Wirtschaft
Wegen des Ölpreis-Crashs muss sich Russlands Präsident Wladimir Putin auf Ärger einstellen.
Wegen des Ölpreis-Crashs muss sich Russlands Präsident Wladimir Putin auf Ärger einstellen.(Foto: picture alliance / dpa)

Preis-Crash bedroht Russland: Putin verliert den Öl-Krieg

Von Hannes Vogel

Der dramatische Ölpreisrutsch und die westlichen Sanktionen werden für Russland zum Super-Gau: Präsident Putin drohen in den nächsten Jahren sinkende Ölproduktion und politische Unruhen.

Die internationale Energieagentur (IEA) sieht Russland als größtes Opfer des Ölpreisrutschs. Dank fallender Preise, erdrückender westlicher Sanktionen und Rubel-Crash droht dem Land der Super-Gau: die Ölproduktion werde bis 2020 um mehr als eine halbe Million Barrel täglich einbrechen, warnt die IEA in ihrem Ölmarktbericht. Der anhaltende Preis-Schock werde Russlands Förderkapazitäten auf das Niveau von vor 2010 zurückversetzen. Noch vor einem Jahr war die IEA von leicht steigenden Fördermengen ausgegangen.  

Durch die Sanktionen fehlt Russlands Ölriesen wichtige Technik. Zudem bekommen Rosneft, Gazprom und Lukoil kein frisches Geld mehr. Beides hat verheerende Konsequenzen: Die russischen Ölgiganten fahren aus Geldmangel ihre Investitionen zurück und legen die Erschließung neuer Lagerstätten in der Tiefsee, der Arktis und in Sibirien auf Eis.

Gleichzeitig trocknen alte Felder aus. Westliche Ölfirmen wie Total oder ExxonMobil haben viele Projekte bereits gestoppt. Wegen des Finanzembargos steht Lukoil am Rande der Pleite: der Ölriese bat Ende 2014 um Finanzhilfen von fast 50 Milliarden Dollar. Anfang des Jahres rettete Moskau Rosneft dann mit etwa 10 Milliarden Dollar. Die sinkende Produktion höhlt die Macht des Kremls aus, weil mehr als die Hälfte des russischen Staatshaushalts von Öl und Gas abhängt. Die schwindenden Einnahmen könnten mittelfristig die wirtschaftliche und politische Stabilität in Russland bedrohen, warnt die IEA.  

Araber pumpen um ihr Leben

Hoffnung für den Kreml ist sobald nicht in Sicht. Der Ölpreis ist in wenig mehr als einem halben Jahr von seinem Hoch bei 115 Dollar je Barrel um mehr als die Hälfte eingebrochen. Zwar sagt die IEA ab 2016 wieder spürbar steigende Ölpreise voraus. Trotz des Anstiegs werden sie sich aber deutlich unter den Hochständen der letzten drei Jahre stabilisieren, glaubt die IEA. Die Märkte sähen einen Anstieg auf 73 Dollar je Barrel bis 2020 voraus, aber erwarteten nicht, dass die Preisrekorde der Vergangenheit wieder erreicht würden.

Die Fördermenge wird bis 2020 zwar weniger wachsen, als bisher erwartet, sagt die IEA voraus. Doch die OPEC-Länder unter Führung von Saudi-Arabien dürften die Märkte weiter mit dem schwarzen Gold fluten, um verlorene Marktanteile von US-Firmen zurückzuerobern. Die fördern Öl mit der umstrittenen Fracking-Methode und erschließen so auch bisher kaum zugängliche Felder. Die Fracking-Revolution sorgt für ein Überangebot, das die Ölpreise in den Keller zwingt.

Doch statt die Produktion zu drosseln und so die Preise hochzutreiben, halten die OPEC-Staaten ihre Fördermenge konstant. Sie setzen darauf, ihre unliebsame neue Konkurrenz mit den fallenden Preisen wieder aus dem Markt zu verdrängen, weil sie dann nicht mehr kostendeckend produzieren können. Die Saudis haben dagegen riesige Geld-Polster, um den Preisrutsch durchzustehen. Die Dumping-Strategie wird den Siegeszug des US-Öls aber nur verzögern, nicht stoppen, sagt die IEA: Sobald die Preise sich erholen, werde mittelfristig auch die Förderung von Fracking-Öl in den USA wieder anziehen.

IS-Terror bedroht Versorgung

Nicht nur Russland gerät durch den Preisverfall in die Klemme: Von allen OPEC-Ländern werde Venezuela wohl am härtesten getroffen, glaubt die IEA. Der soziale Frieden sei in Gefahr, der Preisrutsch bedrohe die finanzielle und politische Stabilität. Das Land ist zwar der größte Ölproduzent Südamerikas, hat anders als Saudi-Arabien aber kaum Geldreserven, um den Preisverfall lange durchzustehen. Nahezu alle Deviseneinnahmen stammen aus dem Ölgeschäft. Venezuelas Wirtschaft ist schon in der Rezession, die Gefahr einer Staatspleite rückt näher.

Insgesamt bleiben aber islamistische Terror-Gruppen bis 2020 die größte Gefahr für die Ölversorgung. Die Sicherheitsrisiken werden in den nächsten Jahren extrem hoch bleiben, sagt die IEA voraus. Die größten lauern im Irak: Dort droht der Islamische Staat (IS) mit seinem "Kalifat" große Ölfelder zu überrennen. Bestenfalls werde der IS mindestens eine ernste Bedrohung bleiben und neue Investments verhindern. Bislang ist es den Gotteskriegern zwar noch nicht gelungen, die Förderung nennenswert zu drosseln. In Libyen und Syrien haben islamistische Rebellen den Export mit Angriffen auf die Ölinfrastruktur dagegen bereits faktisch gestoppt.

Quelle: n-tv.de

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