in Salzburg: Piëch sucht die Entscheidung

Gibt es eine Lösung der Führungskrise bei VW? Konzernpatriarch Piëch ruft das Aufsichtsratspräsidium zu seinem Sitz in Salzburg. Auch Vorstandschef Winterkorn, den Piëch loswerden will, ist zugegen. Die Anleger stehen mehrheitlich hinter Piëch.

Im Machtkampf bei Volkswagen zwischen Firmenpatriarch Ferdinand Piëch  und Konzernchef Martin Winterkorn droht eine Hängepartie. Zwar suchten wichtige Aufsichtsräte im kleinen Kreis einen Ausweg aus der Krise. Nach einem Gespräch am Sitz von Piëch in Salzburg wurde jedoch zunächst nicht bekannt, ob das sechsköpfige Aufsichtsratspräsidium eine Lösung gefunden hat. Das VW-Präsidium will am Freitag eine Erklärung abgeben. Das werde "im Laufe des Tages" geschehen, hieß es.

Ein Insider bestätigte lediglich, dass das Krisentreffen zu Ende gegangen sei. Piëch hatte Winterkorn vergangene Woche überraschend das Vertrauen entzogen. Winterkorn hatte auch an der Sitzung teilgenommen und dafür wichtige Termine abgesagt.

Das Präsidium ist mit seinen sechs Mitgliedern der Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats und bereitet entscheidende Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor. Das Sextett bilden: Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (Vize-Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sowie der Osterloh-Vize Stephan Wolf.

Der bei VW einflussreiche Betriebsrat und das Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär hatten sich darauf hinter den erfolgreichen Konzernboss gestellt. Das ebenfalls an VW beteiligte Emirat Katar hatte sich skeptisch über den Verbleib von Winterkorn an der Konzernspitze geäußert. Der Staatsfonds des erdölreichen Landes machte sein Verhalten einem Medienbericht zufolge davon abhängig, wen Piëch als neuen Vorstandschef und als seinen Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrats präsentiert.

Anleger wollen Chefwechsel

Das Londoner Analysehaus Evercore ISI ermittelte bei einer Blitzumfrage unter mehr als 50 Anlegern, dass 80 Prozent von ihnen einen Chefwechsel bei VW als positiv für die Aktie des größten europäischen Autokonzerns einschätzen. Drei von vier Befragten nannten Porsche-Chef Matthias Müller als bevorzugten Kandidaten. Die große Mehrheit habe sich für ein schnelles Ende der Krise ausgesprochen, rechnen aber mit einem monatelangen schädlichen Hickhack bei Volkswagen.

Marktanalyst Heiko Ruland erwartet eine Übergangslösung. So könne Müller oder VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch für zwei Jahre den VW-Vorstandsvorsitz übernehmen, während sich die Neuzugänge im Vorstand Herbert Diess und Andreas Renschler für den Chefposten bewähren könnten.

Duell der alten Männer

Die Diskussion über die künftige Spitze von Volkswagen schwelt schon länger wegen des fortgeschrittenen Alters der beiden Hauptakteure. Porsche-Enkel Piëch wird am Freitag 78 Jahre alt und ist noch bis 2017 gewählt. Der Vertrag des 67-jährigen Winterkorn wäre Ende 2016 ausgelaufen. Der Vorstandschef hatte zunächst mit einer Verlängerung seiner Amtszeit um ein, zwei Jahre geliebäugelt, um Piëch danach an der Spitze des Aufsichtsrats abzulösen.

Ein Nachfolger für Winterkorn in der Unternehmensführung war bisher nicht in Sicht, galt der promovierte Metallkundler doch als unersetzlich. Unter seiner Ägide hat Volkswagen seine Auslieferungen auf mehr als zehn Millionen Fahrzeuge gesteigert und steht kurz davor, Toyota als Weltmarktführer abzulösen.

In dem weltumspannenden Autoreich mit mehr als 100 Fahrzeugwerken und beinahe 600.000 Beschäftigten haben sich allerdings in letzter Zeit Probleme angehäuft - so schwächelt beispielsweise die Rendite der Hauptmarke VW, was Piëch schon länger ein Dorn im Auge ist. Der Chefkontrolleur ist Insidern zufolge zudem über lahmende Geschäft in den USA erbost, wo die Wolfsburger mangels attraktiver Modelle mit schrumpfenden Verkaufszahlen kämpfen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen