Frequenzen für Mobilfunk Provider sollen investieren

Angesichts des steigenden Datenverkehrs kommen ab Montag neue Frequenzkapazitäten für den Mobilfunk unter den Hammer. Netzagentur-Präsident Kurth ruft die Betreiber dazu auf, kräftig zu investieren. Eine solche Chance käme nicht wieder. Allerdings wird das Ganze nicht so viel Geld in die Staatskassen spülen wie einst die UMTS-Auktion.
Die deutschen Mobilfunkbetreiber müssen nach Ansicht der Bundesnetzagentur auf der bevorstehenden Auktion von neuen Handy-Frequenzen ihr künftiges Geschäft sichern. "Es wird für viele Jahre nicht mehr eine solche Chance geben wie jetzt", sagte Matthias Kurth, Präsident der Netzagentur. Ab Montag kämen insgesamt 360 Megahertz an Frequenzkapazitäten unter den Hammer - dreimal mehr als bei der UMTS-Auktion vor zehn Jahren.
In den nächsten Jahren würden diese neuen Sendefrequenzen angesichts des boomenden Datenverkehrs in den Mobilfunknetzen dringend benötigt. So hätten Handy- und Laptop-Nutzer in Deutschland 2009 dreimal so viel heruntergeladen wie im Vorjahr. "Und das ist erst der Anfang, erst wird noch viel schneller gehen", sagte Kurth. In den USA würden die Mobilfunknetze unter dem Ansturm der Smartphone-Besitzer, die auf ihren teuren Telefonen gerne Filmclips schauen, immer wieder zusammenbrechen. "Eine derartige Entwicklung müssen wir in Deutschland verhindern", sagte der Behördenchef.
Deutsche Auktion als Vorbild
Bei der Versteigerung auf einem ehemaligen Kasernengelände in Mainz werden die etablierten Mobilfunk-Unternehmen T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 antreten. Zwei weitere Interessenten waren abgesprungen. Die UMTS-Auktion vor zehn Jahren hatte noch wesentlich mehr Interessenten auf den Plan gerufen und dem Staat gut 50 Milliarden Euro in die Kassen gespült. Dieses Mal dürfte es nur ein Bruchteil dieser Summe werden - Analysten rechnen mit drei bis sieben Milliarden Euro. Wie lange das Wettbieten dauern wird, ist Kurth zufolge noch nicht absehbar. Das Interesse der Mobilfunk-Firmen sei aber bereits sehr groß. Denn die Bieter hätten bereits vor der Auktion anzeigen müssen, für welche Frequenzen sie Angebote abgeben wollen. Damit sei bereits klar, dass die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteige, sagte er.
Auch in Brüssel wird das Wettbieten genau beobachtet: Deutschland ist das erste EU-Land, in dem ehemalige Fernseh-Frequenzen für den Mobilfunk versteigert werden. Seitdem die analogen TV-Kanäle nicht mehr über Antenne ausgestrahlt werden, sind die dafür genutzten Frequenzen vakant. Bis Januar 2012 soll in allen EU-Staaten von analogem auf digitales TV umgeschaltet werden. Die Versteigerung in Deutschland könne Vorbild für andere Mitgliedstaaten sein, sagte Eirini Zafeiratou, die Repräsentantin von Vodafone in Brüssel.
EU setzt auf Breitband
Der Ausbau der Breitbandversorgung ist in der gesamten EU ein wichtiges politisches Projekt. Die Digitalisierung könne die wirtschaftliche Erholung fördern und den Übergang zu wissensbasiertem, klimaschonenden Wirtschaften erleichtern, glaubt die EU-Kommission. Die EU-Staaten haben vereinbart, bis 2013 alle Haushalte mit schnellen Datenzugängen zu versorgen.
Die Vergabe der Frequenzen, die ein öffentliches Gut sind, ist allerdings Sache der Mitgliedstaaten, und die Einnahmen stehen den nationalen öffentlichen Haushalten zu. Die EU-Kommission fordert ein koordiniertes Vorgehen, um einen Flickenteppich verschiedener Techniken und Nutzungsmöglichkeiten zu verhindern. Durch ein abgestimmtes europäischen Vorgehen sei der wirtschaftliche Nutzen, je nach Entwicklungstempo der drahtlosen Dienste, über einen Zeitraum von 15 Jahren um 17 bis 44 Milliarden Euro zu steigern, erklärte die Kommission.