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SAP stellt sein Geschäftsmodell auf Cloud Computing um. Die Softwareschmiede braucht dafür anderes Personal.
SAP stellt sein Geschäftsmodell auf Cloud Computing um. Die Softwareschmiede braucht dafür anderes Personal.(Foto: picture alliance / dpa)

Umstellung auf die Cloud: SAP wechselt Teil der Belegschaft aus

Der Softwaregigant SAP erfindet sich neu. Statt Software nur zu verkaufen, will das Unternehmen seine Programme künftig vor allem online vermieten. Dafür braucht SAP anderes Personal. Für viele Mitarbeiter dürfte es eng werden.

SAP revolutioniert sein Geschäftsmodell. Der Umstieg auf Cloud-Computing bedeutet für den deutschen Softwarekonzern nach den Worten seines künftigen Finanzchefs Luka Mucic die größte Transformation der Unternehmensgeschichte. "Um mit dem neuen Geschäftsmodell als Cloud-Unternehmen erfolgreich zu sein, brauchen wir eine deutliche Vereinfachung in vielen unserer Prozesse", sagte Mucic in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung". Da das neue Geschäftsmodell auch eine andere Personalstruktur mit sich bringt, könnten bis zu 2500 überflüssige Jobs gestrichen werden, hieß es aus Insiderkreisen.

Das seit einigen Jahren stark wachsende Cloud-Geschäft ermöglicht den Kunden, Software oder Speicherkapazitäten gegen Gebühr über das Internet zu mieten. Statt Programme fest zu installieren oder Server aufzustellen, nutzen Firmen Rechnerkapazitäten, die IT-Konzerne wie SAP anbieten.

Das führt zu einer grundlegenden Umstellung des Bezahlsystems, denn statt einer einmaligen hohen Lizenzgebühr bezahlen die Kunden vergleichsweise niedrige Entgelte über mehrere Jahre. Allerdings ändert sich auch der Personalbedarf. Europas größte Softwareschmiede muss weniger Berater zu den Kunden vor Ort schicken, braucht allerdings mehr Mitarbeiter in Rechenzentren, die Support oder Updates aus der Ferne liefern.

Belegschaft soll weiter wachsen

Unter dem Motto "Vereinfachen und Optimieren" hat Vorstandschef Bill McDermott, der den Konzern nach dem Wechsel seines Co-Chefs Jim Hagemann Snabe in den Aufsichtsrat Ende dieses Monats alleine führen wird, eine Umstrukturierung eingeleitet. So sollen Standorte mit nur wenigen Mitarbeitern geschlossen oder mit anderen zusammengelegt werden. Auch lieb gewordene, aber unnötige Projekte - sogenannte "pet projects" - will der US-Amerikaner beenden.

"Es wird dazu führen, dass 1500 bis 2500 Stellen abgebaut werden", sagte ein Insider. "Eine genaue Zahl steht noch nicht fest. Zurzeit wird noch geprüft, wo es Doppelarbeit gibt oder wo Stellen überflüssig sind." Betroffen seien alle Regionen weltweit und alle Arbeitsfelder. Zugleich seien für dieses Jahr aber rund 3000 neue Stellen geplant, so dass unter dem Strich die Belegschaft weiter wachse. Näheres dazu kann McDermott auf der Hauptversammlung am 21. Mai erläutern.

Als Joker im Ringen um die Marktführerschaft in der Cloud, um die SAP mit den US-Rivalen Salesforce und Oracle kämpft, betrachten die Walldorfer ihre Datenbanktechnologie Hana. Mit dieser können riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeitet werden.

Die treibende Kraft hinter Hana, Innovationsvorstand Vishal Sikka, hatte SAP Anfang Mai überraschend verlassen. Zum Nachfolger wurde umgehend Bernd Leukert berufen, enger Mitarbeiter von Sikka und Mitglied des erweiterten Vorstands. Während Sikka als genialer Visionär galt, bezeichnet Leukert sich selbst als Pragmatiker mit großer Kundennähe.

Quelle: n-tv.de

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