Wirtschaft
Neue Perspektiven nach der US-Wahl: Wird Donald Trump mehr militärisches Engagement der Europäer einfordern?
Neue Perspektiven nach der US-Wahl: Wird Donald Trump mehr militärisches Engagement der Europäer einfordern?(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 09. November 2016

Anleger wechseln auf Trump-Kurs: Rüstungsaktien ziehen an

Der Schock nach dem unerwarteten Wahlsieg von Donald Trump währt nur kurz: Am Aktienmarkt stellen sich Investoren schnell auf die neue politische Realität in den USA ein. Die Aktien von Rüstungsunternehmen sind auffallend stark gefragt.

Der politische Richtungswechsel in den USA zwingt Anlagestrategen zu einer Neubewertung der Lage. Nach den teils heftigen Kursausschlägen in der Wahlnacht suchen Investoren nach Möglichkeiten, sich für die kommenden Jahre unter einem US-Präsidenten namens Donald Trump zu positionieren.

In einem allgemein nervösen und unsicheren Umfeld ragen nach der Wahlentscheidung einzelne Aktien aus dem Gesamtmarkt heraus: Deutliche Kursgewinne gibt es unter anderem bei europäischen Rüstungsungternehmen. Hinter der ersten Reihe ziehen im deutschen Aktienhandel etwa die Anteilsscheine von Rheinmetall deutlich an.

Bemerkenswerte Kursbewegungen

Die Aktien von Rheinmetall liegen am Tag nach der US-Wahl mit einem Plus von 2,9 Prozent an der Spitze im MDax. Marktbeobachter verweisen auf die Auswirkungen der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. "Trump hatte von den Europäern immer eine größere Beteiligung an den Verteidigungsantrengungen gefordert", sagte ein Händler. Dazu komme seine eher skeptische Haltung zur Nato, die auf einen höheren Eigenschutz der Mitglieder hinauslaufe. "Per Saldo alles gute Nachrichten für Europas Rüstungsindustrie".

Die Kursgewinne im Rüstungssektor bleiben nicht auf die deutschen Nebenwerte beschränkt. In London springt der Kurs des größten britischen Rüstungsunternehmens BAE Systems um 3,3 Prozent an. In Paris legen Thales um 2,4 Prozent zu. Die Aktien von Airbus geben dagegen 2,3 Prozent ab. Hier dürfte mit Blick auf die Konkurrenz zum US-Flugzeugbauer Boeing die Furcht vor protektionistischen Vorhaben Trumps überwiegen.

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Wie die Kurse von US-Rüstungsunternehmen auf den Wahlausgang reagieren werden, können Anleger am Nachmittag verfolgen. An der New Yorker Wall Street beginnt der Handel wie üblich gegen 15.30 Uhr (MEZ). Im Blickfeld der Analysten dürften dabei auch Konzerne wie Lockheed Martin oder Raytheon liegen.

Mehr Militär in Europa?

Wie berechtigt die Spekulationen im Rüstungsmarkt sind, belegen Aussagen von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Der politischer Leiter des westlichen Militärbündnisses rief den künftigen US-Präsidenten dazu auf, das Engagement der Vereinigten Staaten im Bündnis nicht zu reduzieren.

"US-Führung ist nach wie vor von großer Bedeutung", sagte Stoltenberg am Morgen in einer Glückwunschbotschaft an den Republikaner. "Eine starke Nato ist gut für die Vereinigten Staaten und gut für Europa." Trump hatte sich in seinem Wahlkampf wiederholt kritisch zur Nato geäußert und unter anderem gefragt, warum immer die USA die Führungsrolle übernehmen müssten.

"Ein parteiübergreifendes Projekt"

Nach dem Wahlsieg Trumps bemühen sich auch US-Diplomaten, ihren Partnern bei der EU und innerhalb der Nato eine weiterhin enge Zusammenarbeit zu signalisieren. "Es gibt hier Kontinuität", sagte der US-Botschafter bei der Nato, Douglas Lute, vor europäischen Diplomaten in Brüssel. "Die Nato war für die Vereinigten Staaten immer ein parteiübergreifendes Projekt."

Trump hatte während des Wahlkampfes zentrale Aspekte des Verteidigungsbündnisses infrage gestellt und damit für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Der US-Botschafter bei der EU, Anthony Gardner, warnte die Europäer vor zu schnellen Rückschlüssen. Es sei zu früh, um über die Präsidentschaft von Trump zu urteilen. "Jede US-Regierung wird sich der Bedeutung der Beziehungen zwischen den USA und der EU bewusst. Gebt ihr Zeit."

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini setzt ebenfalls auf eine weitere Zusammenarbeit von EU und den USA - deutet zugleich aber auch Veränderungen auf europäischer Seite an. "Die Verbindungen sind tiefer als jede politische Änderung", teilte sie mit. "Wir werden weiter zusammenarbeiten und die Stärke von Europa neu entdecken."

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Quelle: n-tv.de

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