Wirtschaft
Mit gewaltigen Investitionen in die Infrastruktur (hier ein Bahn-Viadukt) treibt Chinas Regierung das Wachstum voran.
Mit gewaltigen Investitionen in die Infrastruktur (hier ein Bahn-Viadukt) treibt Chinas Regierung das Wachstum voran.(Foto: REUTERS)

Überraschung aus Fernost: Regierung hält Chinas Wirtschaft auf Kurs

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im zweiten Quartal offiziell stärker gewachsen als erwartet. Den Regierungszahlen zufolge liegt die Entwicklung damit innerhalb der Jahresprognosen - dank staatlicher Investitionen.

Video

Die chinesische Wirtschaft ist im zweiten Quartal etwas stärker gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,5 Prozent zu, wie die Behörden mitteilten. Analysten hatten mit von 7,4 Prozent gerechnet - und damit mit einem Wert wie im Auftaktquartal.

Das Statistikamt bewertet die Aussichten dennoch zurückhaltend. "Wir können nicht blind optimistisch sein, denn die aktuelle Lage ist ziemlich kompliziert", sagte ein Sprecher. "Die traditionelle Industrie befindet sich in Anpassungen, und die können noch einige Zeit schmerzhaft sein. Die Konjunktur hat weiter Gegenwind."

Die Staatsführung will die Wirtschaftsstruktur verändern und nimmt dafür kurzfristig Rückschläge in Kauf - solange genügend Jobs geschaffen werden. Sie will vor allem den Konsum stärken, um unabhängiger von ausländischen Investitionen und Exporten zu werden.

Industrie wächst deutlich

Doch auch die Industrieproduktion übertraf die Erwartungen. In dem Drei-Monatszeitraum steigerten die Betriebe den Ausstoß um 9,2 Prozent. Auch hier hatten Experten weniger erwartet. Damit verdichten sich die Anzeichen, dass die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft an Schwung gewinnt.

Video

Für das Gesamtjahr gehen die Experten bislang von einem Wirtschaftsplus von 7,3 Prozent aus. Dies wäre der geringste Zuwachs seit 24 Jahren. Die Regierung in Peking rechnet indes offiziell mit einem Plus von mindestens 7,5 Prozent. In den beiden vergangenen Jahren hatte sich das Wachstum noch auf 7,7 Prozent belaufen.

"Die Konjunkturerholung hängt von der Unterstützung der Regierung ab", sagte Analyst Chang Jian von Barclays Capital in Hongkong. "Die Regierung kann nun wählen, ob sie entweder ein langsameres Wachstum hinnimmt oder noch mehr Hilfen durchdrückt."

Im Kampf gegen eine Abkühlung hat der Staat seine Kassen geöffnet: Seine Ausgaben erhöhten sich allein im Juni um 26,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,65 Billionen Yuan (195 Milliarden Euro). Mit dem Geld wird beispielsweise der Ausbau des Schienennetzes beschleunigt. Mehr Mittel fließen auch in den Wohnungsbau. Gleichzeitig reichten die Banken 1,08 Billionen Yuan (128 Milliarden Euro) an neuen Krediten aus, 20 Prozent mehr als erwartet. Dadurch wuchs die Wirtschaft trotz schwächelnder Exporte und einer Abkühlung am Immobilienmarkt etwas schneller.

China nimmt für Umbau geringeres Wachstum in Kauf

Nach Einschätzung von Volkswirten könnte sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren erheblich verlangsamen. 2015 dürfte das Bruttoinlandsprodukt demnach nur noch um etwa sechs Prozent und danach nur noch um rund fünf Prozent zulegen.

Im Vergleich zum minimalen Wachstum in Europa und den USA erscheinen Wachstumszahlen wie in China bemerkenswert. Doch sind sie für ein Schwellenland wie China mit seinem Nachholbedarf nicht hoch. Experten sehen sechs oder sieben Prozent Wachstum als Untergrenze, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen