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Rekordstrafe wegen Libor-Skandal: UBS zahlt die Zeche

Die Schweizer Großbank UBS zieht einen teuren Schlussstrich unter den Skandal um manipulierte Zinsen auf dem Interbankenmarkt. Mit den Behörden in Großbritannien, USA und der Schweiz einigt sich das Finanzinstitut auf Geldstrafen in Rekordhöhe. Aber damit ist das Thema noch nicht vom Tisch.

Sergio Ermotti: "Ein inakzeptables Verhalten von gewissen Mitarbeitern."
Sergio Ermotti: "Ein inakzeptables Verhalten von gewissen Mitarbeitern."(Foto: picture alliance / dpa)

Die Verstrickung in den Libor-Skandal kommt die Schweizer Großbank UBS teuer zu stehen. Die größte Schweizer Bank einigt sich mit den Aufsichtsbehörden der USA, Großbritanniens und der Schweiz auf eine Geldstrafe von insgesamt etwa 1,4 Mrd. Franken. Das ist die zweithöchste Geldstrafe, die je eine Großbank zahlen musste. Wegen der in diesem Zusammenhang erforderlichen Rückstellungen werde im vierten Quartal ein Verlust von 2,0 bis 2,5 Mrd. Franken geschrieben, kündigte die UBS an.

In einem einzelnen Anklagepunkt habe sich die Bank wegen Betrugs schuldig bekannt. Durch Missbrauch elektronischer Kommunikation seien gewisse Referenzzinssätze, darunter auch der Yen-Libor, manipuliert worden, räumte sie ein.

Die Geldstrafe von 1,4 Mrd. Franken setzt sich folgendermaßen zusammen: 160 Mio. Britische Pfund gehen an die britische Finanzmarktaufsicht FSA. 59 Mio. Franken entrichtet die Bank an die Schweizerische Finanzmarktaufsicht FINMA. Diese Summen entsprechen in etwa einer Herausnahme des unrechtmäßig erzielten Gewinns. Darüber hinaus gehen 1,2 Mrd. Franken an das US-Justizministerium und die US-Derivateaufsicht CFTC (Commodity Futures Trading Commission).

Weber: "Null Toleranz für unethisches Verhalten"

Nach Angaben von UBS waren bestimmte Mitarbeiter an dem Versuch beteiligt, die Eingaben für bestimmte Libor-Sätze zugunsten von Handelspositionen zu manipulieren. Eine Rolle habe auch der Wunsch gespielt, die Bank in der Finanzkrise gut dastehen zu lassen. Ein Großteil der Manipulationen gehe auf einen einzelnen Händler zurück, der von 2006 bis 2009 für UBS in Tokio tätig war, erklärte die Schweizer Bankenaufsicht FINMA mit. Hinweise, dass das damalige Top-Management der UBS von den Manipulationen Kenntnis hatte, fand die FINMA nicht.

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti erklärte in einer Telefonkonferenz, rund 40 Mitarbeiter hätten wegen der Libor-Manipulationen die Bank verlassen oder seien entlassen worden. UBS habe mit den Untersuchungsbehörden voll kooperiert und ihr Kontrollsystem inzwischen erheblich verbessert. "Im Verlauf der Untersuchungen haben wir ein inakzeptables Verhalten von gewissen Mitarbeitern festgestellt", erklärte Ermotti weiter. "Es ist ein Kapital, das sicher nicht positiv ist."

UBS-Präsident Axel Weber
UBS-Präsident Axel Weber(Foto: picture alliance / dpa)

Axel Weber, Präsident des UBS-Verwaltungsrats zeigte sich mit der Zusammenarbeit mit den Behörden zufrieden. In einer offiziellen Verlautbarung der Bank schrieb er: "Der Verwaltungsrat und ich haben Nulltoleranz für unangemessenes und unethisches Verhalten von Mitarbeitenden. Wir schätzen es, dass UBS von den Behörden für die Qualität unserer Untersuchungen und unserer Kooperation Anerkennung erhalten hat. Unsere Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden, Investoren und Mitarbeitenden ist von zentraler Bedeutung. Daher müssen wir die operative Praxis, die Kultur und das Risikobewusstsein im Unternehmen weiter verbessern."

Finanzmarktaufsicht greift durch

Die UBS muss für die Libor-Manipulation deutlich stärker büßen als ihr Wettbewerber Barclays. Die britische Bank hatte den Libor-Streit im Juni gegen Zahlung von rund 450 Mio. US-Dollar beigelegt. Die UBS zahlt also rund drei Mal mehr als die britische Bank. Ihre Strafe wird nur noch von den 1,9 Mrd. US-Dollar übertroffen, zu denen die britische HSBC verdonnert wurde: HSBC soll unter anderem mexikanischen Kartellen geholfen haben, Drogengelder zu waschen. Die hohen Summen zeigen, dass die Aufsichtsbehörden gegenüber der mächtigen Finanzbranche inzwischen eine wesentlich härtere Gangart einschlagen.

Insgesamt sollen mehr als ein Dutzend Großbanken über Jahre Referenzzinssätze wie den Libor zu ihren Gunsten manipuliert haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor soll anzeigen, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Der Zinssatz beruht auf den - von außen bislang kaum nachprüfbaren - Angaben der Institute und ist die Grundlage für billionenschwere Finanztransaktionen rund um den Globus. Die Ermittler vermuten, dass die Banken vor allem auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 zu niedrige Angaben gemacht haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne zu kassieren.

Die Einigung mit den Behörden war erwartet worden. Die UBS hatte im Streit um die Libor-Manipulationen frühzeitig auf eine Kooperation mit den Behörden gesetzt. Die Höhe der Summe dürfte sie angesichts eines Gewinns von 4,2 Mrd. Franken allein im Jahr 2011 recht gut wegstecken. Die UBS sei immer noch besser kapitalisiert als andere Banken, hatte es bereits im Vorfeld unter Analysten geheißen. Außerdem wurden von der Bank bereits rund 2,1 Mrd. Franken für regulatorische Angelegenheiten zurückgestellt.

Quelle: n-tv.de

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