Montag, 30. August 2010
Trotz Sanktionen: Reger Handel mit Iran
Allen bisherigen Sanktionen zum Trotz haben die Handelsbeziehungen zum Iran im ersten Halbjahr zugenommen. Seit Juli gelten noch einmal schärfere Regeln für den Handel.
Eine Provokation für den Westen: Der Iran nimmt im August das erste AKW in Betrieb. Mit Kernbrennstoff bestückt wurde die Anlage in Bushehr von Ingenieuren aus dem Iran und Russland.
(Foto: picture alliance / dpa)
Trotz der Sanktionen gegen den Iran wegen des Atomstreits sind die deutschen Exporte in das Land im ersten Halbjahr 2010 kräftig gestiegen. Deutsche Unternehmen verkauften Waren im Wert von rund 1,85 Mrd. Euro in die Islamische Republik - 14 Prozent mehr als in der ersten Hälfte 2009.
Das geht aus bislang unveröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes vor, die Reuters vorliegen. Demnach stiegen die Importe aus dem Iran sogar um rund 88 Prozent auf 280 Mio. Euro. Im Rezessionsjahr 2009 waren die Ausfuhren um 5,3 Prozent und die Einfuhren um 9,3 Prozent gesunken, was allerdings deutlich geringere Rückgänge waren als im Durchschnitt verzeichnet wurde.
Der Anteil, den die Handelsbeziehungen zum Iran an den gesamten Ausfuhren machen, ist im Vergleich eher gering. Laut Statistischem Bundesamt rangierten die Ausfuhren in die Islamische Republik 2009 auf Rang 38.
Maschinen und Chemie gefragt
Der Iran kaufte vor allem Maschinen, chemische Produkte und Metalle in Deutschland ein. Die Ausfuhren von Maschinen stiegen von Januar bis Juni von 480 auf 635 Mio. Euro, während die Chemieexporte von 149 auf 235 Mio. Euro zulegten. Bei Metallen blieb der Exportumsatz mit 168 Mio. Euro nahezu unverändert. Bei den Importen dominieren Erdöl und Erdgas: Deutschland bezahlte dafür rund 118 Mio. Euro, während es ein Jahr zuvor nicht einmal acht Mio. Euro waren.
Auch auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten die 27 EU-Staaten im Juli zusätzliche Strafmaßnahmen gegen den Iran beschlossen, die deutlich über die von den Vereinten Nationen (UN) verhängten Sanktionen hinausgehen. Das Land steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines friedlichen Energieprogramms heimlich nach Atomwaffen zu streben.
Rund drei Vierel der Waren Made in Germany werden in europäische Länder geliefert. Der wichtigste Abnehmer deutscher Ausfuhren ist weiterhin Frankreich vor den USA und den Niederlanden. Nach Frankreich wurden 2009 Waren im Wert von 81,9 Mrd. Euro exportiert, in die Niederlande Waren im Wert von 54,1 Mrd. Euro und in die Vereinigen Staaten Waren für 53,8 Mrd. Euro.
rts
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