Wirtschaft
Ein leidgeprüftes Land: Der Kiewer Maidan - Epizentrum der proeuropäischen Protestbewegung - im August 2014.
Ein leidgeprüftes Land: Der Kiewer Maidan - Epizentrum der proeuropäischen Protestbewegung - im August 2014.(Foto: picture alliance / dpa)

Kiew kämpft gegen Währungsverfall : Ukraine-Krise erreicht Finnland

Die Spannungen zwischen Moskau und dem Westen ziehen immer weitere Kreise. Die ukrainische Landeswährung verliert dramatisch an Wert. Die Zentralbank in Kiew scheint machtlos. Die Finnen bereiten sich auf harte Zeiten vor.

"Der wirtschaftliche Ausblick ist leider unsicher": Finnlands Regierungschef Alexander Stubb.
"Der wirtschaftliche Ausblick ist leider unsicher": Finnlands Regierungschef Alexander Stubb.(Foto: picture alliance / dpa)

Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise in der Ukraine und den militärischen Auseinandersetzungen im Osten des Landes ist die ukrainische Währung auf ein Allzeittief gefallen. Die Zentralbank in Kiew errechnete zuletzt einen Referenzkurs von 17,58 Hrywnja für einen Euro und 13,13 Hrywnja für den Dollar. Trotz Gegenmaßnahmen der Nationalbank fällt der Kurs der Landeswährung seit Monaten. Die Zentralbank werde aber weiterhin versuchen, "die Marktteilnehmer zu beruhigen". Der Kursverfall scheint sich in den vergangenen Wochen zu beschleunigen.

Weitgehend unabhängig von den politischen Spannungen zwischen Kiew und Moskau durchleidet die Ukraine eine tiefe wirtschaftliche Krise. Seit zwei Jahren steckt das Land in einer Rezession. Der Internationale Währungsfonds (IWF), der das Land im April mit einem Kredit in Höhe von 17 Milliarden Dollar (12,7 Milliarden Euro) vor der Pleite retten musste, schätzt, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 6,5 Prozent schrumpfen wird. Je länger die Kämpfe in den Industrieregionen des Ostens anhalten, desto verheerender dürften die Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung ausfallen.

Machtlose Währungshüter

Mit ihren beschränkten geldpolitischen Instrumenten stehen die Währungshüter der Wirtschaftsschwäche und dem Währungsverfall weitgehend hilflos gegenüber. Die Zentralbank hatte den Leitzins im Juli auf 12,5 Prozent heraufgesetzt, um die Rekordinflation zu bekämpfen. Der Kampf gegen den Preisanstieg hat einen hohen Preis: Das hohe Zinsniveau droht die Kreditvergabe und die verbleibenden unternehmerischen Kräfte weiter abzuwürgen.

Die Auswirkungen der Ukraine-Krise verdunkeln mittlerweile auch die Perspektiven in weiteren ost- und nordeuropäischen Staaten. Die finnische Wirtschaft zum Beispiel verliert unter dem Eindruck der politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen zunehmend an Schwung.

Finnland spürt die Ukraine-Krise

In der finnischen Hauptstadt Helsinki stellte Regierungschef Alexander Stubb eine Senkung der Wachstumsprognose für 2014 in Aussicht. "Der wirtschaftliche Ausblick ist leider unsicher", sagte Stubb Reportern des Online-Mediums "Verkkouutise", das seiner konservativen Partei nahesteht. "Wenn man die strukturellen Probleme Finnlands betrachtet, die internationale Lage und die EU, dann müssen wir unsere Schätzung vielleicht herunterschrauben", erklärte Stubb.

Bereits im Juni hatte das Finanzministerium die Wachstumsprognose für 2014 auf 0,2 von 0,5 Prozent gekappt und dies unter anderem mit einer Verlangsamung auf dem Absatzmarkt Russland begründet. Russland ist der drittgrößte Exportmarkt für finnische Unternehmen. Rund 10 Prozent der gesamten finnischen Ausfuhren gehen dorthin.

Helsinki in der Sanktionsspirale

Russische Touristen geben zudem jährlich rund zwei Milliarden Euro in Finnland aus. Infolge der Sanktionen droht eine wirtschaftliche Schwächung Russlands - mit entsprechenden Folgen für die Reiseaktivitäten und Konsumfreude russischer Touristen.

Im Zuge des Ukraine-Konflikts hat der Westen Sanktionen gegen Russland verhängt. Moskau wird vorgeworfen, die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen. Russland antwortete bereits mit einer Reihe an Gegensanktionen. Beobachtern zufolge könnte sich die Sanktionsspirale zu einem veritablen Wirtschaftskrieg ausweiten.

Finnlands Wirtschaft hat zwei Rezessionsjahre hinter sich, da Schlüsselindustrien wie die Papierbranche und das Geschäft mit Mobiltelefonen schwächelten und auch die Konsumenten weniger ausgaben. Die EU-Kommission hatte im Frühjahr Finnland für 2014 ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,2 Prozent vorhergesagt.

Auch in Deutschland scheinen sich die Konjunkturperspektiven angesichts der Spannungen zwischen Russland und dem Westen massiv einzutrüben: Der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen von Finanzmarktexperten für die kommenden sechs Monaten widerspiegelt, brach zuletzt so scharf ein wie zuletzt Ende 2012.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen