Wirtschaft

Überraschende TrennungProduktionschef bei Volkswagen geschasst

01.08.2014, 19:35 Uhr
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Getrennte Wege: VW-Produktionschef Michael Macht (l) und Konzernchef Martin Winterkorn. (Foto: picture alliance / dpa)

Europas größer Autobauer Volkswagen will effektiver produzieren. Im Mittelpunkt steht dabei das konzerneigene Baukastensystem. Doch weil die Umsetzung nur schleppend vorankommt, zieht der Konzern personelle Konsequenzen. Bauernopfer, sagt ein Experte.

Europas größter Autobauer Volkswagen trennt sich mit sofortiger Wirkung von seinem Produktionsvorstand Michael Macht. Der Top-Manager und der Aufsichtsrat des Konzerns hätten sich "einvernehmlich" darauf verständigt, dass er das Amt niederlege, teilte das Unternehmen am Freitag in Wolfsburg mit. Vorstandschef Martin Winterkorn ließ erklären: "Wir danken ihm für seine Leistung." Eine nähere Begründung für die Personalie nannte Volkswagen nicht. Zu den Gründen für das Ausscheiden von Macht gab sich Volkswagen verschlossen. Schon Mitte Juli hatte Winterkorn in einer internen E-Mail an Führungskräfte aber Veränderungen auch in den Produktionsstätten gefordert. N-tv.de-Autoexperte Helmut Becker sprach mit Blick auf die Entscheidung von einem Bauernopfer.

Bis zur Berufung eines Nachfolgers übernehme Thomas Ulbrich, Produktionschef der Kernmarke VW-Pkw, die Aufgaben kommissarisch. Macht wird Ende August 54 Jahre alt. Volkswagen hatte ihn zum 1. Oktober 2010 zum Produktionschef gemacht. Zuvor war er Vorstandschef bei Porsche.

Probleme und Verspätungen

Der Konzern mit seinen zwölf Marken zählt weltweit 106 Fabriken. Mitte Juli hatte Winterkorn vor einer internen Runde mit mehr als 1000 Führungskräften in Wolfsburg dringliche Probleme im Konzern angesprochen. Dabei kritisierte er auch die Fabrikkosten: Die Planung der Anlagen sei oft zu groß, zu komplex und zu teuer. Zudem sei die volle Verfügbarkeit häufig erst mit Verspätung gewährleistet.

Winterkorn monierte ferner auch die Umsetzung der zentralen Strategie für das Modulare Querbaukasten MQB, mit dem der Konzern aus Kostengründen immer mehr identische Bauteile in unterschiedliche Modelle bringen will. Das Ausrollen der Baukästenstrategie sei "ein echter Kraftakt", wobei Winterkorn neben Entwicklung und Einkauf auch die Werke erwähnte.

Becker: Verantwortung hat Controlling-Vorstand

"Müssen wirklich Monate vergehen, bis neue Modelle in perfekter Präzision vom Band laufen?", heißt es in der E-Mail, die das "Wall Street Journal Deutschland" einsehen konnte, unter anderem. Zudem sei "die volle Verfügbarkeit" neuer Anlagen "häufig erst mit Verspätung gewährleistet". "Auch mit Blick auf unsere Wettbewerber sage ich: Lasst uns die bestehenden Standards kritisch hinterfragen", zitierte Volkswagen in dem Schreiben Vorstandschef Winterkorn.

N-tv.de-Autoexperte Becker sagte, dass Macht viel zu kurz im Amt gewesen sei, um die Verantwortung für die Produktion und die damit verbundenen Probleme komplett angelastet bekommen zu können. Zudem habe er sich wohl geweigert, schärfere Umstrukturierungen vorzunehmen, die zulasten die Belegschaft ausgefallen wären. Für das Desaster mindestens mitverantwortlich sei zudem der Vorstand für Finanzen und Controlling, Hans-Dieter Pötsch.

VW hat ein Margenproblem

Medien haben in den vergangenen Wochen zudem von akuten Schwierigkeiten in der Volkswagen-Produktion berichtet. Nach den Berichten, die ein Konzernsprecher nicht kommentierte, hat der Hersteller jüngst mehrfach die Produktion des Golf unterbrechen müssen.

Die siebte Ausgabe des Golf ist eines der ersten Modelle, das auf dem MQB basiert. Die Plattform soll künftig in Modellen verschiedener Konzernmarken zum Einsatz kommen und die Produktionskosten erheblich senken. Das Baukastensystem gilt als wichtiges Projekt Winterkorns. Laut der E-Mail an Konzernmanager sagte der Vorstandschef Mitte Juli: "Wir alle sind dafür verantwortlich, weiterhin die gesetzten Ziele beim MQB zu erreichen."

Vor allem die Marke Volkswagen soll ihre Kosten auch dank der konzernweiten Plattform erheblich senken. Erklärtes Ziel Winterkorns ist es, die operative Marge der Kernmarke auf mindestens sechs Prozent zu steigern. In der ersten Hälfte dieses Jahres allerdings hat sich die Gewinnspanne abermals verschlechtert: von 3,0 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 2,1 Prozent.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/dpa/rts