Wirtschaft
Kalkuliert mit einem hohen Ölpreis: Russlands Präsident Wladimir Putin.
Kalkuliert mit einem hohen Ölpreis: Russlands Präsident Wladimir Putin.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Rosneft in Schwierigkeiten: Putin droht Ölpreisschock

Von Jan Gänger

Trotz aller Krisen kennen die Ölpreise derzeit vor allem eine Richtung: nach unten. Russlands Präsident Putin dürfte das in Schwierigkeiten bringen. Denn sein Wirtschaftsmodell ist darauf nicht vorbereitet.

Er schwimmt halbnackt durch Flüsse, taucht nach Amphoren und steuert Löschflugzeuge: Wladimir Putin. Das Bild, das Staatsmedien vom russischen Präsidenten zeichnen, ist das eines tatkräftigen Mannes, der jegliche Probleme kernig löst. Doch droht Putin eine Herausforderung, die sogar die Folgen der westlichen Sanktionen in den Schatten stellt: der sinkende Ölpreis.

Zu Wochenbeginn ist der Preis für die wichtigste Ölsorte Russlands, Urals, unter die Marke von 100 Dollar pro Barrel gefallen. Damit nähert er sich einem Bereich, der für den Kreml problematisch wird. Denn die russische Wirtschaft ist vom Öl-Export abhängig. Er sorgt für knapp 40 Prozent der Staatseinnahmen.

Reichten 2007 noch 30 US-Dollar je Fass für einen ausgeglichenen Haushalt, sind nun Analysten zufolge um die 114 Dollar nötig. Die russische Regierung hat für den diesjährigen Haushalt einen Ölpreis von 104 Dollar veranschlagt und sagte ein geringes Haushaltsdefizit voraus. Das kann sich der Staat auch leisten, schließlich liegen die Schulden bei lediglich 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist ein Wert, von dem EU-Staaten nur träumen können. Zudem verfügt Russland über Devisenreserven von geschätzt knapp einer halben Billion Dollar.

Doch so beeindruckend das erscheint, ein niedriger Ölpreis ist für Russland ein Problem - zumal vor dem Hintergrund der von USA und Europäischer Union verhängten Sanktionen. Wie ernst die Lage bereits ist, zeigt der Hilferuf von Rosneft, dem größten Ölförderer des Landes. Dessen Chef Igor Setschin bat den Staat vergangene Woche um umgerechnet 40 Milliarden Dollar, da der Konzern Schwierigkeiten mit der Refinanzierung bekommt. Diese Summe entspricht etwa 2 Prozent des russischen Bruttoinlandprodukts.

Vom Ölpreis abhängig

"Russland verfügt über substanzielle Devisenreserven", sagte Gunter Deuber von der Raiffeisenbank International bei n-tv.de. Allerdings müsse man dabei berücksichtigen, dass sich russische Unternehmen in den letzten Jahren massiv im Ausland verschuldet haben. "Solange die Refinanzierung dieser Schulden möglich ist, ist das unproblematisch. Doch wenn die Regierung wegen der Sanktionen einspringen muss, kann das nach vier oder fünf Monaten ganz anders aussehen. Die Devisenreserven, die auch als Puffer gebraucht werden, können nicht unbegrenzt zur möglichen Kompensation von weniger ausländischer Refinanzierung eingesetzt werden", so der Osteuropa-Analyst.

Zudem wird die russische Ölförderung von einer weiteren Maßnahme getroffen: EU und USA haben den Export von Technologie für Tiefbohrungen verboten. Das wird nach Einschätzung von Analysten die Ölförderung des Landes mittelfristig dämpfen - und damit den Haushalt belasten. Hinzu kommt, dass Russlands Wirtschaftswachstum zum Erliegen gekommen ist. Schon vor der Eingliederung der Krim stagnierte die Konjunktur, für dieses Jahr rechnen die meisten Experten mit einer leichten Rezession.

Wie stark das Schicksal der russischen Wirtschaft an den Ölpreis gekoppelt ist, hat zuletzt die Finanzkrise gezeigt. Als der Preis im Jahre 2008 auf unter 38 Dollar abstürzte, brach das Bruttoinlandsprodukt um 7,8 Prozent ein. Die Devisenreserven schrumpften in kurzer Zeit um 200 Milliarden Dollar, weil die Zentralbank den Rubel stützte. Er verlor dennoch knapp ein Drittel an Wert.

Putins Wirtschaftsmodell ist in der Tradition der Sowjetunion völlig abhängig von Rohstoffexporten. Sprudeln die Einnahmen, werden Löhne von Staatsangestellten und Renten  erhöht. Die Wirtschaft wächst - trotz Behördenwillkür, Korruption und ineffizienter Verwaltung. Doch wenn Öl billig wird, stößt dieses System an seine Grenzen.

Derzeit rechnen viele Analysten damit, dass die Ölpreise weiter fallen. Sollte das tatsächlich eintreffen, dürfte sich der Kreml ernsthaft Sorgen machen.

Quelle: n-tv.de

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