Wirtschaft
"Wir kaufen mehr": US-Präsident Obama (l.) führt nun auch Deutschlands größten Absatzmarkt. Hollandes Frankreich ist zweitwichtigster Handelspartner.
"Wir kaufen mehr": US-Präsident Obama (l.) führt nun auch Deutschlands größten Absatzmarkt. Hollandes Frankreich ist zweitwichtigster Handelspartner.(Foto: REUTERS)

Uncle Sam liebt "Made in Germany": USA laufen Frankreich Spitzenplatz ab

Ende einer Ära: Seit 1961 ist Frankreich das wichtigste Abnehmerland für deutsche Waren. Damit ist es nun vorbei. Und Experten sehen etliche Gründe, weshalb die Entwicklung von Dauer sein wird.

Wechsel an der Spitze: Nach mehr als einem halben Jahrhundert ist Frankreich nicht mehr der größte Abnehmer von Produkten "Made in Germany". Der größte Auslandsabsatzmarkt für deutsche Waren sind nun die USA. Im ersten Halbjahr verkauften die hiesigen Unternehmen Waren im Wert von 56 Milliarden Euro über den Atlantik, wie aus Daten des Statistikamtes hervorgeht. Auf Jahressicht war dies ein Anstieg um fast ein Viertel. grund für den Wechsel an der Spitze ist vor allem die Geldpolitik der Europäischen Notenbank: Der schwache Euro verbilligt Exporte in Länder außerhalb des gemeinsamen Währungsraums.

In Frankreich setzten die deutschen Firmen Waren im Wert von 53,5 Milliarden Euro ab. Das war ein Plus von immer hin vier Prozent. "Eine Ära geht damit zu Ende", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

Seit 1961 war Frankreich ununterbrochen der wichtigste Kunde. Das wird sich nach einer Prognose des DIHK dauerhaft ändern. "Der Aufstieg der USA an die Spitze ist keine Eintagsfliege", sagte Treier. "Die werden sich vorerst oben festsetzen. Das ist auch ein Beleg unserer Exportstärke, wenn ein geografisch so weit entfernter Markt zur Nummer eins aufsteigt." Komme es zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, werde das der Nachfrage nach deutschen Waren in Amerika einen weiteren Schub geben. Bereits jetzt nimmt die deutsche Wirtschaft fast jeden zehnten im Ausland verdienten Euro in den USA ein.

Deutschland rüstet US-Industrie aus

Ein Grund für die boomenden Exporte ist das robuste Wachstum in den Vereinigten Staaten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent, während für Frankreich jeweils nur ein halb so hohes Tempo prognostiziert wird. "Wir sehen zudem eine Re-Industrialisierung in den USA: Dort werden wegen der niedrigen Energiekosten viele neue Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen", erklärte Treier. "Dafür werden Maschinen und Ausrüstungen aus deutscher Produktion benötigt."

Hilfreich sei zudem der schwächelnde Euro, der binnen eines Jahres rund 13 Prozent zum Dollar abgewertet hat. "Das kurbelt den Absatz zusätzlich an", ergänzte Treier. "Die Amerikaner sind relativ preissensible Käufer, auch wenn es um Luxusprodukte wie deutsche Autos geht." Der schwächere Euro macht deutsche Waren in Übersee billiger.

Davon profitieren nicht zuletzt die Autobauer. Sie feierten den besten Start in die zweite Jahreshälfte seit zehn Jahren: Im Juli zog der US-Absatz um gut fünf Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge an. Der US-Boom kommt den Unternehmen höchst gelegen, spüren sie doch die China-Flaute in ihren Kassen: Ihre Exporte in die Volksrepublik legten im ersten Halbjahr 2015 gerade einmal um 0,8 Prozent zu - genauso langsam wie in das krisengeplagte Griechenland.

Insgesamt verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 36 Milliarden Euro in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Kein anderes EU-Land ist so abhängig vom China-Geschäft, wie aus IWF-Daten hervorgeht: 5,4 Prozent der deutschen Ausfuhren landeten im ersten Quartal im Reich der Mitte. In Frankreich sind es nur 3,2 Prozent, in Großbritannien 3,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen