Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Showdown mit Ergebnis: Putsch bei Balda gescheitert

Bei Balda bleibt alles beim Alten. Langeweile kommt bei dem Kunstsoffteile-Hersteller dennoch nicht auf. Das beweist die außerordentliche Hauptversammlung, auf der erst nach mehrstündigen, heftigen Wortgefechten der Aufsichtsrat bestätigt wird. Im Mittelpunkt des Ärgers steht ein US-Investmentfonds.

Nach elf Stunden hitziger Debatte und quälenden Unterbrechungen ist der Putsch gescheitert: Der Aufsichtsrat des Kunststoffteile-Herstellers Balda ist bei einer außerordentlichen Hauptversammlung von den Aktionären bestätigt worden. Zwei Drittel des anwesenden Kapitals lehnten die von der US-Investmentfirma Octavian beantragte Abwahl des dreiköpfigen Kontrollgremiums ab. Octavian, die nach eigenen Angaben lediglich 8,3 Prozent der Anteile vertritt, hatte die Versammlung beantragt.

Stundenlang konfrontierten die Aktionäre Vorstand und Aufsichtsrat mit Fragen. Gleich zu Beginn hatte Octavian einen Katalog mit 100 Fragen vorgelegt. Besonders Vertreter kleinerer Aktionäre kritisierten die Balda-Führung scharf. Beobachter vermuten, dass der Konflikt damit noch nicht ausgestanden sein könnte.

Hintergrund ist eine Streit über eine Beteiligung der Balda AG am taiwanesischen Touchscreen-Hersteller TPK im Wert von etwa 450 Mio. Euro. Im Balda-Aufsichtsrat gebe es einen starken Interessenkonflikt, kritisierte Octavian-Vertreter Igor Kuzniar. Das Gremium stehe unter dem Einfluss des taiwanesischen Investors Michael Chiang. Das Ehepaar Chiang halte selbst TPK-Anteile im Wert von 700 Mio. Euro, der Anteil der Chiangs an Balda sei dagegen nur 80 Millionen Euro wert. Daher hätten die Chiangs immer zuerst das Wohl von TPK im Auge.

2011 hatte der Balda-Vorstand den Verkauf der TPK-Anteile bis zum Oktober des Jahres angekündigt. Damals sei die Beteiligung 790 Mio. Euro wert gewesen, sagte Kuzniar. Dreimal habe der Vorstand Anlauf zum Verkauf genommen, der Aufsichtsrat habe aber jeweils abgeblockt. Durch den Kursverfall der TPK-Aktie sei der Balda-Anteil nunmehr 350 Mio. Euro weniger wert.

Es geht um die Macht

Chiang und Balda hatten TPK gemeinsam gegründet und hielten je 50 Prozent. Seit 2008 hat die Balda AG ihre Anteile reduziert und so operative Verluste ausgeglichen. Grundsätzlich bekundeten alle Beteiligten das Ziel, die TPK-Anteile zu verkaufen. Octavian-Vertreter Kuzniar zog aber den Verkaufswillen des Aufsichtsrats in Zweifel.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Naschke wies die Vorwürfe zurück, das Gremium habe bewusst Entscheidungen gegen das Wohl der AG getroffen. Octavians Ziel sei: "Die Macht bei Balda übernehmen, um die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu befriedigen." Der Aufsichtsrat habe den Verkauf der Anteile abgelehnt, weil die Abwicklung entweder unzureichend vorbereitet gewesen oder der Kurs inzwischen zu stark gesunken sei.

Die Balda AG in Bad Oeynhausen produziert Kunststoffteile für Geräte der Medizintechnik sowie Elektronik. Nach einem schnellen Aufstieg erzielte Balda 2005 einen Umsatz von knapp 400 Millionen Euro. 2011 soll der Umsatz noch bei 60 bis 70 Millionen Euro gelegen haben.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen