Millionenspende wegen SpitzeleienTelekom tut Buße
Die Deutsche Telekom entschuldigt sich mit einer Millionenspende für die Spitzelaffäre im Konzern. Das Unternehmen will insgesamt 1,7 Millionen Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen. Möglich sind auch Entschädigungszahlungen an die Betroffenen.
Mit einer Spende will die Deutsche Telekom ihr Image aufbessern. Wegen des Missbrauchs von Telefondaten in den Jahren 2005 und 2006 sollen rund 1,7 Mio. Euro an gemeinnützige Organisationen gespendet werden, gab der Bonner Konzern bekannt. Dies sei gedacht "als bewusste Geste gegenüber den Mitgliedern von Aufsichtsräten, Betriebsräten, Gewerkschaftsangehörigen und deren Familien, die in großer Zahl von dem Telefondatenmissbrauch betroffen waren".
Das Geld soll vor allem Institutionen zugutekommen, die sich für einen verbesserten Datenschutz engagieren, Mitbestimmung und Bildung fördern und zu Zivilcourage ermutigen - beispielsweise der durch eine gelbe Hand bekannte Organisation "Mach meinen Kumpel nicht an!". Mit Anwälten der vom Datenmissbrauch Betroffenen wurde zudem eine Vereinbarung über die Möglichkeit einer Entschädigung wegen der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte geschlossen beziehungsweise es wurden Gespräche vereinbart.
Balz: "Mit Spenden ist es nicht getan"
Es sei "klar, dass es mit Spenden alleine nicht getan ist", sagte Telekom-Datenschutzvorstand Manfred Balz. Deswegen habe der Konzern eine "namhafte Summe" zur Entschädigung der Betroffenen der Spitzelaffäre zur Verfügung gestellt. Wie hoch diese Summe ist, wollte Balz nicht sagen. Sie sei aber "deutlich bescheidener" als die Spendensumme. Die Entschädigungszahlungen orientierten sich in ihrer Höhe an der geltenden Rechtsprechung.
In den vergangenen Jahren wurde die Telekom von einer Reihe von Skandalen erschüttert. In der Spitzel-Affäre kam vor zwei Jahren heraus, dass Telekom-Angestellte illegal die Telefonverbindungsdaten von Journalisten und Gewerkschaftern erfasst haben. Vier Beschuldigte müssen sich derzeit in Bonn vor Gericht dafür verantworten. In anderen Fällen waren Kundendaten im Internet aufgetaucht oder an Call Center weitergeben worden.
Insgesamt wurden die Telefonverbindungsdaten von bis zu 60 Personen ausgewertet - darunter prominente Gewerkschaftsvertreter wie Verdi-Chef Frank Bsirske oder der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer.
Verdi begrüßt Zahlungen
Die von der Bespitzelung betroffene Gewerkschaft Verdi begrüßte die Zahlungen. Die Zahlungen seien ein "Zeichen für die unternehmerische Verantwortung", die die Telekom übernehme. Die Spende sei eine "bewusste Geste gegenüber den Mitgliedern von Aufsichtsräten, Betriebsräten, Gewerkschaftsangehörigen und deren Familien, die in großer Zahl von dem Telefondaten-Missbrauch betroffen waren".