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"Und plötzlich ein Schlag ...": Bild einer gerissenen "Dreamliner"-Scheibe
"Und plötzlich ein Schlag ...": Bild einer gerissenen "Dreamliner"-Scheibe(Foto: picture alliance / dpa)

Ein "Dreamliner"-Passagier berichtet: "Plötzlich ein Riss in der Scheibe"

"Ich war schon sehr irritiert": Mit diesen Worten reagiert ein deutscher Passagier eines "Dreamliner"-Fluges auf einen "Schlag", den er plötzlich wahrnimmt und den sich danach auf seinem Kabinenfenster abzeichnenden Riss. Es ist nicht die einzige Panne des Boeing-Fliegers derzeit.

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Der Schreck war groß, der Zwischenfall blieb aber ohne Folgen: Ein Passagier des Pannen-Fliegers "Dreamliner" hat von einer gerissenen Scheibe während eines Boeing-Fluges nach Frankfurt berichtet. Marian Schick aus Hanau befand sich am vergangenen Mittwoch auf einer Urlaubsrückreise mit Ethiopian Airlines aus Addis Abeba. Der 26-Jährige schaute über Kopfhörer einen Film. "Dann hat es links neben mir einen Schlag getan, hörbar, obwohl ich anderweitig beschäftigt war. Und dann war halt ein Riss in der Scheibe. Ich habe mich natürlich sehr erschreckt", schilderte er den Vorfall.

Das Sonnenlicht sei in einem merkwürdigen Muster durch die Scheibe getreten. "Ich war schon sehr irritiert." Da sich der Riss aber nicht weiter ausgebreitet habe, sei er auch nicht panisch geworden. "Nach zwei, drei Minuten war ich dann auch wieder beruhigt." Um ihn herum hätten die meisten Passagiere geschlafen und den Zwischenfall nicht mitbekommen. Das Kabinenpersonal habe den Riss dann dem Co-Piloten gezeigt. Der entschied: Flug fortsetzen. Die Maschine empfand Schick ansonsten als sehr komfortabel. "Ich hätte kein Problem damit, dort noch mal einzusteigen."

Pannen, Pannen, Pannen

Diese Schilderung passt in die derzeitige Pannenserie, mit der der "Dreamliner"-Hersteller Boeing zu kämpfen hat: Wegen brennender Batterien an Bord verhängte die US-Luftfahrtbehörde FAA ein weltweites Flugverbot. Gegen Boeing richteten sich zudem erste Schadenersatzforderungen.

Das Flugverbot gelte für alle "Besitzer und Betreiber" der 787 "Dreamliner", teilte die FAA mit. Das sind weltweit 50; mit 17 die meisten Maschinen hat die All Nippon Airways (ANA), sieben hat die Japan Airlines (JAL). In Europa besitzt bislang nur die polnische LOT zwei der Boeings.

Die FAA berief sich in ihrer "Notfall-Anordnung" auf zwei Zwischenfälle: Am Mittwochmorgen hatte ein "reamliner" der ANA in Takamatsu im Süden Japans wegen Rauch- und Geruchsentwicklung an Bord notlanden müssen, verursacht von der Batterie. Bereits in der vergangenen Woche gab es ähnliche Probleme mit einem "Dreamliner" der JAL nach der Landung Boston - aus der Batterie traten brennbare Flüssigkeit und Rauch aus, die Batterie selbst wies Hitzeschäden auf.

Batterie oder Elektronik?

Boeing baut Lithium-Ionen-Batterien ein, weil sie leichter und leistungsfähiger sind als herkömmliche Nickel-Cadmium-Batterien.  Die Entwicklung des aus Leichtmaterial gebauten und damit treibstoffsparenden "Dreamliners" war als Meilenstein in der  Luftfahrt gefeiert worden. Die Lithium-Ionen-Batterien, die auch in Laptops und Handys Energie liefern, können aber leicht heiß werden und dann Feuer fangen.

Hersteller der "Dreamliner"-Batterien ist das japanische Unternehmen GS Yuasa. Eine Sprecherin sagte, noch sei unklar, ob die Batterie oder die Elektronik für die Probleme verantwortlich sei. Es sei "unmöglich" zu sagen, wie lange die Untersuchung dauern werde, es könne sich um "Tage oder Wochen" handeln. Der Chef von Boeing, Jim NcNerney, gab sich optimistisch: "Wir haben Vertrauen  in die Tatsache, dass die 787 sicher ist", erklärte er.

Schadenersatzforderungen erwogen

Die staatliche indische Fluggesellschaft Air India erwägt wegen des Flugverbots seiner sechs Dreamliner Schadenersatz von Boeing zu  fordern. "Ich bin sicher, das gibt uns das Recht auf eine Entschädigung", sagte der indische Luftfahrtminister Ajit Singh im Fernsehsender NDTV. Auch die LOT prüft Schadenersatzforderungen.

Konkurrent Airbus, der im vergangenen Jahr bei den Absatzzahlen deutlich hinter Boeing zurückblieb, verzichtete auf Schadenfreude. Airbus-Chef Fabrice Brégier erklärte, er wünsche den Kollegen, dass der "Dreamliner" bald wieder fliegen werde.

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Quelle: n-tv.de

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