Unter dem Pleite-SchutzschirmSchonfrist für Solarwatt AG

Der angeschlagene Dresdner Modulhersteller Solarwatt bekommt eine Schonfrist. Bis Juli muss er ein Sanierungskonzept vorlegen. Das könnte das Unternehmen - und seine 440 Mitarbeiter - vor der Pleite bewahren.
Das Amtsgericht Dresden hat dem Antrag der Solarwatt AG auf einen Insolvenzschutzschirm zugestimmt. Damit könne die Sanierung in Eigenregie erfolgen, teilte die Photovoltaik-Firma mit. "So haben wir die notwendige Flexibilität für eine nachhaltige Sanierung", sagte Vorstandschef Detlef Neuhaus. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter.
Solarwatt hatte am Mittwoch wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Insolvenz angemeldet und ein sogenanntes Schutzschirm-Verfahren beantragt, das es seit März gibt. Das Verfahren schützt betroffene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen.
Der Geschäftsführung wird nur ein Sachwalter zur Seite gestellt. Das Gericht bestimmte den Rechtsanwalt Rainer M. Bähr zum vorläufigen Sachwalter. Das Unternehmen mit rund 440 Mitarbeitern war 2011 in die roten Zahlen gerutscht. Für die vorgesehene Wachstumsstrategie konnten sich die Aktionäre nicht auf ein Finanzierungskonzept einigen.
Nun hat das Unternehmen bis zum 31. Juli 2012 Zeit, um dem Amtsgericht Dresden ein umfassendes Sanierungskonzept vorzulegen. Überzeugt es Gericht und Gläubiger, könnte Solarwatt seine Geschäfte als saniertes Unternehmen fortführen. Neuhaus zeigte sich optimistisch: Im ersten Halbjahr 2012 sei der Absatz von neuen Solarsystemen um 120 Prozent gestiegen. "Das macht uns Mut für die Zukunft", betonte er. Die Gehälter der Mitarbeiter seien für die kommenden drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert.
Die 1993 von Frank Schneider gegründete Firma fertigt unter anderem kristalline Solarmodule. Schneider ist zu Wochenbeginn als Vorstandschef abgelöst worden, zum Jahresende wird er nach Unternehmensangaben Solarwatt ganz verlassen. Zuletzt zeigte sich der BMW-Erbe Stefan Quandt an einer Übernahme interessiert. Quandt besitzt bereits etwa ein Drittel der Anteile. Dagegen hat das Bundeskartellamt in einem Vorprüfverfahren im Mai keine Einwände geltend gemacht.