Wirtschaft
Die Schiffsgutacher bei Lloyd's erwarten ein gewaltiges Wachstum - selbst im ungünstigsten Fall.
Die Schiffsgutacher bei Lloyd's erwarten ein gewaltiges Wachstum - selbst im ungünstigsten Fall.(Foto: REUTERS)

Ozeane voller Schiffe: Seeverkehr nimmt zu

Wie wird sich der Warentransport auf den Weltmeeren in Zukunft entwickeln? Britische Experten werfen einen weiten Blick voraus - und gelangen zu beunruhigenden Aussichten.

Der schnelle Aufstieg Chinas saugt Rohstoffe aus dem Weltmarkt - die Nachfrage nach Schiffsraum steigt.
Der schnelle Aufstieg Chinas saugt Rohstoffe aus dem Weltmarkt - die Nachfrage nach Schiffsraum steigt.(Foto: REUTERS)

Der weltweite Seehandel wird einer Studie zufolge in den nächsten Jahrzehnten drastisch zunehmen. Bis 2030 werde sich das Aufkommen mehr als verdoppeln, heißt es in einer gemeinsamen Untersuchung des Schiffversicherers Lloyd's Register, der Rüstungstechnologiefirma Qinetiq und der University of Strathclyde im schottischen Glasgow.

Im Zeitraum bis 2030 würden demnach schätzungsweise 19 bis 24 Milliarden Tonnen pro Jahr per Schiff transportiert. Derzeit sind es rund neun Milliarden Tonnen.

Hauptgrund für die Steigerungsrate sei die enorme Nachfrage des Wachstumsmarktes China nach Rohstoffen. Bis 2030 werde die Volksrepublik etwa drei Mal so viel Öl brauchen wie derzeit und etwa 60 Prozent der weltweiten Kohle abnehmen.

Der Studie zugrunde gelegt wurden das Wachstum der Bevölkerung, die wirtschaftliche Entwicklung und die Nachfrage nach Rohstoffen. Selbst unter den ungünstigsten Basisannahmen dürfte die Schifffahrt gewaltig zulegen, sagte der Chef von Lloyd's Register, Richard Sadler.

Auswirkungen auf deutsche Seehäfen?

Aus deutscher Sicht erscheint die Studie geeignet, der Schiffbauindustrie insgesamt mittelfristig neuen Rückenwind zu verschaffen.

Neben dem anhaltenden Streit um den Ausbau des Hamburger Hafens samt umstrittener Elbvertiefung, dürften die Ergebnisse der Studie zudem auch Kritikern des Großprojekts Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven Wind aus den Segeln nehmen. Der einzige tidenunabhängige Tiefwasserhafen Deutschlands wird seine volle Wirkung als Wirtschaftsfaktor in einer stukturschwachen Region wohl erst bei einer anhaltenden Zunahme des internationalen Seeverkehrs erreichen.

Goldene Zeiten versprechen die Autoren der Studie den deutschen Werften allerdings nicht: Ein Großteil der benötigten Transportkapazitäten dürfte wohl eher aus Asien kommen, hieß es. Auch hier liege China vorn, erklärte Lloyd's-Experte Sadler. Gut die Hälfte der neuen Schiffe komme in den nächsten 20 Jahren aus der Volksrepublik.

Den deutschen Schiffsfinanzierern und allen Leid geprüften Schiffsfonds-Anleger dürften diese Aussichten insgesamt dennoch in den Ohren klingen. Erst im vergangenen Sommer hatte zum Beispiel die Commerzbank beschlossen, sich aus dem starken zyklischen Schwankungen unterworfenen Geschäft mit der Schiffsfinanzierung komplett zurückzuziehen.

Quelle: n-tv.de

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