Wirtschaft
Müller gibt zu, dass er das "paradoxe" Verhalten der deutschen Konsumenten, nicht versteht.
Müller gibt zu, dass er das "paradoxe" Verhalten der deutschen Konsumenten, nicht versteht.(Foto: REUTERS)
Samstag, 19. November 2016

Keine Entschädigung in Deutschland: VW-Chef hält Diesel-Kunden Doppelmoral vor

VW steht in der Kritik, weil der Konzern US-Kunden Entschädigungen für die Diesel-Manipulationen bietet, deutschen aber nicht. Der Chef dreht nun den Spieß um und macht VW-Besitzern Vorwürfe. Auch deren Umweltbewusstsein findet er "paradox".

Volkswagen-Chef Matthias Müller hat seine Kunden kritisiert, die eine Entschädigung für die Abgasmanipulation an ihren Diesel-Autos fordern. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte er, man könne die Situation in Deutschland und in den USA, wo VW seinen betroffenen Kunden Entschädigungen und den Rückkauf der Wagen anbietet, "nicht über einen Kamm scheren". Die "Ausgangssituation" sei völlig unterschiedlich.

Müller fügte hinzu: "Den Kunden entsteht ja kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften. Und, wenn ich das anfügen darf", so der Konzernchef weiter mit Hinweis auf das umstrittene angestrebte Handelsabkommen mit den USA, "auf der einen Seite kritisieren viele die amerikanische Gesetzgebung in anderen Zusammenhängen, siehe TTIP. Wenn es aber darum geht, selbst Vorteile daraus zu ziehen, scheint das amerikanische Recht auf einmal der richtige Weg zu sein."

Allein bei den Kunden sieht Müller auch die Verantwortung für die schleppende Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland. Das Verhalten der Konsumenten nannte er ein "paradoxes Phänomen". Es sei keineswegs so, dass die Autobauer die Entwicklung von Elektroautos verschlafen hätten. "Am Angebot mangelt es nicht, sondern an der Nachfrage", sagte Müller. "Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger".  

Müller verteidigte auch den am Freitag verkündeten "Zukunftspakt" für die Konzernmarke VW, der unter anderem den Abbau von 30.000 Jobs vorsieht. "Der Volkswagen Konzern, insbesondere die Marke VW, hat Fett angesetzt in den Erfolgsjahren", so Müller. Notwendig sei nun eine "Schlankheitskur, die nehmen wir jetzt in Angriff - und zwar sozialverträglich". Das VW-Management hatte dem Betriebsrat im "Zukunftspakt" zugesichert, dass der Stellenabbau ausschließlich durch Frühverrentung, Altersteilzeit und normale Wechsel in den Ruhestand umgesetzt werden soll.

Quelle: n-tv.de

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