Wirtschaft
Wie viel Einfluss hatte und hat Russland auf Donald Trump?
Wie viel Einfluss hatte und hat Russland auf Donald Trump?(Foto: REUTERS)

Moskau gewinnt an Gewicht: Russland kauft massenhaft US-Bonds

Von Diana Dittmer

Zum zweiten Mal seit der US-Wahl kauft die Moskauer Zentralbank ein dickes Paket US-Staatsanleihen. Offiziell schuldet Washington Russland damit jetzt 100 Milliarden Dollar. Es könnten aber auch mehr sein.

Wie gut ist Donald Trumps Draht nach Moskau? Ist er ein "US-Präsident von Putins Gnaden?", wie die "Zeit" titelte? Was es mit Trumps persönlicher Russland-Connection auf sich hat, ist schwer zu sagen. Es gibt aber offizielle Drähte zwischen den Ländern, die glühen und die besser nachzuverfolgen sind - und diese belegen, dass zumindest die finanziellen Verknüpfungen zwischen den Staaten enger werden.

Die größten US-Gläubiger (Department of the Treasury/Federal Reserve Board).
Die größten US-Gläubiger (Department of the Treasury/Federal Reserve Board).

Wie es scheint, stockt Russland seine Auslandsreserven, das finanzielle Polster für schlechte Zeiten, wieder auf. Seit der Wahl von Donald Trump im November 2016 hat die Moskauer Zentralbank laut den Daten des US-Schatzamts zwei Mal kräftig in US-Staatsanleihen investiert. Noch im selben Monat, in dem Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, stockte sie ihre Bestände um satte 16 Prozent auf 86,6 Milliarden Dollar auf.

Im März dann kaufte die Moskauer Zentralbank - nachdem die Anzahl der Bonds zwischenzeitlich annähernd konstant blieb - ein weiteres dickes Paket. Offiziell liegen damit nun nahezu 100 Milliarden Dollar an US-Schulden in russischer Hand. Im Vergleich zu vor der Wahl sind dies gut 30 Prozent mehr. In der Liste der größten Gläubiger der USA ist Russland damit immerhin vom 16. auf den 15. Platz aufgestiegen.

Moskau legt sich neues Polster zu

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Russland hatte seine Reserven zuvor dramatisch eindampfen müssen, weil mit den fallenden Ölpreisen die wichtigste Einnahmequelle des Staates versiegt war. Der Ölpreis war Anfang 2016 bis auf 26 Dollar gesunken, die russische Wirtschaft brach ein, auch der Rubel sackte auf ein Allzeittief. Die Sanktionen des Auslandes wegen der Ukraine-Krise machten der Wirtschaft zusätzlich zu schaffen.

Der Crash wäre noch deutlicher ausgefallen, hätte Moskau den Rubel-Kurs nicht massiv durch Dollar-Verkäufe gestützt. Auch wenn die USA deutlich über ihre Verhältnisse leben, kaufen die meisten Staaten US-Bonds und Dollar, um Rücklagen zu bilden. Sie gelten - dank der US-Notenbank Fed, die grenzenlos Dollar drucken kann - als eines der sichersten Investments der Welt.

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Mittlerweile notiert der Ölpreis wieder um die 50 Dollar. Und auch der Rubel hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um 14 Prozent erholt. Der schlimmste Teil der Krise scheint also überwunden. Russland kann es sich wieder leisten, ein neues Polster aufzubauen. Mit dem Geld, mit dem zuvor der Rubel gestützt worden sei, könne die Regierung jetzt wieder Dollar kaufen, zitiert "CNN Money" den Währungsexperten für Schwellenländer von Brown Brothers Harriman, Win Thin.

"Sehen viel Geld fließen"

Für Trump kommt das zur rechten Zeit: Er hat große Investitionen in die Infrastruktur versprochen. Allerdings könnten das US-Defizit und der Schuldenberg durch diese kostspieligen Pläne deutlich wachsen.

Die offiziellen 100 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen, die bei Russland liegen, sind an sich nicht viel. Zum Vergleich: Die beiden größten US-Gläubiger China und Japan halten jeweils über eine Billion Dollar in US-Bonds. Thin geht aber davon aus, dass Moskau über einen Umweg noch viel mehr US-Schulden besitzen könnte und damit auch ein viel gewichtigerer Gläubiger der USA ist, als es aus den offiziellen Zahlen abzulesen ist.

Wie viel US-Schulden Moskau tatsächlich besitzt, könne keiner sagen, sagt er. Er hält es aber für denkbar, dass Russland auf Offshore-Konten in Steuerparadiesen wie die Schweiz, Cayman Islands und Luxemburg noch einmal die gleiche Summe gehortet hat, wie die, die offiziell bekannt ist. Alle diese Länder sind offiziell größere US-Gläubiger. Stimmt das, was Thin vermutet, läge Russland nicht auf Platz 15, sondern unter den Top 10 der größten Gläubiger der USA.

Die Russland-Connection der USA ist politisch wie finanziell nebulös. Während Donald Trump seine Russland-Verbindungen immer gern klein geredet hat, hat sein Sohn Donald Trump Jr. bei einer Immobilienkonferenz schon 2008 gesagt: "Wir sehen viel Geld von Russland fließen. Russen machen einen ziemlich überproportionalen Anteil an unseren Vermögenswerten aus." So in etwa könnte es auch bei den Staatsfinanzen sein.

Quelle: n-tv.de

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