Sonntag, 27. Dezember 2009
Fit fürs neue Zeitalter: Telekom mit Strategie 2.0
Telekom-Chef Rene Obermann will den früheren Staatsmonopolisten zu einem Multimedia-Konzern umformen. Für das Frühjahr kündigt er ein neues Unternehmenskonzept an, das der zunehmenden Verschmelzung von Mobilfunk, Internet und Fernsehen Rechnung tragen soll."Die neue Strategie 2.0 wird unsere Wachstumschancen gerade mit Blick auf Internetdienste stärker betonen", sagte Obermann dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".
Vom Handy auf den Fernseher
Demnach soll die Telekom über das angestammte Telekommunikationsgeschäft hinaus verstärkt eigene Medienangebote entwickeln. "Heute verschmelzen Netze und Produkte immer mehr miteinander, und die Kunden stellen andere Anforderungen", sagte Obermann, der Ende 2006 an die Konzernspitze gekommen war.
Profitieren soll der Konzern insbesondere von den zunehmenden Kommunikationsbedürfnissen der rundum vernetzten jüngeren Generation. "Demnächst können Sie Videoclips mit dem Mobiltelefon aufnehmen und direkt auf den Fernseher Ihrer Freunde schicken", beschrieb der 46-jährige Manager etwa ein neues Angebot.
Mit weiteren Beteiligungen und Kooperationen will Obermann die Expansion im Internetgeschäft vorantreiben. Jüngst hatte sein Konzern vom Mobilfunk-Dienstleister Freenet für 275 Mio. Euro dessen Tochter Strato übernommen, die Speicherplatz im Internet bereitstellt (Webhosting). Mit Live-Übertragungen von Bundesliga-Fußball lockt die Telekom bereits seit geraumer Zeit Kunden für ihr Internetfernsehen (IPTV).
Vorsichtig optimistisch für 2010
Die organisatorische Grundlage für den Strategiewechsel hat das Unternehmen bereits vor kurzem gelegt. Die Aktionäre – darunter der Bund mit knapp 32 Prozent - stimmten einer Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk auf dem Heimatmarkt zu. Obermann bezeichnete diesen Schritt in dem Interview als "kompletten Bruch mit der Vergangenheit".
Die Wirtschaftskrise, die sich bislang vor allem auf Auslandsmärkten wie Großbritannien und Polen bemerkbar macht, stimmt das Management weiter vorsichtig. Obermann machte zwar deutlich, dass er für das kommende Jahr mit keinem großen Geschäftseinbruch rechne. Abzuwarten bleibe aber, wie stark sich der jüngste Konjunkturabschwung letztlich auf das Konsumverhalten in Deutschland auswirken werde.
Das mit großen Hoffnungen verknüpfte US-Mobilfunkgeschäft, das zuletzt unter verschärfter Konkurrenz litt, will der Telekom-Chef zunächst weiter mit gleicher Kraft stärken. Er nannte es "nicht unrealistisch", in die Tochter T-Mobile USA auch in Zukunft etwa so viel Geld zu investieren wie 2008, als es mehr als drei Mrd. Dollar waren. Manche Analysten fordern, die Tochter durch eine Allianz mit einem Wettbewerber zu stärken. Im Gespräch ist daneben auch ein Verkauf der Sparte. Dazu sagte Obermann: "Richtig ist, dass wir uns in jedem Land immer wieder fragen müssen, ob der eingeschlagene Weg auch in Zukunft noch der richtige ist."
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