Wirtschaft
Institutionelle Anleger verleihen Twitter Flügel.
Institutionelle Anleger verleihen Twitter Flügel.(Foto: dpa)

IPO "massiv überzeichnet": Twitter vor großem Reibach?

So wenig sich Privatanleger bisher um Twitter kümmern, so sehr scheint das IPO bei institutionellen Investoren Interesse zu erregen. Medienberichten zufolge ist die Nachfrage so groß, dass die Preisspanne noch mal hochgesetzt werden könnte.

Twitter wird bei seinem Börsengang aufgrund einer starken Nachfrage wahrscheinlich deutlich mehr Geld einnehmen als bislang gedacht. Die Aktien würden nun für 23 bis 25 Dollar pro Stück angeboten, teilte der Kurznachrichten-Dienst mit. Der endgültige Preis werde wohl noch höher liegen, weil vor allem institutionelle Anleger großes Interesse hätten, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen. Dabei waren bereits 25 Dollar ein Aufschlag von bis zu 25 Prozent auf die zuletzt angepeilte Spanne. Neben der Nachfrage spielt Twitter offensichtlich auch die derzeit ganz allgemein robuste Verfassung der Aktienmärkte in die Hände.

Der US-Konzern will 70 Millionen Aktien verkaufen und könnte - bei einem Ausgabepreis von 25 Dollar - damit bis zu 1,75 Milliarden Dollar einnehmen. Inklusive der üblichen Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") wären es zwei Milliarden. Insgesamt wäre Twitter dann an der Börse mit 13,6 Milliarden Dollar bewertet.

Nachfrage übersteigt Angebot

Das Twitter-Management wirbt derzeit intensiv bei potenziellen Investoren für die Aktien. Am Montag trafen die Manager im Ritz Carlton in San Francisco etwa 120 Anleger, wurden dort aber nicht zu der heraufgesetzten Preisspanne befragt.

Die Nachfrage nach den Aktien übersteige das Angebot inzwischen massiv, berichtete Reuters weiter. Daher könnten es sich die börsenbegleitenden Banken erlauben, vor allem solche Investoren herauszusuchen, die die Aktien für eine längere Zeit halten wollten und nicht unmittelbar nur schnell Kasse machen wollten. Zudem seien auch Fonds, die eigentlich nicht bei Börsengängen zugreifen würden, an Twitter-Papieren interessiert. Zum Teil wollten sie bis zu zehn Prozent der verfügbaren Aktien ordern, hieß es in den Kreisen. Es sei aber unwahrscheinlich, dass sie diesen Wunsch erfüllt bekämen.

Die Investmentbank Goldman Sachs organisiert den Börsengang federführend. Auch JPMorgan und Morgan Stanley helfen. Ein Hinweis auf eine starke Nachfrage ist zudem, dass Twitter die Zeichnungsfrist für die Papiere um einen Tag verkürzte. Nun können Investoren ihre Wünsche nur noch bis Dienstagmittag (Ortszeit) anmelden. Der genaue Ausgabepreis soll am Mittwoch bekanntgegeben werden. Der Handelsstart in New York ist dann für Donnerstag vorgesehen.

Twitter verwies am Montag auch auf ein Risiko für Investoren. Das Unternehmen habe einen Brief von IBM erhalten. Der Technologie-Riese werfe Twitter vor, gegen mindestens drei IBM-Patente in den USA zu verstoßen. Der Börsengang von Twitter hat bislang für ein gemischtes Echo gesorgt. Obwohl das Unternehmen kräftig die Werbetrommel rührte, zeigten sich vor allem Privatanleger wenig interessiert, auch Artikel zum IPO fanden sowohl in den US-Medien als auch hierzulande wenig Leser. Hintergrund könnte das Debakel beim Facebook-IPO sein. Damals hatten die Banken den Preis vor dem Debüt in die Höhe getrieben, an der Börse stürzten dann die Papiere schnell ab. Mittlerweile verzeichnet der Titel jedoch ordentliche Gewinne.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen