Wirtschaft
Rosneft hat seinen Konzernsitz in Sichtweite des Kreml.
Rosneft hat seinen Konzernsitz in Sichtweite des Kreml.(Foto: dpa)

Russlands größter Ölförderer im Visier: USA zielen auf Rosneft

Von Jan Gänger

Wer Rosneft trifft, der trifft den Kreml. Und so verhängen die USA Sanktionen gegen den größten Ölförderer Russlands. Die direkten Auswirkungen sind zwar wenig beeindruckend. Doch schon bald dürfte Rosneft die Folgen zu spüren bekommen.

Mit den neuen Sanktionen gegen Russland nehmen die USA vor allem einen Konzern ins Visier: Rosneft. Denn der größte Ölförderer des Landes wird vom Kreml kontrolliert und gilt als einer der wichtigsten Pfeiler von Putins Machtsystem.

Die Aktie geriet an der Moskauer Börse kräftig unter Druck, sie verlor zeitweise mehr als sechs Prozent an Wert - und das, obwohl die Sanktionen auf den ersten Blick wenig schlimm erscheinen. Die USA verhängen weder Kontensperrungen, noch frieren sie Vermögen ein. Außerdem dürfen US-amerikanischen Firmen weiterhin Geschäfte mit Rosneft machen. Dennoch haben es die Sanktionen in sich.

Ziel der Amerikaner ist es, Rosneft die Finanzierung zu verteuern. Deshalb ist US-Firmen nun verboten, den Russen Kredite mit einer Laufzeit von mehr als 90 Tagen einzuräumen. Das hat zwar keine unmittelbaren Auswirkungen, doch die Folgen werden langsam zu spüren sein - und Rosneft das Leben schwerer machen. Denn die Finanzierung in harten Währungen, speziell im US-Dollar, wird teurer. Dabei werden allein in diesem Jahr Schuldtitel im Volumen von 13,6 Milliarden Dollar fällig. Und wenn die Finanzierungskosten steigen, kann weniger Geld in Investitionen und neue Projekte gesteckt werden. Das Kalkül der Amerikaner: Zwangsläufig werden die Öl-Förderung und die Einnahmen daraus sinken.

Schmerzhaft für Rosneft könnte vor diesem Hintergrund werden, dass auch bisher übliche Finanzierungsgeschäfte nicht mehr funktionieren. Rosneft erhält bei Deals oft milliardenschwere Vorauszahlungen. Diese Art des Geldleihens dürfte nun mit US-Unternehmen nicht mehr möglich sein.

Putin droht

Doch das ist nicht alles. "Banken in den USA und in Europa werden sicher vorsichtiger, was ihre Kredite an russische Unternehmen betrifft. Das wird die Finanzierungskosten nach oben treiben, und in einigen Fällen werden Kredite auch verweigert werden", meinen die Analysten von Nomura. Die britische Lloyds Bank soll bereits entschieden haben, keine neuen Kredite an russische Firmen zu vergeben.

Der Kreml gibt sich wenig beeindruckt, warnt aber zugleich vor Konsequenzen. Präsident Wladimir Putin droht, Sanktionen gegen Russland würden zum "Bumerang" werden. Das Außenministerium nennt die Maßnahmen "primitiv".

Die Verärgerung in Moskau ist nachvollziehbar. Denn wer sich mit Rosneft anlegt, legt sich mit dem Kreml an. Der Konzern wird von Igor Setschin geführt, einem engen Vertrauten von Putin. Der findet sich deshalb bereits auf der Sanktionsliste der USA wieder. Rosneft steht zudem für vier Prozent der weltweiten Ölförderung und trägt damit acht Prozent zum russischen Bruttoinlandsprodukt bei.

Die USA hoffen, dass die neuen Sanktionen europäische und US-Firmen nur gering belasten und vor allem die russische Wirtschaft treffen. Beim Energiesektor müssen die Amerikaner besonders vorsichtig sein, denn Europa ist auf russischen Lieferungen angewiesen. Außerdem machen beide Seiten gute Geschäfte miteinander. So ist BP mit 20 Prozent an Rosneft beteiligt, Exxon betreibt in Sachalin ein Joint-Venture im Volumen von zehn Milliarden Dollar. Die Börsianer reagierten zunächst recht entspannt: BP verloren 2,3 Prozent, Exxon 0,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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